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Potsdam Urteil nach Überfall auf Jungfernsee-Villa fällt erst Ende Januar
Lokales Potsdam Urteil nach Überfall auf Jungfernsee-Villa fällt erst Ende Januar
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00:24 06.12.2018
Justitia ist die römische Göttin der Gerechtigkeit – in Potsdam muss sie sich in Geduld üben. Quelle: dpa
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Potsdam

Der Prozess um den brutalen Überfall auf eine Familie in ihrer Villa am Jungfernsee geht in die Verlängerung. Das Urteil gegen die vor dem Landgericht Potsdam angeklagten John R. (25), Jorge H. (23), Florian G. (32) und Nico N. (25) aus Berlin soll nicht wie erhofft am 17. Dezember Woche fallen, sondern laut Gerichtssprecher Sascha Beck erst Ende Januar 2019.

Jorge H. soll in einen ähnlichen Fall in Wandlitz verwickelt sein

Zu den zunächst neun seit Oktober geplanten Verhandlungstagen kommen vier weitere hinzu. Ein Grund: Zu dem Potsdamer Raub wurde ein ähnlicher Fall hinzugezogen, der sich im Jahr 2013 in Wandlitz (Barnim) ereignet hat. Dort soll Jorge H. als Heranwachsender mit zwei gesondert Verfolgten in eine Villa eingebrochen sein und Goldbarren, Münzen und Silber eingesackt haben. Das Wandlitz-Trio hat laut Staatsanwaltschaft bei diesem Beutezug einen Schaden von 300 000 Euro angerichtet.

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Keiner will die treibende Kraft gewesen sein

Im Potsdamer Fall haben Jorge H. und seine Jungfernsee-Komplizen Geständnisse abgelegt und sich dabei die Schuld gegenseitig zugeschoben – keiner will die treibende Kraft für den Überfall gewesen sein.

Nur Nico N. schweigt. Er hat dem Vernehmen nach erst in der Tatnacht von dem geplanten Einbruch erfahren. Seine Verteidigerin verlas eine Einlassung: Demnach ist Nico N. in der Tatnacht von den drei anderen angerufen und abgeholt worden. „Mir war klar, dass es um irgendeine Strafsache ging – der Bruch sollte in derselben Nacht stattfinden.“ Ein vierter Mann sei nötig geworden, da „Florian G. Schiss bekommen hatte und nur noch das Fluchtauto fahren wollte“.

Nico N. war klar „dass Bewohner bedroht werden müssten“

Weil er Licht im Haus sah, habe er davon abgeraten, in die Villa einzusteigen, erklärte Nico N. – er sei sicher gewesen, dass die Bewohner daheim seien und „dass es kein einfacher Einbruch werden würde und dass Bewohner bedroht werden müssten“. Die Tat sei „dilettantisch vorbereitet“ und Jorge H. und John R. seien zudem „ziemlich angetrunken“ gewesen.

Wie berichtet waren Jorge H. und John R. Ende Juli 2017 in die Villa einer Familie mit drei Kinder im Alter von drei, acht und elf Jahren eingebrochen. Während Florian G. und Nico N. im Fluchtwagen saßen, gingen die beiden Freunde äußerst brutal vor. So bedrohte H. den Familienvater mit einem Messer und fixierte ihn am Boden, während R. die älteste Tochter in den Würgegriff nahm und die Mutter aufforderte, Geld, Schmuck und andere Wertsachen herauszugeben. Dabei schlug R. immer wieder auf die Frau ein und trat sie ins Gesicht, wobei er sie schwer verletzte.

Die Verhandlung wird am 17. Dezember um 9 Uhr in Saal 8 des Landgerichts im Justizzentrum an der Jägerallee fortgesetzt.

Von Nadine Fabian

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