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Potsdam SPD: Gibt es eine Zukunft für das Rechenzentrum Potsdam?
Lokales Potsdam SPD: Gibt es eine Zukunft für das Rechenzentrum Potsdam?
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20:17 10.01.2020
Mosaik „Der Mensch bezwingt den Kosmos“ am Erdgeschoss des Rechenzentrums. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Kurz vor dem finalen Beschluss zur Errichtung eines Kreativquartiers an der Plantage kommen auch aus der SPD Fragen nach einer Zukunft für das Rechenzentrum. Nach aktuellen Plänen soll dieser Bau 2023 freigezogen und dann abgerissen werden.

Wie berichtet, präsentierte das Rathaus auf Stadtverordneten-Beschluss Rechenmodelle mit den geschätzten Kosten für einen teilweisen Erhalt des seit 2015 als Kunst- und Kreativhaus genutzten DDR-Baus. Ergebnis: Es wird teuer.

Doch auf kritische Nachfragen im Kulturausschuss musste Harald Kümmel als Rathaus-Beauftragter für Sonderprojekte am Donnerstag mehrfach passen.

Sarah Zalfen (SPD) wollte wissen, ob zum Rechenzentrum eine „informelle Markterkundung“ stattfand, ob es „einen Investor gibt, der sagt: Das will ich machen“. Kümmel verneinte. Zalfen bedauerte mit Verweis auf das Ergebnis des Verfahrens beim neuen Kreativquartier: „Wer weiß, was es für das Rechenzentrum für Ideen gibt, die wir nicht hatten.“

Tatsächlich hat mit dem Verein „Freundliche Übernahme Rechenzentrum“ (FÜR) schon vor mehr als zwei Jahren eine Initiative die Bereitschaft erklärt, die Sanierung und den Betrieb des Gebäudes zu übernehmen.

Der Verein, in dem auch viele Nutzer des Rechenzentrums organisiert sind, hat immer wieder kritisiert, dass er von der Stadt bei entscheidenden Fragen zum Kreativquartier nicht gehört würde.

Kümmel bekräftigte, dass selbst bei einem teilweisen Erhalt eine große Gebäudeecke abgerissen werden müsste, um einen Mindestabstand zum Neubau des Garnisonkirchturms zu gewährleisten.

Das Problem: Mit Verringerung der Nutzfläche erhöht sich die Miete für die im Haus verbleibenden Nutzer, die die Sanierung refinanzieren müssten.

Allerdings vertrat die Verwaltung in Sachen Abstand vor wenigen Jahren noch eine andere Auffassung. Der damalige Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) erklärte Anfang Januar 2015 in der MAZ, der Wiederaufbau des Garnisonkirchturms werde vom Rechenzentrum „nicht beeinträchtigt“.

Tage später wurde der Plattenbau vom damaligen Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) als Arbeitsstätte für Künstler und andere Kreative freigegeben.

In ihrer den Stadtverordneten vorgelegten Schätzung für einen „rein theoretischen“ Kompletterhalt des Rechenzentrums kommt die Verwaltung auf Sanierungskosten in Höhe von 10,65 Millionen Euro.

Für die Ermittlung der Zahlen wurde eine Kostenschätzung aus dem Jahr 2016 mit einer „pauschalen Erhöhung um 12,1 Prozent“ herangezogen, so die Erläuterung zum Verfahren. 2016 wurde die nötige Investition für den langfristigen Erhalt des Baus auf 5,5 bis 8,8 Millionen Euro geschätzt. Für die aktuelle Ermittlung wurde nur der Höchstwert genommen.

Unbeantwortet blieb im Ausschuss die Nachfrage von Alexander Frehse (Die Partei), ob die kalkulierten Mieten zur Refinanzierung des Sanierungsaufwands fürs Rechenzentrum über 15 oder mit günstigeren Raten über 30 Jahre ermittelt worden sind.

SPD-Politikerin Zalfen wiederum verglich die von der Stadt kalkulierte Nettokaltmiete von 15,26 Euro pro Quadratmeter bei einem Teilerhalt des Rechenzentrums mit anderen Kreativquartieren etwa in Berlin, wo die Preise mit einem Mehrfachen „durch die Decke“ gingen.

>>> Kommentar: Überraschungen sind möglich

Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke) brachte zum Kreativquartier zwei Änderungen ein. Der Investor soll die in der Bewerbung zugesagte Mindestfläche von 6500 Quadratmetern für neun Euro Miete und eine Mindestfläche von 18.500 Quadratmetern für die Kreativwirtschaft im Grundbuch festschreiben

Zudem sollen die Stadtverordneten eine jährliche Berichtspflicht zur Vermietungssituation nach Ablauf der 20-jährigen Zweckbindung beschließen.

Geschäftsführer Christopher Weiß sagte auf MAZ-Anfrage, ihm seien die Änderungsanträge der Linken bekannt: „Für uns ist das okay. Wir sind immer für Transparenz auf Augenhöhe.“

Scharfenberg begrüßte die Debatte zur Gestaltung des Areals: „Manches, was heute gesetzt ist, kann sich in zwei, drei Monaten ganz anders darstellen.“

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Von Volker Oelschläger

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