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Potsdam Neues Stadtviertel Krampnitz: Sozialwohnungen durch zusätzliches Bauland?
Lokales Potsdam

Potsdams neues Stadtviertel Krampnitz: Sozialwohnungen durch zusätzliches Bauland?

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21:40 22.11.2021
Das Heizhaus auf dem ehemaligen Kasernengeländes in Krampnitz.
Das Heizhaus auf dem ehemaligen Kasernengeländes in Krampnitz. Quelle: Detlev Scheerbarth
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Krampnitz

Der vorläufige Sanierungsstopp für das Heizhaus in Krampnitz – Sitz der künftigen Energiezentrale des neuen Stadtviertels – hat am Montag für Aufsehen gesorgt. Als Konsequenz aus der Verzögerung hat der Stadtverordnete und Krampnitz-Kritiker Andreas Menzel (Freie Wähler) die Gründung eines beratenden Gremiums gefordert: „Für eine zukunftsweisende Quartierentwicklung sollte externer unabhängiger Sachverstand zur Seite gestellt werden, wie wir ihn in Potsdam zum Beispiel mit dem Klimarat haben“, sagte Menzel zur MAZ.

Wie berichtet, muss die Sanierung der Gebäudehülle der Energiezentrale vorerst gestoppt werden, weil der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Widerspruch gegen die bereits erteilte Baugenehmigung des Landesumweltamtes eingelegt hat. Der Einwand des BUND: Das Heizhaus liege in einer Pufferzone zur Döberitzer Heide. Und: Der Entwicklungsträger habe planungsrechtliche Fehler gemacht, so der Vorwurf von Axel Kruschat vom BUND-Kreisvorstand am Wochenende nach Bekanntwerden des Sanierungsstopps.

Kümmel: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“

„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, erklärte Harald Kümmel von der Bauverwaltung am Montag bei der Präsentation des neuen Krampnitz-Statusberichts, als es um das Thema Heizhaus ging. Aber: Ursprünglich waren 2,3 Millionen Euro EU-Fördermittel für die drei Millionen Euro teure Sanierung des Heizhauses bewilligt. „Aufgrund der derzeit ausgesetzten Hüllensanierung können davon mindestens 1,5 Millionen Euro nicht abgerufen werden“, sagte der Baubeigeordnete Bernd Rubelt (parteilos).

Da die Wärmeerzeugung für das Quartier nach aktuellem Stand nicht im Heizhaus stattfinden kann, muss sie verlagert werden. Drei Blockheizkraftwerke sind insgesamt vorgesehen; beim Einzug der ersten Anwohnerinnen und Anwohner im Jahr 2024 reicht ein einziges aus.

Menzel zweifelt das Ökologische dieser Blockheizkraftwerke jedoch an: „Ich vermute sehr stark, dass hier kein Biogas, sondern Erdgas verbrannt werden soll – und dass stattdessen Biogaszertifikate andernorts erworben werden könnten.“ Wie es bei der Präsentation des Statusberichts jetzt hieß, soll es in Krampnitz zusätzlich Geothermie und Solarenergie geben.

Tram-Trasse in Nedlitzer Straße 2025 fertig

Ein weiteres großes Thema beim Großprojekt Krampnitz ist die Verkehrsanbindung. Die Entwurfs- und Genehmigungsplanung für die Tram-Erweiterung vom Campus Jungfernsee bis nach Fahrland soll Mitte 2022 stehen. Der Planfeststellungsbeschluss wird im Jahr 2024 angestrebt. Die Gleisbauarbeiten in der Nedlitzer Straße sollen jedoch früher starten – dank eines eigenständigen Planfeststellungsverfahrens. Ziel sei, dieses Teilprojekt bereits 2025 in Betrieb zu nehmen.

Arbeiten der Deutschen Wohnen an den ehemaligen Kasernengebäuden in Krampnitz. Quelle: Detlev Scheerbarth

Noch in der Schwebe ist die Schaffung von günstigem Wohnraum durch die Deutsche Wohnen. Im Bestand der ehemaligen Kasernen ist dies offenbar aufgrund der hohen Sanierungskosten nicht möglich.

Scharfenberg initiierte Vorstoß der Stadtverordneten

Auf Grundlage eines Stadtverordnetenbeschlusses, den der Linken-Stadtverordnete Hans-Jürgen Scharfenberg initiiert hatte, suchten die Landeshauptstadt, der Entwicklungsträger und die Deutschen Wohnen nach neuen Lösungen. Als Möglichkeit werden nun Neubauten zwischen den denkmalgeschützten Ex-Kasernen diskutiert. Sprich: Die Ausweisung zusätzlicher Neubaufelder auf den Grundstücken.

Voraussichtlich im Januar sollen sich die Stadtverordneten mit den Ergebnissen der Untersuchungen zur Realisierung von Neubauten im Kasernenbestand der Deutschen Wohnen befassen. „Ich freue mich, dass hier Möglichkeiten gesehen werden, und bin gespannt auf die konkrete Umsetzung“, erklärte Scharfenberg gegenüber der MAZ.

Zum Thema der Grundstücksankäufe entlang der geplanten Tramtrasse vom Campus Jungfernsee in Richtung Norden hielt sich Rubelt bedeckt. Wilhelm Wilderink – Eigentümer eines Neu Fahrländer Grundstücks, das potenziell an der künftigen Trasse liegt – erklärte gestern auf MAZ-Nachfrage: „Im Gegensatz zu öffentlichen Verlautbarungen sind die Verhandlungen vonseiten der Stadt abgebrochen worden – es gibt schlicht keine Angebote zu etwaigen Grundstücksankäufen.“

Von Ildiko Röd