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Potsdam Reservebecken ohne Rücksprachen gebaut
Lokales Potsdam Reservebecken ohne Rücksprachen gebaut
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14:20 09.09.2019
Dass sie auf einer biotopgeschützten Streuobstwiese baggert, wusste die ausführende Tiefbaufirma. Quelle: lpv
Golm

Das neue Regenauffangbecken am Habichtweg zwischen Eiche und Golm ist ohne Absprache mit dem Grundstückseigentümer und den Landschaftspflegern angelegt worden. Es muss wieder beseitigt werden.

Der Landschaftspflegeverein Potsdamer Kulturlandschaft, ansässig am Obstgut Marquardt, zeigt sich in einer Mail an die MAZ erbost über den Beckenneubau. Die Maßnahme sei „ohne Einverständnis der Eigentümer, ohne Information der Naturschutzbehörde, ohne Information an den pflegenden Verein und ohne Information der Anwohner erfolgt“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende Jan Bornholt: „So erforderlich und wünschenswert geeignete Schutzmaßnahmen für die Wohngebäude offenbar sind, ist die Durchführung nur als ungenügend zu bezeichnen. Zudem ist es ärgerlich, dass diese Folgen des Klimawandels durch die Zerstörung von Flächen, die für Klima und Artenschutz wichtig sind, aufgefangen werden sollen.“

Wiese kann nicht gemäht werden

Die Wiese sei nicht mehr mähfähig, weil man mit der Mähmaschine nicht über den Damm kommt, der das Becken umgibt, so Bornholt: „Die Bäume vertragen weder eine Überschüttung der Baumscheibe noch eine längere Überstauung mit Wasser.“ Es gebe gut versickerungsfähige Sand- und schwer versickerungsfähige Lehmböden auf der Wiese, auf Lehm komme es zu längerem Wasserstau.

Aus dem stark vertieften alten Rückhaltebecken führt ein verrohrter Kanal auf die geschützte Streuobstwiese, um die ein Wall geschüttet wurde. So entstand ein weiterer Regenüberlauf. Quelle: Rainer Schüler

Erhaltung und Pflege der Wiese seien nach Schaffung des neuen Beckens unmöglich, erklärte der Landschaftsplanungsingenieur gegenüber der MAZ; das verstoße gegen die Vorgaben aus dem Bebauungsplan und führe zu Umweltschäden, die nach dem Umweltschadensgesetz (USchadG) geahndet werden können.

Ausgleichfläche für Wohnbauten

Die deutlich gekennzeichnete Streuobstwiese ist nach Bornholts Darstellung eine naturschutzrechtliche Ausgleichsfläche, die für die Bebauung anderer Flächen mit Gebäuden gefordert war und dauerhaft erhalten werden muss. Wenn sie kein Biotop mehr ist, müsse die Bayerische Städte- und Wohnungsbau GmbH als Grundstückseigentümer eine andere Grünausgleichsfläche schaffen.

Die Tiefbaufirma wusste, dass sie auf einem Biotop baggerte. Quelle: Rainer Schüler

Das Unternehmen habe also ein hohes Interesse, genau an diesem Ort das Biotop zu erhalten, das gemäß Paragraph 30 Bundesnaturschutzgesetz geschützt sei und Lebensraum streng geschützter Arten wie der Zauneidechse, die seit 2011 mehrfach nachgewiesen wurde. „Diese Eidechsen leben in Erdlöchern“, sagt Bornholt: „Wenn man die zuschüttet oder überflutet, sterben die Tiere.“

Stadt verteidigt Not-Maßnahme

Spätestens im Angesicht der Biotop-Schautafeln hätte die Baggerfirma ihren Auftraggeber fragen müssen, ob das rechtens ist, findet Bornholt. „Das hätte sie aus eigenem Interesse tun müssen. Man könnte die Firma auch anzeigen.“

Die war in den Augen der Stadt eine eilige Notmaßnahme, weshalb man die beteiligten Seiten nicht informieren konnte, sagte Stadtsprecherin Christine Homann der MAZ. Warum deutlich mehr als eine Woche zwischen den Überschwemmungen der Unwetternacht vom 11. zum 12. Juni und einer ersten Erweiterung des havarierten Rückhaltebeckens nicht für Absprachen reichten, konnte sie nicht sagen.

Zur Verringerung des Wasseraustritts aus dem alten Becken war von ihm aus ein Graben in Richtung Streuobstwiese ausgehoben worden, um Stauvolumen zu schaffen. Nach Vermessung des Geländes stellte sich jedoch heraus, dass auch dieser Graben nicht reichte. „Zur Vermeidung weiterer erheblicher Vermögensschäden an den Grundstücken und Gebäuden mussten unverzüglich Maßnahmen zur Gefahrenabwehr eingeleitet werden“, so Homann: Deshalb habe man eine Ableitung des Regenwassers in Richtung Streuobstwiese gebaut und ein halbmeterdickes Rohr verlegt, das sich auf die Wiese ergießt, die mit einem Wall umgeben wurde.

Ersatzüberlauf wird wieder beseitigt

Dieser Schutzwall soll Homann zufolge aber nur eine zeitweilige Maßnahme sein. Für das vorhandene Regenwassersystem im Bereich Eiche und Golm werde eine neue Kanalnetzberechnung erarbeitet. Erst nach Vorliegen dieser Ergebnisse könne man etwas zu „erforderlichen dauerhaften Umbaumaßnahmen“ sagen. In Abstimmung mit der laut Pflegeverein übergangenen Unteren Naturschutzbehörde der Stadt wurde laut Homann folgendes festgelegt: Da es sich bei der Streuobstwiese um ein geschütztes Biotop handelt, muss der Schutzwall bis spätestens zum Frühjahr 2020 auf das dahinterliegende Grundstück umgesetzt werden, eine Brachfläche ohne schutzenswerten Bewuchs und offenbar ohne schützenswerte Tiere, weil es dort am Waldrand zu dunkel ist. Die angrenzenden Bäume im Wallbereich der Streuobstwiese sind in ihrem Zustand zu erfassen. Entstehende Schäden an diesen Bäumen müssen durch Ersatzpflanzungen ersetzen werden. „Dieses Ergebnis“, so Homann, „ist auch dem Landschaftspflegeverein mitgeteilt worden.“

Von Rainer Schüler

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