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Potsdam Pücklersche Blutbuche nachgepflanzt
Lokales Potsdam Pücklersche Blutbuche nachgepflanzt
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02:22 21.04.2018
Nachpflanzung der Pücklerschen Blutbuche auf dem Bowlinggreen vor dem Schloss Babelsberg
Nachpflanzung der Pücklerschen Blutbuche auf dem Bowlinggreen vor dem Schloss Babelsberg Quelle: Bernd Gartenschläger
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Babelsberg

Die Schlösserstiftung pflanzte am Mittwoch den Jungbaum auf dem sich zur Havel hin absenkenden Rasenhang. Damit schließt die Buche die Lücke im Raumgefüge und ersetzt den 166 Jahre alten Baum, der im Februar wegen Bruchgefahr gefällt werden musste.

Der Baum stammte vermutlich aus den Anfangsjahren der Gestaltung der Anlage und wurde wahrscheinlich durch Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) gepflanzt. 1851 sei dies gewesen, schätzt die Schlösserstiftung. Das gleiche Jahr, in dem Wilhelm I. und Augusta ihre Reise nach London antraten, um die Wunder der ersten Weltausstellung zu sehen, so Kustodin Katrin Schröder

Alte Buche nicht zu retten

Ab 1961 stand die Buche eingesperrt von Zäunen im innerdeutschen Grenzgebiet. Eine Hunde-Lauflinie führte unmittelbar am Baum vorbei. Nach dem Rückbau der Anlage 1989/90 konnte der rote Farbtupfer 30 Jahre lang wieder bewundernde Blicke auf sich ziehen.

2016 wurde das Areal um die Buche aus Sicherheitsgründen weiträumig gesperrt. „Sie hatte wenig gesundes Holz, eine geringe Restwandstärke und war mehrfach stark geschädigt“, berichtet Gartendenkmalpflegerin Anne-Grit Reichelt. Zum Schluss habe es auch einen akuten Pilzbefall gegeben. Etwa 1,40 Meter Durchmesser hatte die Buche. „Unsere Gärtner konnten nicht mehr zur Pflege runter – zu gefährlich,“ sagt Reichelt.

Pückler Geschichte in DNA

Der neue Jungbaum trage die Pücklersche Geschichte buchstäblich in seinen Genen. „Es handelt sich um einen Klon“, erklärt Cord Panning, Geschäftsführer und Parkdirektor der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau. Die DNA wurde aus der großen Blutbuche vor dem Muskauer Schloss entnommen. Vor zehn Jahren erreichte der 1826 gepflanzte Mutterbaum seine Altersgrenze. Rechtzeitig vor dem Absterben hatte die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau ihn genetisch identisch vermehrt.

Ein kleiner, angespitzter Zweig wurde dafür auf die Buche aufgepfropft – eine Technik, die auch beim Veredeln von Obstbäumen eingesetzt wird. Teuer sei nur gewesen, den Baum verpflanzfähig zu halten. Denn etwa 19 Jahre sei der Baum in der Obhut der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau in der Lausitz gewesen, bevor er nach Babelsberg kam.

In dieser Zeit durfte der Baum nicht an einem Ort stehenbleiben. Er musste gestochen werden, damit sich die Faserwurzeln ausbilden können. „Ein gehöriger Aufwand, dessen Kosten wir nicht hochgerechnet haben“, sagt Panning. Es sei eben ein Freundschaftsdienst. So werden die Pückler Parks in Muskau, Barnitz und Babelsberg durch die Blutbuchen als verbindendes Element zusammengehalten, erklärt Panning.

Veranstaltungen Schloss Babelsberg im Überblick

Wegen Sanierungsmaßnahmen im Rahmen des Masterplans ist das Schloss Babelsberg derzeit nur im Rahmen von Sonderveranstaltungen geöffnet.

Am Samstag dem 5. Mai, zwischen 17 und 22 Uhr, beginnt die Saison mit einem großen Gartenfest, das mit Musik begleitet wird. Abends werden die Schlossterrasse und der Pleasureground nach historischem Vorbild mit bunten Glaslämpchen beleuchtet. Eintritt ist frei, Führungen gibt’s ab 4 Euro.

Karten-Vorverkauf tartet am 1. Mai. Erhältlich unter anderem in den Besucherzentren Potsdam, am Neuen Palais sowie an der Historischen Mühle.

Schutz für den Neuling

Wie Pückler sei auch die junge Buche schon weit gereist. Ab 2016 wurde sie beispielsweise für vier Monate auf dem Dach der Bonner Bundeskunsthalle zur Pücklerausstellung präsentiert. Der Gartendirektor der Potsdamer Schlösserstiftung, Michael Rohde, zeigte sich begeistert über die Nachpflanzung: „Es ist ein lebendiges Denkmal, das wächst und weiterverfolgt werden muss.“ Diskutiert wird derzeit noch, wie der Jungbaum lange erhalten bleibt. So sei die Rinde sehr dünn und durch seine exponierte Lage schutzlos der Sonne ausgeliefert. „Damit der Stamm nicht überhitzt und es zu Rissen kommt, überlegen wir Strohmatten anzubringen“, erklärt Reichelt. Etwa 60 Jahre werde es dauern, bis die Buche wieder die einstige Größe erreicht hat, schätzt die Expertin.

In diesen Tagen werden im Park noch drei Eichen und ein Ahorn-Baum nachgepflanzt, die den Sturmschäden zum Opfer fielen.

Von Anne Knappe

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