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Potsdam Update: Das sind die Pläne für Potsdams neues Kreativquartier
Lokales Potsdam Update: Das sind die Pläne für Potsdams neues Kreativquartier
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15:43 15.11.2019
Die ehemalige Rechnerhalle ist schon weg, das Rechenzentrum wird wohl folgen. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Die Entscheidung ist gefallen: Das künftige Kreativzentrum in der Potsdamer Innenstadt soll vom Berliner Projektbüro Glockenweiß entwickelt werden. Am Freitag wurde das Votum offiziell bekanntgegeben, die MAZ hatte bereits am Vorabend berichtet werden. Die mit Fachleuten, Vertretern der Kultur- und Kreativwirtschaft, der Stadtverordnetenversammlung, der Landeshauptstadt Potsdam und des Sanierungsträgers Potsdam besetzte Jury hatte die Angebote dreier Bewerber verglichen.Das Gremium tagte fast sechs Stunden lang bis in den späten Abend hinein, Beteiligte sprachen von intensiven Debatten, die aber letztlich zu einem eindeutigen Votum geführt hätten. Demnach hätten vor allem die Stimmen aus der kreativen Szene für den Siegerentwurf gesprochen, die anderen Beteiligten schlossen sich dann an.

Kleinteilig, modern und vielseitig nutzbar: Der Plan für das neue Kreativquartier. Die Architektur wird in einem eigenen Wettbewerb bestimmt. Quelle: Detlev Scheerbarth

Damit setzte sich ein Konzept durch, das mit fast 7000 Quadratmeter günstig zu mietender Nutzfläche für die kleinteilige Kultur- und Kreativwirtschaft sehr viel mehr Fläche vorsieht, als die von der Stadt geforderten 4300 Quadratmeter. Die durchschnittliche Kaltmiete liegt bei neun Euro pro Quadratmeter, ähnlich wie im Rechenzentrum sollen größere Unternehmen die kleineren quersubventionieren. Zur Zeit gehen die Planer von drei bis vier Euro als günstigsten Mietpreis, etwa für Werkstattflächen, aus.

Ein Dorf in der Stadt

Das Kreativzentrum soll ab 2023 das Rechenzentrum ersetzen, das zur Zeit mehr als 200 Nutzern Platz für Ateliers und Büros bietet, außerdem sind Gewerbe- und Wohnflächen geplant. „Village“, also Dorf, nennt der Architekt Christopher Weiß vom Büro Glockenweiß den Entwurf – und so sieht er auch aus. Kleine Gassen verbinden die einzelnen Gebäude miteinander, begrünte Dächer, ein Innenhof und eine große Tribüne sollen den Ort öffentlich nutzbar machen. In insgesamt drei Bauabschnitten soll das Gelände bebaut werden, zuerst erfolgt die Realisierung der dringend benötigten Atelierflächen, um den nahtlosen Übergang aus dem Rechenzentrum zu ermöglichen.

Im nächsten Schritt soll der vorliegende städtebauliche Entwurf in einen architektonischen umgewandelt werden, die genaue Ausgestaltung der Gebäude ist noch offen. Christopher Weiß und seine Geschäftspartnerin Andrea van der Bel haben dafür bereits einen Favoriten, der sich am nun folgenden Wettbewerb beteiligen wird: Das vom niederländischen Star-Architekten Winy Maas gegründete Büro MVRDV; die dortigen Architekten gelten weltweit als Experten für moderne, ikonenhafte Urbangestaltung. „Wir haben von Anfang an ein starkes Team an Bord, um alle Belange zu berücksichtigen“, sagte Christopher Weiß bei der offiziellen Bekanntgabe der Entscheidung am Freitag. So hat er neben den niederländischen Architekten auch den Berliner Kulturszenekenner Tim Renner auf seiner Seite, dieser soll möglicherweise eine Art Kurator für das Krativzentrum werden. Denkbar sei, so Weiß, die Geschäftsführung einer gemeinnützigen GmbH, zu deren Gesellschaftern auch die Rechenzentrums-Künstler gehören.

