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Potsdam Einmal über den Atlantik und zurück: Das Abenteuer der Potsdamer Seglerjungs in sieben Kapiteln
Lokales Potsdam Einmal über den Atlantik und zurück: Das Abenteuer der Potsdamer Seglerjungs in sieben Kapiteln
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19:00 03.05.2020
Die beiden Schüler Jasper von Lewinski (r.) und Jeremias Gestrich nach ihrer Rückkehr an der Havel in Potsdam.
Die beiden Schüler Jasper von Lewinski (r.) und Jeremias Gestrich nach ihrer Rückkehr an der Havel in Potsdam. Quelle: Friedrich Bungert
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Potsdam

Neun Länder, 189 Tage und 12.000 Seemeilen: Im Oktober sind die beiden Potsdamer Schüler Jeremias Gestrich und Jasper von Lewinski auf dem Schulschiff „Thor Heyerdahl“ in das bisher größte Abenteuer ihres Lebens gestartet. Für die MAZ berichteten sie regelmäßig von ihrer Reise über den Atlantik, die am Ende durch das Coronavirus eine unerwartete Wendung nahm. Nun sind sie wieder zurück, die MAZ hat ein letztes Mal berichtet. Hier gibt es ihr Abenteuer noch einmal zum Nachlesen.

Heimkehr in ein verändertes Potsdam

Jeremias und Jasper sind zurück in Potsdam. Quelle: Friedrich Bungert

Zum Verabschieden zu kurz, zum Begrüßen zu lang – so haben sich Jasper von Lewinski und Jeremias Gestrich ihre Ankunft in Kiel nach 12.000 Seemeilen nicht vorgestellt. Nach mehr als einem halben Jahr und großer Sehnsucht nach ihren Familien sind die beiden Potsdamer nun von Bord des segelnden Klassenzimmers „Thor Heyerdahl“ gegangen. In die Arme schließen konnten die beiden ihre Eltern erst mal nicht: „Unsere Eltern standen in eingeteilten Boxen, die zwei Quadratmeter groß waren. Und wir mussten warten, bis wir einzeln unsere Seemeilen-Bestätigung bekommen haben. Es war wie eine Abfertigung, einer nach dem anderen“, erzählt Jasper.

Die Nachricht vom Coronavirus und die Entscheidung, das Schiff nicht mehr zu verlassen

Jasper in der Takelage des Segelschiffes. Quelle: privat

Als das Coronavirus beginnt, die Welt zu verändern, überqueren Jeremias und Jasper gerade den Atlantik. Irgendwo zwischen Bermuda und den Azoren erfahren die beiden Potsdamer Schüler, dass zu Hause die Schulen schließen, dass kein Café mehr öffnet, dass sich immer mehr Menschen mit dem Virus infizieren und die ersten auch in ihrer Heimat Deutschland mit Covid-19 sterben. Nun verändert Corona auch ihren Alltag. Die geplante Tour auf den Azoren – gestrichen. Der Stopp in England mit Landgang – gestrichen. Der weitere Kurs bis zur geplanten Ankunft in Kiel am 25. April – offen.

Panama, Kuba und staatliche Eisdielen

Jeremias beim Zwischenstopp auf Kuba. Quelle: privat

Vier Monate sind die Potsdamer Jeremias Gestrich und Jasper von Lewinski inzwischen auf der „Thor Heyerdahl“ unterwegs, haben Marokko und Teneriffa passiert, den Atlantik überquert, im Sand der Karibik gelegen und in der Hitze von Grenada Weihnachten gefeiert. In Panama lernen sie während eines längeren Landaufenthalts aus dem Rucksack zu leben, auf Kuba begegnen sie dem Kommunismus – eine Erfahrung, die sie nie vergessen werden.

