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Potsdam Pulsar Trio am Freitag im Waschhaus
Lokales Potsdam Pulsar Trio am Freitag im Waschhaus
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02:18 14.04.2018
Das Pulsar Trio greift oft nach den Sternen, wenn die Session läuft – und greift selten daneben. Quelle: Benjamin Maltry
Schiffbauergasse

Beate, die eine Ausbildung als Klinikclown für Kinder absolviert hat, erzählt, dass sie als Mädchen häufig Hardrock „auf den Ohren hatte“. Ihr Bruder hörte Metallica, da kann sich eine kleine Schwester nicht entziehen. Längst ist sie groß und arbeitet am Flügel als das Schwungrad einer Band, die vermutlich eine Anti-These zu Metallica darstellt. Das Pulsar Trio aus Potsdam ist ein glücklicher Unfall der Rockmusik – denn wie sollte man es anders nennen, wenn Matyas Wolter, neben Beate Wein das Gründungsmitglied, partout nicht zur Gitarre greifen wollte, auf der er mal als Kind gespielt hat, sondern sich die Sitar nahm, die er mit den Jahren lieben lernte?

Die Sitar ist außerhalb von Indien ein Kuriosum mit vielen Schrauben und einem Klang, den man von der Yoga-Stunde gerne mit nach Hause nimmt. George Harrison von den Beatles hat die Sitar in Indien entdeckt, als er vom Jungen zum Mann gereift war, was nicht alle in der Band verstanden. Ringo Starr reiste schnell ab, weil ihm der Speck zum Frühstück fehlte.

Das Pulsar Trio ist mental sehr weit entfernt von Ringo Starr, dem braven Briten mit dem Hang zum Immergleichen. Neben Beate Wein und Matyas Wolter zählt Aaron Christ zur Band, ein Schlagzeuger, der Takte spielen kann, die sich mathematisch nicht mehr erschließen, weil sie offenbar dem Zufall gehorchen, keiner stringenten Zählweise. Was natürlich täuscht, weil Aaron hinter seiner lässigen Ray-Ban-Sonnenbrille ein gewissenhafter Mann ist, der keinem Rhythmus so etwas wie Schlendrian durchgehen lässt. Es ist das Geheimnis eines Jazz-Schlagzeugers, wie sein Groove am Ende immer haargenau dann endet, wenn die Bandkollegen ihre Melodien auserzählt haben.

Drei Alben, Sieg beim Music Contest

Das Pulsar Trio spielt seit elf Jahren zusammen und hat bislang drei Alben veröffentlicht: „Erpelparka Suite“ (2012), „Cäthes Traum“ (2016) und am 6. April 2018 „Zoo of Songs“.

Zur Band gehören Matyas Wolter (Sitar/Bass-Sitar), Beate Wein (Piano, Bass Novation, Pianet) und Aaron Christ (Schlagzeug).

Kennengelernt haben sich Matyas Wolter und Beate Wein in Indien, wo Matyas jährlich das Winterhalbjahr verbringt und fünf Jahre lang bei seinem damaligen Sitar-Lehrer wohnte.

Den Global Music Contest „Creole“ hat das Pulsar Trio 2014 gewonnen.

Details zur Band finden sich unter www.pulsartrio.de

Die Record-Release-Show zum neuen Album „Zoo of Songs“ findet an diesem Freitag um 20 Uhr im Waschhaus statt. Eintritt für 14 Euro.

Aber ist das Jazz, ist das ein Groove? Ist die Sitar überhaupt geeignet für den Groove, der ja ein westliches und somit deutlich außer-indisches Phänomen ist?

Das Pulsar Trio sitzt in der Sonne und sinnt den Fragen bei einer Handvoll Kuchen hinterher. Sie proben in der Scholle, dem Kulturzentrum an der Geschwister-Scholl-Straße. Matyas sagt: „Klar, manchmal steht die Sitar einer Idee im Weg, weil sie einen anderen Klang und eine andere Aura hat, als wir sie sonst vom Jazz und Rock’n’Roll kennen.“ Was ihn nicht daran hindert, seinem Instrument mitunter ein Punksolo abzuverlangen.

Sie proben im Keller, wo es noch so kalt ist wie zum Jahreswechsel. Die Sitar aber hebt die Temperatur. Es wirkt für westliche Ohren verrückt und gar beglückend, wie leichthändig die Dogmen von östlicher und westlicher Musik vermählt werden, ohne gestelztes Weltmusikgehabe oder dieser selbstgerechten Pose, die zwischen den Zeilen flüstert: Ach, sind wir herrlich aufgeschlossen! Auf solche Allüren kann das Trio verzichten.

Die Besetzung ist weltweit einzigartig

„Es gibt die Besetzung aus Sitar, Flügel und Schlagzeug unseres Wissen auf der Welt kein zweites Mal“, sagt Matyas, auch darin steckt kein Gramm Bekennerstolz oder die Freude an der Exklusivität. Überhaupt findet man im Trio einen herzlichen, unangestrengten Umgangston, der auch noch zu erkennen ist, wenn sie zu ihren Instrumenten greifen.

In der Scholle gibt es keinen Flügel, darum spielt Beate auf einem Keyboard. Sie proben „Rambos Muscledance“. Rambos Muskeltanz. Matyas unternimmt lange Spaziergänge, damit ihm solche Namen für die Lieder einfallen. „Das ist manchmal schwerer, als die Stücke selbst zu schreiben.“ Er lacht. Beate spielt gerade eine ungewohnte Harmonie zum Anfang von „Rambo“. „Aha“, ruft Aaron, als müsse er jetzt sein System umstellen. Matyas grinst: „Hauptsache, der Refrain stimmt!“

Sie haben Erfolg, doch auf eine stille, dennoch weltweit anerkannte Weise. Gerade ist ihr drittes Album „Zoo of Songs“ erschienen, aufgenommen in Sachsen. Sie spielten schon in Glastonbury, dem legendären englischen Rock-Festival. Das ist der Olymp. Trotzdem sind sie ein Geheim-Tipp. Beates Augen glänzen, wenn sie von Glastonbury spricht. Der Headliner damals, 2012, war Metallica. Sie ist wieder die kleine Schwester gewesen.

Von Lars Grote

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