Der Beigeordnete für Stadtentwicklung und Bauen, Bernd Rubelt (parteilos), und vom Sigrun Raabe vom Sanierungsträger Potsdam präsentieren den Siegerentwurf. Quelle: Bernd Gartenschläger

Diese waren es, die letztlich den Ausschlag für die Entscheidung gegeben haben, hieß es aus dem Entscheidungsgremium. „Bei den beiden favorisierten Entwürfen, die beide sehr gut und zugleich sehr unterschiedlich sind, wäre die Unterbringung der Kreativszene sehr unterschiedlich gewesen“, so ein Jury-Mitglied.

Künstler als sichtbare Nutzer

Ein weiterer Bewerber war derPotsdamer Bauträger Mila, der bislang vor allem Wohnungen gebaut hat, aber weiter expandieren will und sich auch schon um Baurecht auf dem Brauhausberg beworben hatte. Die dritten im Rennen: Das Münchner Architekturbüro Euroboden, das auch eine Dependance in der Hauptstadt unterhält. Für die Jury waren alle Angebote anonymisiert worden, bis zuletzt wussten die Entscheider nicht, von wem die Projektentwürfe stammten. Erst nach der Entscheidung wurden die Namen der Bewerber genannt.

Im Siegerkonzept sind die Künstler die sichtbarsten Nutzer. „Wir wollen unser Gesicht zeigen und weiterhin ein wichtiger Teil der Stadt sein, deshalb ist die nun vorgesehene Lösung im Langen Stall für uns die beste“, sagte Brigitta Bungard, die als Vertreterin des Rechenzentrums mit entschied. „Man hat gemerkt, dass es allen Beteiligten sehr wichtig ist, was hier passiert“, so die Designerin, die schon für das New Yorker Museum of Modern Art gearbeitet hat, „und die Auswirkungen dieses Projekts auf den Rest der Stadt waren allen klar, wir brauchen hier Freiräume und viel Platz für die öffentliche Nutzung.“ Schon vor dem Baubeginn, der frühestens im nächsten Winter erfolgen kann, wollen die Bauherren den Ort bespielen, Christopher Weiß plant eine Zwischennutzung für Theater und Festivals im kommenden Jahr. Das Potsdamer Theater Poetenpack habe bereits Interesse angemeldet, die Freifläche als Sommerbühne zu nutzen, hieß es.

Rückzug aus Berlin

Das Berliner Projektbüro Glockenweiß besteht aus den Architekten Christopher Weiß und Andrea van der Bel. Weiß, 1974 in Berlin geboren, lebt seit vier Jahren mit seiner Frau und den beiden gemeinsamen Kindern im Potsdamer Norden. Gemeinsam mit Andrea van der Bel hat er bereits zahlreiche Wohn- und Kreativprojekte verwirklicht, zu den Referenzen des Büros gehört auch die Entwicklung des Nauener Bahnhofsquartiers. Das Engagement der Firma in Potsdam ist kein Zufall, im Sommer hatten Weiß und van der Bel angekündigt, sich aus dem Wohnungsbau in Berlin zurückzuziehen: „Mittelfristig verlagern wir nicht nur unsere Projekte nach Brandenburg und Norddeutschland, wir werden auch zukünftig Niederlassungen außerhalb von Berlin ansiedeln, da dort das Investitionsklima deutlich freundlicher ist“, schrieben die Architekten auf ihrer Facebookseite. Tatsächlich sind die beiden Architekten in Potsdam bereits in Erscheinung getreten. So unterstützten sie das Filmprojekt „Schrott oder Chance“ über den Abriss der Fachhochschule, waren auch bei der Premiere des Werks, das im Rechenzentrum produziert wurde.

Christopher Weiß lebt seit vier Jahren in Potsdam. Gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Andrea van der Bel entwickelt er das Kreativzentrum. Quelle: Bernd Gartenschläger

Die Empfehlung der Jury wird nun durch die städtischen Gremien beraten, letztlich muss für die Realisierung ein Treuhand-Grundstück veräußert werden. Der Stadtverordnetenversammlung obliegt dann die abschließende Entscheidung über die Vergabe: Das Stadtparlament wird in seiner Sitzung im Januar 2020 einen Entschluss fassen. Der Baubeigeordnete Bernd Rubelt zeigte sich am Freitag optimistisch: „Der Verkauf des Grundstücks war immer ein Teil des Vergabeverfahrens“, sagte er. Zugleich wird auch ein Teilerhalt des Rechenzentrums geprüft, hier soll noch in diesem Jahr ein Ergebnis vorliegen.

Von Saskia Kirf

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