Halbzeit: Den Atlantik überquert, die Karibik durchkreuzt

Jeremias Gestrich und Jasper Lewinski haben die Atlantiküberquerung geschafft, haben unter anderem in der Karibik Station gemacht. Quelle: privat

Mitten auf dem Atlantik hält der Kapitän eine Ansprache. Er macht den Schülern klar: Jetzt gilt’s! Jetzt kann kein Helikopter, kein Flugzeug mehr helfen. Die Mannschaft der „Thor Heyerdahl“ ist auf sich gestellt. „Nun waren wir wirklich ein abgeschlossenes System“, berichtet Jeremias. Mitten auf dem Ozean, „eingeschlossen auf dem Schiff“, spürt er plötzlich die Freiheit. Inzwischen ist Halbzeit der Reise. Als die Anker vor Palm Island – Teil des Staates Saint Vincent and the Grenadines – fallen, sind Jere und Jasper in der Karibik angekommen, doch es ist schon dunkel. „So war das Aufwachen in der Neuen Welt einfach unfassbar bezaubernd!“, schwärmt Jere.

Schwankender Boden – und das erste Mal seekrank

Die Potsdamer Schüler Jasper Lewinski und Jeremias Gestrich segeln auf dem Schulschiff „Thor Heyerdahl“ mit. Quelle: privat

Eine Seefahrt, die ist nicht immer lustig – davon können Jasper und Jeremias schon bald ein Liedchen singen. Eines von Übelkeit und von Brechreiz – eines vom Fische füttern, wie Jeremias sagt. Ihn hat die Seekrankheit bereits auf den ersten Meilen der großen Reise über den Atlantik mit voller Wucht getroffen. Die Seekrankheit bringt neben den bekanntesten Symptomen auch Antriebslosigkeit, Müdigkeit und allgemein schlechte Stimmung mit sich und nimmt ihm mehrere Tage lang den Spaß an der Fahrt.

Jeremias und Jasper gehen an Bord und stechen von Kiel aus in See

Das Schulschiff Thor Heyerdahl war für die beiden Potsdamer Schüler Jeremias und Jasper ein halbes Jahr lang Zuhause. Quelle: KUS-Projekt

Das Abenteuer hat begonnen: Die beiden Potsdamer Schüler Jeremias Gestrich und Jasper von Lewinski sind mit dem dreimastigen Schulschiff „Thor Heyerdahl“ in See gestochen. In Kiel starteten die 15-Jährigen mit 32 anderen Schülern und 16 Lehrern zu ihrem 12.000-Seemeilen-Törn über den Atlantik, neun Länder und 189 Tage „Klassenzimmer unter Segeln“ liegen vor ihnen. „Das erste Mal auf das Boot zu steigen, war für mich das größte Erlebnis während der Werftzeit“, berichtete Jasper. „Es war ein unglaublicher Moment in dem man plötzlich wusste, dass es in ein paar Tagen losgehen würde.“

Kurz vor dem Aufbruch: Respekt und große Erwartungen an die Reise

Jasper und Jeremias kurz vor dem Start der Reise in Potsdam. Quelle: Bernd Gartenschläger

Im Oktober lag die große Reise noch vor ihnen – und mit jedem Tag stieg die Spannung. Was erwarten die beiden Schüler von der Reise? Was sind ihre größten Ängste und worauf freuen sie sich am meisten? Darüber haben sie vor dem Start der Reise mit der MAZ gesprochen. Die größte Herausforderung –so erwarteten sie es damals – werden die Begrenzungen des Schiffs. „Man kann nur jeden dritten Tag duschen gehen und nur einmal die Woche Wäsche waschen“, sagte Jasper damals. Durchschnittlich hat jedes Crewmitglied nur sechs Liter Wasser am Tag zur Verfügung. „Man hat jetzt alles. Man kann sich eine Pizza warm machen und hat Essen“, sagte Jeremias. Auf dem Schiff sieht der Komfort anders aus. So viel war ihnen schon damals klar.

Von MAZonline/off