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Potsdam 15 neue Stellen pro Woche: Rathaus Potsdam geht in die Job-Offensive
Lokales Potsdam 15 neue Stellen pro Woche: Rathaus Potsdam geht in die Job-Offensive
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08:14 30.07.2019
Wegweiser zum Jugendamt. Im Fachbereich Jugend, Bildung und Sport sind fast 15 Prozent aller Stellen unbesetzt. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Das Rathaus startet zur Gewinnung neuer Mitarbeiter eine Job-Offensive. Der Bereich Personal als „Haupt-Rekrutierer“ sei in den vergangenen Wochen „professionell gestärkt und aufgestockt“ worden, sagte Rathaussprecher Jan Brunzlow zur MAZ: „Weitere Experten werden eingestellt.“

Die Stadt arbeite „an neuen Wegen für die Personalgewinnung“, inszeniere „ein aktives Arbeitgebermarketing“, werde „auf vielen Ausbildungs- und Jobmessen vertreten sein“. Organisiert würden „Rundfunkbeiträge und besondere innerstädtische Werbemaßnahmen“.

Knapp vier Millionen extra für Personal

Wie berichtet, hat die Stadtverwaltung seit dem 1. Juli 121 Personalstellen zusätzlich. Begründet wurde der Stadtverordnetenbeschluss vom Mai, mit dem allein für 2019 noch einmal fast 3,8 Millionen Euro extra für zusätzliches Personal bereitgestellt wurde, mit einem „unabdingbaren zusätzlichen Stellenbedarf“.

Laut Brunzlow konnte „mit dem Beschluss des Nachtragshaushaltes und der Veröffentlichung im Amtsblatt im Mai“ mit der Ausschreibung begonnen werden.

15 neue Stellen pro Woche

Da nicht alle Stellen gleichzeitig ausgeschrieben und besetzt werden könnten, sei vereinbart worden, dass von jedem der fünf Rathaus-Geschäftsbereiche drei neue Stellen pro Woche ausgeschrieben werden, so Brunzlow: „Demnach sind es bis zu 15 Stellen pro Woche und 60 Stellen im Monat, die ausgeschrieben und besetzt werden könnten.“

Die ersten mit dem Nachtragshaushalt neu eingerichteten Stellen „konnten zum 1. Juli besetzt werden“, sagt der Rathaussprecher: „Von Anfang bis Mitte Juli konnten fünf Stellen besetzt werden, bei weiteren ist das Besetzungsverfahren noch nicht nicht beendet.“

Sechs bis acht Prozent der Stellen unbesetzt

Zu kämpfen hat die Verwaltung nicht nur mit der Besetzung der zusätzlichen Stellen. Hinzu kommen die zuvor schon offenen Stellen. In Potsdam seien „im Jahresverlauf durchschnittlich sechs bis acht Prozent der Stellen nicht besetzt gewesen“, sagt Brunzlow. Am 30. Juni 2019 lag der Wert mit 8,37 Prozent darüber. An diesem Tag waren 187 von 2231 Stellen unbesetzt.

Mit den per 1. Juli 2019 zusätzlich bewilligten 121 Arbeitsplätzen im Rathaus wuchs die Anzahl der verfügbaren Stellen sprunghaft auf 2352, die Anzahl unbesetzter Stellen wuchs fürs erste auf 308, der prozentuale Anteil auf 13,1 Prozent.

Personalausfall summiert sich auf fast ein Viertel der Belegschaft

Mit dem Personalausfall wegen Krankheit und Kuren summiert die Anzahl von Vakanzen auf nahezu 25 Prozent. Wie berichtet, entspricht die Summe des „Ausfalls von Personalkapazitäten aufgrund aufgrund von Arbeitsunfähigkeit ... rund zehn Prozent unserer gesamten Kapazitäten“, so der jüngste Rathaus-Personalbericht der Landeshauptstadt.

>>> Personalnotstand in Potsdams Stadtverwaltung

Für die Besetzung der zusätzlich beschlossenen Stellen gibt es „keinen konkreten Termin“, so der Rathaussprecher, weil wir nicht wissen, ob die Auswahlverfahren alle erfolgreich abgeschlossen werden können“.

Mehr Personalabgänge als Neueinstellungen

Hinzu kommen die Stellen, die zuvor schon unbesetzt waren und für die ebenfalls neue Leute gefunden werden müssen. Die Bilanz bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter für frei gewordene Stellen war im letzten Jahr leicht negativ: Vom 1. Mai 2018 bis zum 30. Juni 2019 wurden in der Verwaltung 284 Arbeitsverhältnisse beendet, aber nur 271 Arbeitsverhältnisse neu begründet.

Zur Gewinnung neuer Mitarbeiter wurden laut Brunzlow in diesem Zeitraum 300 Stellenausschreibungen veröffentlicht.

Besonders viele Mitarbeiter fehlen aktuell im Geschäftsbereich 3 für Soziales, Ordnung und Gesundheit. Laut Rathaussprecher waren dort am 1. Juli von 870 Stellen 111 nicht besetzt, das entspricht 12,8 Prozent. Im untergeordneten Fachbereich 38 für Soziales und Gesundheit waren am 1. Juli 35 von 205 Stellen unbesetzt, das entspricht 17 Prozent.

Im Geschäftsbereich 4 für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt waren am 1. Juli 45 von 506 Stellen unbesetzt, das entspricht 8,9 Prozent. Im untergeordneten Fachbereich 44 für Bauaufsicht und Denkmalpflege waren 17 von 115 Stellen unbesetzt, entspricht 14,8 Prozent.

Im Fachbereich 23 für Bildung, Jugend und Sport waren am 1. Juli 40 von 270 Stellen unbesetzt, entspricht 14,8 Prozent.

Personalmangel als Dauerproblem

Personalmangel ist bereits seit geraumer Zeit ein Dauerproblem für das Potsdamer Rathaus. Verschärft wird die Situation durch den aktuellen Fachkräftemangel, der die Neuanwerbung von Mitarbeitern erschwert.

Im vergangenen Jahr wurde die Situation von der Rathaus-Kämmerei einmal in Euro umgerechnet. Nach einer im Herbst präsentierten Prognose schlugen unbesetzte Stellen über das Jahr mit fast acht Millionen Euro an Einsparungen zu Buche.

Hinzu kam ein Minderaufwand durch den Entgeltfortfall für Mitarbeiter, die länger als sechs Wochen krank waren, in Höhe von knapp 2,4 Millionen Euro.

Zum 1. Juli waren in Potsdams Stadtverwaltung laut Rathaussprecher Jan Brunzlow 53 Mitarbeiter länger als sechs Wochen krank.

Von Volker Oelschläger

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