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Potsdam Realitäts-Check im Kunstraum
Lokales Potsdam Realitäts-Check im Kunstraum
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16:39 31.08.2019
Jonathan Callan baut im Kunstraum an seiner Installation „Flood“. Quelle: Bernd Gartenschläger
Schiffbauergasse

Die Welle kam in 29 Umzugskartons. „Flood“ nennt sich die raumgreifende Installation des Londoner Künstlers Jonathan Callan aus unzähligen Büchern und Broschüren, die zu Scheiten zerstückelt und auf dem Boden hochkant dicht aneinandergereiht das Bild einer erstarrten Brandung formen.

Die gleichermaßen philosophische wie ästhetisch starke Arbeit im Obergeschoss des Waschhaus-Kunstraums krönt ein Ausstellungsprojekt, das es in dieser Form in Potsdam noch nicht gegeben hat.

Gezeigt werden Arbeiten aus vier anonymen Privatsammlungen mit moderner zeitgenössischer Kunst, die sich vor drei Jahren zu einem gemeinnützigen „Art’Us Collectors’ Collective“ vereinten. Kern ist eine gemeinsame Datenbank, die Kuratoren und Institutionen für Ausstellungsprojekte zur Verfügung steht. Ziel ist es, gesammelte Kunst sichtbar zu machen.

Ein erstes aus diesem Fundus gespeistes Projekt mit Fotografie gab es im Kunstmuseum Weserburg in Bremen. In Potsdam aber läuft zum ersten Mal das volle, genreübergreifende Programm. Die Ausstellung „Realitäts-Check“ wird am Freitag eröffnet.

„Realitäts-Check“ im Waschhaus-Kunstraum vereint 48 Künstler, sechs davon aus Potsdam. Hier ein kleiner Einblick.

Seit knapp zwei Jahren ist Kunstraum-Kurator Mike Geßner mit den Sammlern aus Berlin, Düsseldorff, München und Stuttgart in engem Kontakt. Für die Ausstellung wählte er Arbeiten von 42 Künstlern aus der Datenbank aus. Es sei das erste Mal, dass er die meisten Werke erst beim Aufbau der eigenen Ausstellung erstmals in echt sah, sagt der langjährige Galerist.

Einige wenige kannte er bereits aus anderen Ausstellungen, darunter den apokalyptischen Torbogen „Arch (Growing Assertiveness)“ von Thomas Hirschhorn, den er schon einmal in Leipzig sah.

Yin Xuizhen: „Portable City: Frankfurt“. Quelle: Bernd Gartenschläger

Thematische Klammer der Ausstellung ist der Abgleich von Wahrheit, Verfremdung und Illusion. Fünf Abteilungen beschäftigen sich mit unterschiedlichen Spielarten künstlerischer Wahrnehmung von Realität.

Varianten einer „Transformation“ der Realität finden sich im Eingangsraum etwa mit dem Modell der Frankfurter Banken-City aus Stoff in einem aufgeklappten Reisekoffer von Yin Xiuzhen oder mit dem fotografisch echten „Blue Picnic“ von Isca Greenfield-Sanders, das sich bei näherem Hinsehen als Ölgemälde erweist.

Hirschhorns Torbogen steht im Zentrum des Saals zum Thema „Hyper-Realität“, drumherum weitere Arbeiten, die das reale Leben quasi überzeichnen: Eine lebensgroße Figurengruppe von Iris Kettner aus Stoff und Holz auf dem Weg durch die Wand; ein von Phillip Langer mit Schellack zu Kunst veredeltes Paket von aufeinandergeklebten alten Großplakaten.

Julius Ruge: „Das ganze Ding“. Quelle: Bernd Gartenschläger

Kleine Dinge werden riesig in der „Mikro-Realität“ mit so phantastischen Bildern wie „Das ganze Ding“ in Mischtechnik von Julius Ruge oder „Roots“ mit edel schwarz-weiß fotografiertem Wurzelwerk von Fiete Stolte.

Der Abstrakten Realität widmen sich Arbeiten wie das charismatische blau-rot-weiße Diptychon ohne Titel von Bernard Piffaretti oder die orange-dominierte Farbexplosion von Katharina Grosset.

Callans „Flood“ ruht in der Abteilung „Hyper II“ neben der „Hässlichen Luise“, rot bemalten Abfallrohren mit Betonsockeln von Manfred Pernice oder auch den wie mit Karamel überzogenen Motorradhelmen von Achim Rethmann.

An der Ausstellung beteiligt sind sechs Potsdamer Künstler, die auf Einladung des Kurators zu vorgegebenen Themen neue Arbeiten entwickelten. Dabei sind neben Phillip Langer und Julius Ruge Susanne Ramolla, Cecile Wesolowski, Steffen Mühle und Christian Stötzner.

InfoVernissage am Freitag, 19 Uhr; Ausstellung bis 6.Oktober, Mi-So 13-18 Uhr, Eintritt frei.

Von Volker Oelschläger

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