Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Behinderten-Lift nicht behindertengerecht
Lokales Potsdam Behinderten-Lift nicht behindertengerecht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:55 24.05.2019
Der Rollstuhlfahrerlift im Haus 1 der Stadtverwaltung steht in der Kritik des Behindertenbeirats.
Der Rollstuhlfahrerlift im Haus 1 der Stadtverwaltung steht in der Kritik des Behindertenbeirats. Quelle: Rainer Schüler
Anzeige
Nauener Vorstadt

Wer einen Rollstuhlfahrer-Lift braucht, muss ihn auch gebrauchen können. Davon jedenfalls ist der Potsdamer Beirat für Menschen mit Behinderungen überzeugt. Er kritisierte jetzt im Werksausschuss des Kommunalen Immobilienservice (KIS), dass der Treppenlift im Haus 1 der Stadtverwaltung unzuverlässig und zudem für viele Behinderte gar nicht bedienbar ist. An der Wandseite ist er nämlich mit einer Fernbedienung ausgestattet, die ein Stromzufuhrkabel hat und für Rolli-Fahrer mit Hand- oder Armproblemen fast unmöglich zu erreichen ist. Diese Klienten brauchen dann jemanden, der für sie den Lift bedient, beschreibt Beiratsmitglied Alexander Wietschel: „Inklusion sieht anders aus.“ Die Grünen-Stadtverordnete Inge Naundorf sagt, sie habe binnen fünf Jahren zwölf Anträge zu Inklusion von Menschen mit Behinderung gestellt: „Alle wurden beschlossen, nicht einer wurde umgesetzt.“

Das Haus 1 der Stadtverwaltung ist nicht behindertengerecht, nicht mal der Behindertenbeirat ist barrierefrei erreichbar. Foto: Rainer Schüler

Der Beirat hatte einen Umzug vom nahe gelegenenen, abrissgeweihten Haus 2 in den neuen „Sozialamt-Campus“ in der Com-City an der Behlerstraße abgelehnt, weil das für Behinderte zu weit entfernt vom öffentlichen Nahverkehr ist. Derzeit hat der Beirat einen Raum im ersten Stock des Hauses 1, in dem auch die Bauverwaltung sitzt, doch für Behinderte ist das Haus nur eingeschränkt zu nutzen.

Behinderte oder mobilitätsbeschränkte Menschen haben Probleme im Haus 1 der Stadtverwaltung Potsdams. Der DDR-Plattenbau – die frühere Stasi-Zentrale – hat schwer erreichbare Fahrstühle.

Am bisherigen Standort im Haus 2 des Rathaus- Campus war der Zugang im Rahmen der Möglichkeiten nahezu barrierefrei. Eine gut befahrbare Rampe und Automatiktüren boten einen guten Zugang zum ebenerdigen Büro. Am neuen Standort gibt es Automatiktüren am Haupteingang, jedoch münden diese umgehend an Treppenstufen, die man überwinden muss, um zum Aufzug zu gelangen. Ein installierter Treppenlift kann Rollstuhlfahrer über die kleinere Treppe ins Souterrain und zum dortigen Aufzug bringen, wenn die maximale Nutzlast des Gerätes nicht gerade erreicht wird und dieser stoppt oder wenn man die technische Herausforderung der Inbetriebnahme beherrscht.

Der Hintereingang des Gebäudes gehört zur Druckerei und hat eine rollitaugliche Rampe. Die Türen ins Haus öffnen sich aber nicht automatisch. Quelle: Rainer Schüler

Der Beirat möchte einen leicht bedienbaren und zuverlässigen Treppenlift oder noch besser eine Ausrüstung des Druckerei-Hintereingangs, der über eine Rampe verfügt, mit Automatiktüren. Die würden einen barrierefreien Zugang zum Kellereinstieg des Hausfahrstuhls erlauben. Auch eine Automatiktür zum eigentlichen Büroteil und ein barrierefreies WC auf der entsprechende Etage möchte der Beirat haben.

Der stellvertretende KIS-Werksleiter Hans Jörg Wapenhans versprach, seine Behörde werde dem Beirat weitestgehend entgegenkommen und die geforderten Nachrüstungen vornehmen. Das könne 40.000 bis 50.000 Euro kosten. Man könne aber nicht das gesamte Plattenbauhaus barrierrefrei machen. Es geht auch darum, die beiden Fahrstühle für Blinde und Sehschwache auszurüsten. Der Ausschuss beschloss einen Auftrag an die Stadt, die kritisierten Mängel „unverzüglich abzustellen“ und dem Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung darüber zu berichten; der berät noch zwei Mal vor der Sommerpause.

Von Rainer Schüler

27.05.2019
24.05.2019