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Potsdam Reinschauen, reingehen, mitmischen: Projekthaus im Problemkiez
Lokales Potsdam Reinschauen, reingehen, mitmischen: Projekthaus im Problemkiez
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16:31 03.05.2018
Das Projekthaus Erlenhof 32 wurde am Donnerstag eröffnet.
Das Projekthaus Erlenhof 32 wurde am Donnerstag eröffnet. Quelle: Rainer Schüler
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Eine Selbsthilfewerkstatt und ein Computerkabinett sind die Schlüsselangebote, mit denen das neue Projekthaus Erlenhof 32 die Bewohner des Plattenbaugebietes zu Begegnungen und zum Mitmachen bewegen will; am Donnerstag wurde das Haus in der früheren Ladenzeile des Schilfhofes eröffnet. Ausgebaut hat es ein Privatinvestor; die Stadt mietet es für zunächst zehn Jahre.

„Der Beratungsladen ist so gedacht, dass die Menschen mit allen Wünschen und Anliegen hier jederzeit ein offenes Ohr finden“, sagte Sozialdezernent Mike Schubert (SPD). Es gehe um das soziale Miteinander, aber auch darum, Langzeitarbeitslosen eine Fortbildung und dann sogar eine feste Beschäftigung anzubieten – möglichst sogar im Stadtteil, wo sie leben. Hier sind das Job-Center der Stad und das Zentrum für Aus- und Weiterbildung Ludwigsfelde engagiert, die mit Geld vom Bund eine 15-monatige Qualifikation zum Hausmeister durchführen.

Das Projekthaus im Erlenhof lockt mit einer Selbsthilfewerkstatt für kleine Reparaturen und zur Hausmeisterausbildung. Hier gibt es auch fachliche Anleitung für Menschen „mit zwei linken Händen“. Quelle: Rainer Schüler

Bildung, Wirtschaft und Arbeit im Quartier sind die Schlagworte. Die flächendeckende energetische Gebäudesanierung stellt nämlich höhere Anforderungen als bisher an die Betreuung der Immobilien und technischen Anlagen; hier ist ein „Hausmeister +“ gefragt. Von rund 300 Teilnehmern des so genannten WorkIn-Projektes sind seit 2009 schon 30 Prozent in eine Anstellung vermittelt worden.

Ob das etwas ist für einen persönlich, kann jeder Interessent in einem Schnupperkurs in der Selbsthilfewerkstatt ergründen – ein echter Schnupperkurs, denn der Geruch der Holz- und Metallarbeiten entscheidet oft im ersten Eindruck, ob man weitermachen oder gar nicht erst anfangen will, sagt WorkIN-Projektleiter Thomas Hartmann, der die Werkstatt als Möglichkeit zum Wiedereinstieg in die Arbeitswelt und ökologisch orientierte Einrichtung sieht: „Hier kann man reparieren lernen. Da wird nicht gleich was weggeworfen, sondern weiter genutzt.“ Kleinreparaturen bis hin zu Malerarbeiten sollen auch im Stadtteil angeboten werden für Menschen, die nicht genug Geld dafür haben oder handwerklich nicht in der Lage dazu sind. Sie sollen zudem befähigt werden, Dinge selbst zu tun, statt andere zu beauftragen. Das will man auch im Computer-Kabinett leisten, wo man Hilfe beim Benutzen von Rechner und Smartphone bekommt, demnächst auch freies W-Lan.

Auch ein Computer-Kabinett steht zur Verfügung, demnächst sogar mit freiem W-Lan. Quelle: Rainer Schüler

Das Projekthaus verfügt über einen großen Veranstaltungssaal, in dem Kiez-Aktivitäten ebenso stattfinden können wie Beratungen und Versammlungen. Die raumhohen Fenster laden ausdrücklich zum Reinschauen und Reinkommen ein. Nachbarn des Projekthauses sind der Spendenladen „Schatztruhe“ der Arbeiterwohlfahrt und demnächst auch die komplett umgebaute Sparkassenfiliale.

Von Rainer Schüler