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Potsdam Gabriele Fischer und die „Millionen“
Lokales Potsdam Gabriele Fischer und die „Millionen“
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07:52 29.08.2019
Gabriele Fischer auf Sansibar mit Kindern, die schwimmen lernen. Quelle: Privat
Potsdam/Sansibar

Bis 2009 war Gabriele Fischer Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport. Später machte sie sich in der Öffentlichkeit eher rar. Und nun? Da ist die Potsdamerin Millionärin. „Ich bin jeden Morgen zur Bank und habe dort etwas mehr als eine Million abgehoben – das war das Limit“, erzählt Fischer auf ihrem prachtvoll begrünten Balkon in der Berliner Vorstadt hoch über den Dächern der Stadt. Allmorgendlich machte sich Fischer bei ihren Aufenthalten in Sansibar-City mit kleinen Taschen auf den Weg zum Geldinstitut, um die „Tagesration“ am Schalter einzutüten. Eine Million und 200 000 – Schillinge. Tansanische Schillinge. Eine Million sind umgerechnet 387 Euro. Also nichts mit Leben in Saus und Braus.

Zumal das Geld auch nicht Fischer gehörte. Es stammt aus der Spende, die die Schauspielerin Gerit Kling vor zwei Jahren für die Partnerstadt Sansibar-City machte. Nach ihrer Teilnahme an einem Charity-Golfspiel gab Kling 10 000 Euro, sattelte dann noch mal 10 000 Euro drauf. Schon hierzulande ist das ein großer Betrag. Doch auf Sansibar ist das für die meisten so unvorstellbar wie Regen in der Wüste. Ein Problem gab es jedoch nach der feierlichen Scheckübergabe im Rathaus: Wie kommt das Geld in die richtigen Hände? Im bitterarmen Sansibar ist es nicht auszuschließen, dass Spendengelder für Privates abgezweigt werden. Also lag Gerit Klings Überweisung etwa ein Jahr auf einem Konto, ohne dass groß etwas passiert wäre.

Schauspielerin Gerit Kling übergab im Herbst 2017 den Spendenscheck für die Städtepartnerschaft zwischen Potsdam und Sansibar,von links Mika Gaube (10) von der Bruno H. Bürgel Schule, OB Jann Jakobs, Gerit Kling und die Stadtverordnetenvorsitzende Birgit Müller. Quelle: Bernd Gartenschläger

Doch manchmal fügen sich im Leben alle Teile wie bei einer simplen Gleichung. Genauso war es bei Gabriele Fischer und Sansibar. Einfach nur – bildlich gesprochen – die Blumen auf ihrem Balkon gießen und den Blick genießen? Dafür ist die studierte Journalistin viel zu aktiv. So kümmert sie sich zum Beispiel um eine syrische Flüchtlingsfamilie. Und eines Tages las sie in der Zeitung von der damals noch jungen Städtepartnerschaft.

Im November flog sie zum ersten Mal auf die Insel. Insgesamt drei Mal war die Ex-Beigeordnete seit damals dort, jeweils für mehrere Wochen und aus eigener Tasche bezahlt. Sie hat Kontakte geknüpft, ein Netzwerk aufgebaut und begonnen, die ganz andere Lebenswelt zu erspüren. Auf den Hochglanzbildern der Touristenresorts sieht das Glück so aus: Luxus-Bungalow, puderweißer Strand, Abtauchen im Pool. Für die Sansibaris definiert sich Glück anders: Das kann für ein Kind schon eine Matte zum Sitzen sein, damit man in den heillos überfüllten Klassenzimmern nicht auf dem blanken Boden vor der Tafel kauern muss. Glück – das kann die neue Spezialfarbschicht für die alte, abgewetzte Tafel sein, an der die Kreide nicht mehr haften will, weil man sie unzählige Male abgewischt hat.

Gabriele Fischer in einem Klassenraum auf Sansibar Quelle: Privat

Freude spenden: Das kann auch bedeuten, dass Kinder schwimmen lernen. Denn, so unglaublich das klingt, auf der Insel im Indischen Ozean gibt es viele Nichtschwimmer. Als sie das hörte, hat Gabi Fischer ihren Hotel-Pool kurzerhand mit Zustimmung der Direktion zu einer Schwimmschule umfunktioniert, einen Lehrer aufgetrieben und einer Schülergruppe die notwendige Ausrüstung gekauft. Am Ende des zweiten Kurses erklärte der Lehrer, er werde ehrenamtlich weiter unterrichten.

Apropos Lehrer: Die haben nicht nur mit den drangvoll überfüllten Klassen mit bis zu 140 Schülern zu kämpfen – auch die Strom-Kosten machen ihnen zu schaffen. Wenn ambitionierte Pädagogen ihren Schülern abends Nachhilfe geben wollen, müssen sie den Strom selbst bezahlen. Dann stecken sie eine Wertkarte in einen Automaten und das Licht geht an. Mit den Spendengeldern wurde zudem die Installation von Solaranlagen für einige Klassenräume einer Schule finanziert. Für das Modellprojekt haben sich bereits andere Schulen interessiert. Es sind solche Geschichten, die Gabriele Fischers Augen beim Erzählen strahlen lassen. So intensiv waren die Aufenthalte, so voller Eindrücke, dass die Potsdamerin mittlerweile zur überzeugten Botschafterin der Insel geworden ist. Was ihr besonders wichtig ist: Dass die angestoßenen Projekte nachhaltig wirken. Die Spenden-„Millionen“ hat sie vor Ort gut angelegt. Aber auch heimgekehrt ist sie nicht mit leeren Händen. Dutzende Briefe von Partnerschülern befanden sich in ihrem Gepäck. Mit Zeilen wie: „For my lovely friends“. Vor kurzem hat „Sansibar-Botschafterin“ Fischer sie den Humboldt-Gymnasiasten persönlich übergeben.

Gabriele Fischer übergab Mitte August im Humboldt-Gymnasium Briefe von Schülern aus Sansibar. v.l.n.r. Nico (17J)-Leiter AG HuGhaS, Gabriele Fischer, Luzie (14J), Pauline (14J), Sara (14J), Paulo (10J). Quelle: Varvara Smirnova

Von ildiko Röd

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