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Potsdam Prozess wegen Kindesmisshandlung: Kleine Katharina aus Potsdam ist traumatisiert
Lokales Potsdam Prozess wegen Kindesmisshandlung: Kleine Katharina aus Potsdam ist traumatisiert
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11:07 07.01.2020
Der leibliche Vater des kleinen Mädchens und seine Stiefmutter müssen sich vor dem Potsdamer Amtsgericht verantworten. Quelle: Robert Schlesinger/zb/dpa
Potsdam

Eine Posttraumatische Belastungsstörung – so etwas haben Soldaten nach Kriegseinsätzen. Auch Überlebende von Terroranschlägen leiden oft unter dem Syndrom, das mit PTBS abgekürzt wird, schwere körperliche Einschränkungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle können ebenfalls eine solche Störung auslösen. Zu den Symptomen gehören Flashbacks und Albträume, Gleichgültigkeit und Stumpfheit. Als die kleine Katharina im Frühsommer 2017 nach einem dreiwöchigen Krankenhausaufenthalt entlassen und in die Obhut des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) überstellt wird, diagnostizieren die Ärzte dort eine solche Posttraumatische Belastungsstörung bei dem Mädchen.

Schwierige Diagnostik

Sabine Stein ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, -psychiatrie und -psychotherapie. Am Montag sagte sie im Prozess gegen Katharinas Vater Dirk D. und seine Lebensgefährtin Sophia R. aus. Den beiden wird vorgeworfen, das gerade zwei Jahre alte Mädchen so schwer misshandelt zu haben, dass Katharina schließlich in akuter Lebensgefahr schwebte, als sie im Mai 2017 in ein Potsdamer Krankenhaus eingeliefert wurde. Bis heute ist Katharina Sabine Steins Patientin, etwa ein bis zwei Mal im Jahr wird sie im SPZ untersucht.

Lesen Sie mehr zum Prozess:

>>>Was passierte mit der kleinen Katharina?

>>> Eklat vor Gericht

„Wir begleiten Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten“, erklärt die Ärztin die Aufgabe des SPZ. Es sei schwierig, derart gravierende Diagnosen wie PTBS und die ebenfalls festgestellte Bindungsstörung bei Kleinkindern zu stellen. „Es ist eine Verdachtsdiagnose anhand der gezeigten Symptomatik“, sagt Sabine Schwarz. Sie beschreibt die „sofortigen Kontaktabbrüche Katharinas bei den geringsten Verunsicherungen“, die deutlich gezeigten Ängste, das so genannte Freezing, das ein rechtsmedizinischer Gutachter vor Gericht ebenfalls geschildert hatte. Dieses auch eingefrorenes Beobachten genannte Phänomen sei, so hatte er ausgesagt, bei misshandelten Kindern häufig zu beobachten: „Alles, was man mit ihr gemacht hat, hat sie einfach erduldet.“

Psychisch und physisch aufgeholt

Körperlich habe Katharina mittlerweile aufgeholt, auch psychisch sei sie heute besser entwickelt, wenn auch nicht komplett altersgemäß. „Sie ist weiterhin ein schüchternes und zurückhaltendes Kind“, sagt Sabine Stein, „aber wir sind auch jedes Mal eine fremde Institution für sie.“ Wie lange Katharina noch im SPZ betreut und ob sie wie geplant im kommenden Jahr eingeschult werden kann – die Ärztin kann es nicht sagen. „Wenn sich Kinder in der Schule gut einleben, kann es passieren, dass die Begleitung endet“, sagt sie. Zur Zeit sei die Behandlung sowohl seitens des Jugendamts als Katharinas Vormund gewollt, als auch vom SPZ selbst empfohlen.

Im Mai 2017 war Katharina nach der Aussage ihrer Stiefmutter Sophia R. zu Hause ohnmächtig geworden. Der daraufhin alarmierte leibliche Vater des Kindes hatte den Krankenwagen gerufen – im Krankenhaus stellten die Mediziner dann schnell zahlreiche teils schwere Verletzungen fest. Auch Katharinas Psyche fiel den Ärzten auf. „Sie hat gezeigt, dass sie überfordert und belastet ist“, hatte eine Kinderschutzmedizinerin vor Gericht ausgesagt.

Zwei Jugendamtsmitarbeiter hatten von einem „blau geschlagenen Kleinkind“ berichtet. Unter Verdacht steht vor allem die Stiefmutter Sophia R., die sich hauptsächlich um Katharina und ihre eigene, gleichaltrige Tochter kümmerte, während Dirk D. auf Jobsuche war. Vor Gericht stehen die beiden Erwachsenen gemeinsam wegen der Misshandlung von Schutzbefohlenen und Verletzung der Fürsorgepflicht, Sophia R. könnte auch wegen schwerer Körperverletzung belangt werden – ihr drohen bis zu zehn Jahren Haft. Am 20. Januar wird der Prozess fortgesetzt, dann wird auch ein Urteil erwartet.

Von Saskia Kirf

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