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Potsdam Trauer in Nuthetal nach tödlichem Skiunfall
Lokales Potsdam Trauer in Nuthetal nach tödlichem Skiunfall
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11:05 11.02.2014
Die Otto-Nagel-Grundschule, die das Mädchen besucht hatte, ist noch bis Montag geschlossen, weil Ferien sind. Viele Kinder und Lehrer sind selbst noch im Winterurlaub. Am ersten Schultag nach den Ferien wird es keinen normalen Unterricht geben. Quelle: Jens Steglich
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Bergholz-Rehbrücke

Wie berichtet, war die Schülerin am Sonntag in den Alpen in größerem Abstand zur Mutter und einem Freund der Familie auf einer als leicht eingestuften Abfahrt in einer engen Rechtskurve von der Piste abgekommen und einen zehn Meter steilen Abhang hinabgestürzt. „Es ist ein Rätsel, wie das passieren konnte“, sagte gestern Martin Hautz, Leiter der alpinen Einsatzgruppe Kitzbühel. Fremdverschulden könne ausgeschlossen werden. „Zu dem Zeitpunkt waren keine weiteren Leute auf der Piste, nur das Kind, seine Eltern und ein Bekannter.“

Nach dem Bekanntwerden des Unfalls ist in der Heimatgemeinde des Mädchens die Betroffenheit groß. Die Elfjährige besuchte nach MAZ-Informationen die Otto-Nagel-Grundschule im Nuthetaler Ortsteil Bergholz-Rehbrücke, ihre Familie wohnt auch dort. Die Schule ist derzeit verwaist, die Türen verschlossen: Es sind Ferien. Am Montag, wenn die Schule wieder beginnt, werden Psychologen vor Ort sein, um sich um die Mitschüler des Mädchens zu kümmern. „Wir werden mit der Schulleitung und dem Schulamt alles Notwendige organisieren, um die Kinder und die Lehrer nicht allein zu lassen“, sagte Bürgermeisterin Ute Hustig (Linke). „Es ist wichtig, Psychologen dabei zu haben. Für die Kinder wird es ein Schock sein.“ Gesprächsrunden sollen den Kindern helfen, das tragische Geschehen zu verarbeiten. Am ersten Schultag nach den Ferien werde es keinen normalen Unterricht geben.

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Nuthetals Jugendkoordinatorin Jana Köstel reagierte gestern schockiert auf die Nachricht. Das verunglückte Mädchen war regelmäßig im Jugendklub zu Gast und beim Zirkus-Projekt des Jugendvereins „Die Brücke“ mit dabei. Immer an den Wochenenden trainierten die Kinder in der Rehbrücker Turnhalle Jonglieren, Einradfahren und andere Zirkustechniken. Jana Köstel weilt derzeit mit 27 Kindern aus Nuthetal, viele davon aus dem Jugendklub, eine Woche auf der Burg Rabenstein, wo sie das Musical „Bastian und die Wölfe“ einstudieren. „Wir wollen versuchen, die Kinder hier nicht damit zu belasten. Sie sollen diese Woche noch so unbeschwert wie möglich erleben können und danach in ihren Familien aufgefangen werden“, sagte sie.

Trauerfeier in der Schule

In der Schule soll es zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise auch eine Trauerfeier geben. „Es wird wichtig sein, den Kindern die Möglichkeit zu geben, ihrer Mitschülerin zu gedenken und Abschied zu nehmen“, sagte die Bürgermeisterin. „Unser Mitgefühl gilt jetzt vor allem den Eltern und Angehörigen. Wo wir ihnen als Gemeinde helfen können, werden wir helfen“, so Hustig, die hinzufügte: „Aber niemand sollte jetzt die Trauerarbeit der Familie stören.“
„Man kann sich gar nicht vorstellen, was die Eltern durchmachen“, sagte Rehbrückes Ortsvorsteherin Annerose Hamisch-Fischer, die lange Direktorin der Otto-Nagel-Schule war.

„Der tragische Unfall hat auch sämtliche Einheimische in unserer Region geschockt, sie leiden mit. Das macht hier jeden bedrückt“, sagte der Tiroler Einsatzleiter Martin Hautz. Der ausgebildete Bergführer und Skilehrer beschreibt die Piste am „Sonnenlift“ im Skigebiet Going am Kaisergebirge als „sehr flach, fast horizontal und übersichtlich“. Die einzige Kurve auf der 1,6 Kilometer langen Strecke „ist mit markanten Pistenmarkierungen und Pfeilen perfekt ausgeschildert“. Die Stelle gilt als ungefährlich, ist deshalb auch nicht extra mit einem Zaun gesichert. Das Mädchen war zehn Meter über den Pistenrand hinausgeraten und verunglückt, hatte die Piste zum Unfallzeitpunkt jedoch nicht das erste Mal befahren. „Der Pistenbetreiber und auch die Eltern haben ihre Pflichten nicht verletzt“, so Hautz.

Ein Zeugenaufruf der Polizei in lokalen Medien sei bisher ohne Resonanz geblieben, Kameras im Bereich der Unfallstelle gebe es nicht. Hautz: „Wenn es eine körperliche Beeinträchtigung gegeben hätte, einen Herzinfarkt oder Anfall etwa, wäre das von der Gerichtsmedizin festgestellt worden.“ Der Obduktionsbericht habe ergeben, dass das Kind schweren Verletzungen „im gesamten Bereich des Brustkorbs“ unmittelbar nach dem Aufprall erlag. Die Schülerin war in ein Bachbett gestürzt, in dem bis zu anderthalb Meter große Gesteinsbrocken liegen.

Viele Nuthetaler Kinder und Lehrer sind derzeit selbst noch im Winterurlaub und werden wohl erst am Montag in der Schule vom Unglück erfahren. „Man hat für alles mögliche Havariepläne, aber ein Regelwerk, was man in solchen Unglücksfällen tun muss, gibt es nicht und kann es auch nicht geben“, sagte ein Vater, dessen Sohn in die Otto-Nagel-Schule geht.

Weil die Schule derzeit unbesetzt ist, hat die Gemeinde ab heute ein Info-Telefon unter der Telefonnummer  033200/2 04 27 eingerichtet.

Von Michaela Grimm und Jens Steglich

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