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Potsdam Lobbyistin für Kinder und Jugendliche
Lokales Potsdam Lobbyistin für Kinder und Jugendliche
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17:19 11.12.2018
Stefanie Buhr (37) ist die erste Koordinatorin für Kinder- und Jugendinteressen in der Landeshauptstadt Potsdam. Quelle: Nadine Fabian
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Potsdam

Wer denkt, dass Kinder allenfalls mitreden dürfen, wenn’s darum geht, ob der neue Spielplatz eine Schaukel oder einen Wippe bekommt, hinkt dreißig Jahre zurück. 1989 trat die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen in Kraft. Auf dass die Charta auch in Potsdam Anwendung findet, hat nun Stefanie Buhr (37) ein Büro im Rathaus bezogen. Die Diplom-Soziologin ist die erste Koordinatorin für Kinder- und Jugendinteressen in der Landeshauptstadt. Ihre Stelle geht aus dem Aktionsplan „Kinder- und jugendfreundliche Kommune Potsdam“ hervor, für den es 2017 das Gütesiegel vom Verein „Kinderfreundliche Kommunen“ gab.

Stefanie Buhr ist zwar Angestellte der Stadt, versteht sich aber als Anwältin, als echte Lobbyistin der jungen Potsdamer. „Ich möchte die Landeshauptstadt fit machen für das Thema Kinderrechte und dafür sorgen, dass Stadt und Stadtverordnete das Thema auch ernst nehmen.“ Eines der verbrieften Grundrechte in der UN-Konvention ist die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen – ein weites Feld, auf dem Potsdam schon vieles gut beackert, aber noch viel, viel mehr leisten könnte, so Stefanie Buhr: „Beispiel Stadtentwicklung, Verkehrsplanung, Neubauprojekte. – Genau genommen geht Kinder alles an, an dem sie entlanglaufen, das sie benutzen, mit dem sie in Berührung kommen.“

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Bevor Entscheidungen in der Stadtpolitik fallen, sollen Kinder und Jugendliche ihr Mitspracherecht wahrnehmen können und zu den jeweiligen Projekten angehört werden. Das gefällt nicht jedem, denn je mehr Interessenvertreter beteiligt sind, desto aufwendiger und mitunter auch langwieriger wird eine Planung. „Das muss aber ein Automatismus werden“, sagt Stefanie Buhr, „wie Autofahren.“

Die Koordinatorin für Kinder- und Jugendinteressen ist angesiedelt im Büro für Chancengleichheit und Vielfalt der Landeshauptstadt Potsdam – also recht weit oben in der Rathaus-Hierarchie. „Das ist wichtig, um einen guten Überblick über die verschiedenen Fachbereiche zu haben“, sagt Stefanie Buhr, die betont, keine Einzelkämpferin zu sein: „Ich arbeite eng mit dem Jugendamt und dem Kinder- und Jugendbüro des Stadtjugendrings zusammen. Ich bin auch eine Vermittlerin zwischen der Stadt und den freien Trägern. Und natürlich können mich Kinder und Jugendliche direkt ansprechen.“ Auf dass sich junge Besucher bei ihr im Büro auch wohl- und aufgehoben fühlen, wolle sie noch etwas umgestalten und das sachliche Verwaltungsinterieur vor allem mit etwas Farbe aufpeppen.

Stefanie Buhr bringt mehrere Jahre Berufserfahrung in der Jugendarbeit mit. So war sie im benachbarten Kleinmachnow in der offenen Jugendarbeit tätig und hat dort das Kinder- und Jugendbudget mit auf den Weg gebracht. So einen Fördertopf, auf den junge Leute zurückgreifen können, um eigene Projekte zu verwirklichen, soll es ab 2020 auch in Potsdam geben. Im kommenden Jahr ist dafür noch zu regeln, wer unter welchen Voraussetzungen vom Kinder- und Jugendbudget profitieren kann. Diese Vorarbeit ist allerdings nur einer von vielen Punkten auf Stefanie Buhrs Jahresplan für 2019. Ganz groß auf der Agenda steht der Name „Krampnitz“.

Die Kinderrechte

In Potsdam leben 30 571 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre (Stand 31. Dezember 2017).

Auf Altersgruppen verteilt bedeutet das: von 0 bis 3 Jahre leben 5802 Mädchen und Jungen in Potsdam, von 3 bis unter 6 Jahre 5630, von 6 bis unter 9 Jahre 5388, von 9 bis unter 12 Jahre 5037, von 12 bis unter 15 Jahre 4514 und von 15 bis unter 18 Jahre 4200.

Die UN-Kinderrechtskonvention trat im Herbst 1990 in Kraft. Sie legt wesentliche Standards zum Schutz der Kinder weltweit fest und beruht auf vier elementaren Grundsätzen: Überleben/Entwicklung, Nichtdiskriminierung, Wahrung der Interessen der Kinder sowie deren Beteiligung. Die Konvention umfasst 54 Artikel.

Unicef fasst den Text in zehn Grundrechten zusammen: Recht auf Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung unabhängig von Religion, Herkunft und Geschlecht; Recht auf einen Namen und eine Staatszugehörigkeit; Recht auf Gesundheit; Recht auf Bildung und Ausbildung; Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung; Recht, sich zu informieren, sich mitzuteilen, gehört zu werden und sich zu versammeln; Recht auf Privatsphäre und eine gewaltfreie Erziehung im Sinne der Gleichberechtigung und des Friedens; Recht auf sofortige Hilfe in Katastrophen und Notlagen und auf Schutz vor Grausamkeit, Vernachlässigung, Ausnutzung und Verfolgung; Recht auf einen Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause; Recht auf Betreuung bei Behinderung. nf

Von Nadine Fabian

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