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Potsdam Muss das Kirchenschiff gebaut werden?
Lokales Potsdam Muss das Kirchenschiff gebaut werden?
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20:25 16.10.2019
Vision der Bürgerinitiative "Mitteschön" für die Garnisonkirche mit Schiff. Quelle: Mitteschön
Potsdam

Am Mittwoch hat die Initiative „Mitteschön“ ihre Vision für ein Kirchenschiff der Garnisonkirche präsentiert. Doch braucht es überhaupt ein Kirchenschiff? Ein Pro (Rainer Schüler) und Contra (Volker Oelschläger).

Pro: Es ist wert, darüber nachzudenken

Die Garnisonkirchen-Fans haben alle Hände voll zu tun, den Turm zu bauen. Sie hoffen, dass der Spendenwille in die Höhe schnellt, wenn der Turm in die Höhe wächst. Steht erstmal der Turm, könnten viele fühlen, was „Mitteschön“ so fühlt: Er stünde einsam da und unvollständig.

Ein Kirchenschiff zu planen, wagt noch keiner, obwohl man die Option schon heute erhalten oder verwerfen muss, denn man braucht die Baufläche dafür. Immerhin hat der Architekt schon vorsorglich das Schiff mit eingeplant. So gibt es bereits die nötige Mauerverzahnung vom Turm zum Schiff; und vom Schiff steht ja auch schon fast eine Wand, in der Rückwand des Turmes nämlich.

Alt-Bischof Markus Dröge hat den „Mitteschön“-Aktivisten mal gesagt, über das Schiff könne man nachdenken, wenn man eine Nutzung dafür hat. Die glaubt „Mitteschön“ zu haben – ein Nutzungsmix mit dem alten Kirchenschiff als Konzertsaal.

Warum nicht? Als eigenes Konzerthaus wäre es in Potsdam wohl unwirtschaftlich und vielleicht nicht nötig, denn Berlin ist eine starke Konkurrenz. Aber ein schönes Gebäude mit der Möglichkeit, es für Großveranstaltungen zu nutzen, ist das Nachdenken wert. Das ist ja der Sinn von Visionen und ihre Eigenart, dass mit ihnen nichts in Sack und Tüten und die Finanzierung schon berechnet ist.

Die Vision ist ein Beitrag zur Diskussion darüber, was denkbar ist. Es sofort mit einem „Geht nicht“ vom Tisch zu wischen, ist unfair und das Ende jeden Dialogs und Meinungsstreits. Man kann das Bauwerk auf die Episode des Hitler-Bücklings vor Hindenburg beschränken und aus politischem Kalkül als Soldatenkirche verdammen, aber warum stellt man dann nicht den Bundestag in Frage und viele andere Gebäude, die einst den Nazis Schaltzentralen waren?

Contra: Potsdam hat drängendere Probleme

Im Streit um den Wiederaufbau des Garnisonkirchenschiffs ist ein politisches Schattenboxen entbrannt. Die einen wollen eine Jugendbegegnungsstätte, die anderen schlagen nun ein Konzerthaus vor. Die Proteste von Jugendeinrichtungen gegen den Vorschlag des Oberbürgermeisters folgten prompt. Es gäbe bereits genug Angebote. Die Kritik namhafter Konzertanbieter wie des Nikolaisaals oder der Nikolaikirche zum Gegenvorschlag von Mitteschön wird auch nicht lange auf sich warten lassen. Schließlich geht bei dem am Mittwoch vorgestellten Modell nicht nur um die Frage nach dem Publikum, sondern auch um Förderung. Ähnliches erleben wir bereits beim Bau des Garnisonkirchenturms, der rein spendenfinanziert sein sollte, und dessen Baustelle nun ohne Bundesmittel überhaupt nicht denkbar wäre. Doch zurück zum Schiff.

Die Entscheidung über den Wiederaufbau soll laut geltender Beschlusslage künftigen Generationen überlassen bleiben. Deshalb stellt sich durchaus die Frage, ob Potsdam keine drängenderen Probleme hat? Bieten Personalnotstand im Rathaus, Unterfinanzierung im Klinikum, Verkehrskollaps und explodierende Mieten nicht allein schon genügend Stoff für politischen Wettbewerb?

Mitteschön als Bürgerinitiative mit ihren selbst gesetzten Zielen verhält sich entsprechend, daran gibt es nichts zu kritteln. Anders liegt der Fall bei Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD), der schon mehrfach mit einer Leidenschaft für Luftschlösser auffiel, Stichwort: Komplettöffnung des Stadtkanals. Sicher: Potsdam hat schon immer Visionen geweckt. Und doch ist es vielleicht ist an der Zeit, dass der OB seine Aufmerksamkeit etwas stärker auf die Gegenwart fokussiert.

Von Rainer Schüler und Volker Oelschläger

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