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Potsdam Rechenzentrum bei „Made in Potsdam“
Lokales Potsdam Rechenzentrum bei „Made in Potsdam“
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00:23 12.01.2019
Früh gestorbene Künstler in Filz in einer Installation von Menno Veldhuis und Simone Westphal. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Totgesagte leben länger. Dieser Sinnspruch gilt für das Kunsthaus im Rechenzentrum. Als Sophia Pietryga als Vertreterin dieser Künstlergemeinschaft und Mike Geßner als Kurator des Waschhaus-Kunstraums vor eineinhalb Jahren erste Absprachen trafen, war die Verlängerung für das Rechenzentrum über den August 2018 hinaus noch völlig offen. Am Donnerstag wird die Ausstellung „Eine Frage der Zeit“ im Programm des Festivals „Made in Potsdam“ mit 27 Künstlern des Rechenzentrums eröffnet.

Filip Kalkowski: „Abend über Potsdam“. Quelle: Bernd Gartenschläger

Ein Blickfang ist gleich am Eingang das Ölbild „Abend über Potsdam“ von Filip Kalkowski, der erst vor wenigen Monaten ins Rechenzentrum kam. Die Arbeit überträgt das Motiv des berühmten Bildes von Lotte Laserstein aus dem Jahr 1930 mit jungen Menschen in einer Tafelrunde vor dem abendlichen Potsdam mit dem Dach des Rechenzentrums als neuem Ort des Treffens in die Gegenwart.

Der Bildhauer Stefan Pietryga ist im Kunstraum mit einem 80 Zentimeter großen Kubus aus dunklem Granit dabei, der die Gestalt der Formsteine aufnimmt, die in einer Schmuckmauer das Gelände des Rechenzentrums von der Plantage trennen. Das um 1970 errichtete Gebäudeensemble des Rechenzentrums klingt in der Ausstellung immer wieder einmal an. Programmatisch ist allein schon das Ausstellungsplakat mit einem Riss in der Betonwand und einem darüber gesetzten Messgerät – eine erst kürzlich vor Ort entstandene Aufnahme, die den Verfall dokumentiert. Es gibt auch Impressionen wie bei Antje Maecker, die den Blick aus ihrem Atelier auf die graue Rechnerhalle in Öl auf die Leinwand gebracht hat. Doch ein beherrschendes Thema ist der Arbeitsort nicht.

Birka Pannicke und Roman Lindebaum vor ihrer „Einhausung“. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Wir sind gemeinsam durch die Ateliers gegangen“, sagt Geßner, „und haben nach Arbeiten gesucht, die in ihrer künstlerischen Qualität für sich stehen.“ Dabei gab es für die Kuratoren immer wieder Überraschungen wie die abstrakte Lichtbildserie „Nachträume“ aus dem Jahr 1998 von Michael Lüder, der in Potsdam vor allem für seine Porträtfotografie bekannt ist. Augenfällig sind die fast 20 kniehohen Zwerge aus Filz, die vor und in einem weißen Raum mit Drehtür wandeln. „The post mortem felted club/Salon of the reincarnated“ ist der Titel dieser Installation mit der Nachbildung von Künstlern, die allesamt vor ihrem 50. Lebensjahr starben und sich nun im lichten Salon versammeln. Simone Westphal entwickelte die Arbeit gemeinsam mit Menno Veldhuis.

Die Ausstellung ist Künstlern des Rechenzentrums vorbehalten, doch es gibt eine Öffnung in die Stadt hinein. Birka Pannicke und Roman Lindebaum als Kollektiv „Dreimeterturm“ luden eine Vielzahl befreundeter Künstler ein, gestalterische Ideen für die Einhausungen zu entwickeln, mit denen alljährlich im Herbst die Skulpturen im Park Sanssouci vor dem Frost geschützt werden. Die Entwürfe werden im Giebelraum an einer riesigen grauen Wand aus Holz präsentiert.

Vernissage im Kunstraum Donnerstag um 19 Uhr, Ausstellung bis 17. Februar, geöffnet Mi-So 13-18 Uhr.

Im März beginnt der Abriss der Rechnerhalle

Im Kunsthaus Rechenzentrum haben laut Ausstellungskuratorin Sophia Pietryga 50 bis 70 bildende Künstler ihre Ateliers. Auch die Kunsthistorikerin Pietryga hat in dem Haus ihr Büro: Aus dem Fenster blickt sie auf die Baustelle für den Garnisonkirchturm.

Das Verwaltungsgebäude des um 1970 errichteten Rechenzentrums, das für den Wiederaufbau des Garnisonkirchenschiffs abgerissen werden soll, wurde 2015 für zunächst drei Jahre als Kunsthaus freigegeben. Mittlerweile wurde bis Ende 2023 verlängert.

Bis dahin soll an der Plantage ein neues Zentrum für die Kunst- und Kreativwirtschaft errichtet werden. Die Machbarkeitsstudie dafür soll im März vorgestellt werden. Die Finanzierung ist noch unklar.

Im März soll mit der Entkernung der 2018 stillgelegten Rechnerhalle an der Plantage begonnen werden. Im Mai beginnt der sichtbare Abriss des Gebäudes, sagte gestern Anna Winkler vom Sanierungsträger. Wie berichtet, soll das Grundstück in Verlängerung der Plantage zur Grünanlage werden.

Die in der Kunstraum-Ausstellung vom Künstler Stefan Pietryga zitierte Schmuckwand aus Formsteinen am Rande der Rechnerhalle soll laut Winkler in die neue Anlage integriert werden.

Von Volker Oelschläger

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