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Potsdam So schmeckt es im Kongsnæs: Fisch im einzigartigen Ambiente
Lokales Potsdam So schmeckt es im Kongsnæs: Fisch im einzigartigen Ambiente
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10:56 27.09.2019
Im Kongsnæs essen die Gäste mit Blick auf den Jungfernsee. Kellnerin Jenny (29) serviert pfiffige Cocktails oder geräucherten Aal mit Roter Bete, Meerrettich und Rührei. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Näher geht es nicht. Direkt am Wasser, in der ersten Reihe platziert, speist man gefühlt über dem Jungfernsee. Von der Lage hat Gastronom Josef Laggner schon einmal alles richtig gemacht, als er sich entschloss, die Kongsnæs, die Kaiserliche Matrosenstation, als feine Speisestube zu bespielen. Man kennt den Berliner Gastronomen in Potsdam bereits, unter seinen Fittichen stehen das Augustiner im Holländischen Viertel und das Krongut Bornstedt. Die Eröffnung eines Restaurants mit Biergarten im Bürgerbahnhof am Bahnhof Sanssouci wirft ihre Schatten voraus.

Joseph Laggner führt das Restaurant Kongsnæs. Quelle: Rainer Schüler

Die Ende Juli eröffnete Kongsnæs ist ein Hingucker mit Geschichte. Bei einem Staatsbesuch 1890 in Norwegen war der deutsche Kaiser Wilhelm II. von der norwegischen Holzbaukunst im Drachenstil so angetan, dass er den Architekten Holm Hansen Munthe engagierte, ihm in Potsdam einen schmucken Bau zu errichten.

Gastro-Steckbrief

Kaiserliche Matrosenstation Kongsnæs,Schwanenallee 7d, 14467 Potsdam, Telefon: 0331/200 47 666, Internet: www.kongsnaes.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag ab 11 Uhr, Küche bis 22 Uhr

Plätze: Innen: ca. 90, Außen: ca. 30

Suppe, Vorspeisen:9 bis 24,50 Euro, Salat: 7 bis 18 Euro

Hauptgerichte:16 bis 25 Euro, fangfrischer Fisch nach Gewicht 100 g 8 bis 10 Euro, Beilagen: 4 Euro

Dessert, Käse: 8 bis 12 Euro

Getränke:Champagner: 0,1 l 12–12,50 Euro, Fl. 89–450 Euro; Bier: 0,3 l/4,50, Wein: 0,1 l ab 4,50 Euro, Hauswein 0,2 l/5 Euro, Softdrink, Wasser: 0,2 l/ ab 3 Euro, Longdrinks: 12 Euro, Spirituosen: 4 cl ab 6 Euro

Im Zweiten Weltkrieg bis auf die Grundmauern abgebrannt, wurde das Gelände zu DDR-Zeiten abgeriegelt, da es sich auf dem Todesstreifen befand. Der Investor Michael Linckersdorff erwarb das Grundstück und ließ das Gebäude originalgetreu aufbauen. In Laggner fand er seinen kulinarischen Betreiber.

Im Kongsnæs isst man mit Blick auf den Jungfernsee. Quelle: Bernd Gartenschläger

Der setzt am See auf eine gehobene, bodenständige Küche mit Fisch-Fokus. Da verwundert es nicht, dass die versierten und freundlichen Kellner und Kellnerinnen bei den beiden Tagesempfehlungen auch einen Zander von Fischer Lechler aus Caputh anpreisen, der auch mit seinen geräucherten Aalen auf der Karte steht.

Beilagen gibt es nur als Extra-Bestellung

Die Plätze sind mit weißer Tischwäsche, Besteck und Gläsern eingedeckt und es wird sogleich gefragt, ob mit einem Aperitif gestartet werden wolle. Nein, diesmal nicht, obwohl dies zum Lunch ein schöner Auftakt wäre. Dafür wird das Wasser höflichst eingeschenkt, allerdings bleibt es eine einmalige Aktion – auch in der „Front Row“ am Jungfernsee, auf den man durch die großen Fenster blickt, scheint dafür nun keine Zeit mehr zu sein. Es sitzt sich wahrlich schön, durch Oberlichter erfüllt die Sonne den meterhohen Raum zusätzlich und der Dielenboden wie die Holzwände und vertäfelten Säulen wirkt sehr behaglich.

Geräucherter Aal mit Roter Bete, Meerrettich und Kräuter-Rührei. Quelle: Bernd Gartenschläger

Meist werden Brot, Butter, Kräuterquark vom Hause aus gebracht. In der Matrosenstation geschieht dies nicht, die Sättigungsbeilage kann als Brot-Gedeck für zwei Euro pro Person bestellt werden. Einerseits ist dies zu begrüßen, sind doch die Gänge so austariert, dass Brot unnötige Kalorien sind. Andererseits sind die Deutschen eine Brotnation. Lohnen die zwei Euro? Jein, das Tomaten- und das Kümmelbrot sind gut, Butter und Quark soweit ordentlich.

Bouillabaisse „Leichtmatrose“. Quelle: Bernd Gartenschläger

Wenn Laggner auf Fisch setzt, dann soll es so geschehen. Wer darauf keinen Appetit hat, dem werden auch Maishähnchen, Short Ribs und Entrcôte offeriert. Der Begleiter startet mit einem Matjestatar, kommentiert den mit „Was soll das Häufchen Ruccola obenauf?“ und „Einen Ticken zu salzig und gern etwas milder“.

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Zu viel Salz auch bei meinem, hier kommt die Fisch-Ausnahme, Rindertatar, das Teil des Avocado-Terzettos ist. Auch erschließt sich mir die frische Meerrettich-Beigabe nicht. Der Hummer auf Guacamole ist fein, der Thunfisch auf Mangospiegel als solcher nicht erkennbar und viel zu süß begleitet.

Tatar vom jungen Pommerschen Rind mit Bio-Spiegelei und Sauerteigbrot. Quelle: Bernd Gartenschläger

Der Service erkundigt sich, ob es mit oder ohne Pause weitergehen soll. Das ist leider viel zu selten geworden. Bei uns geht es fischig weiter. Der Zander für den Herren begeistert, ebenso wie der separat georderte schlotzige Kartoffel-Gurken-Salat. Überhaupt sind alle Beilagen Extra-Bestellungen. Dazu passte der Chablis AOC von Lobouré-Roi. Ansonsten hat sich Laggner mit dem bekannten Weingut Dreissigacker zusammengetan; sehr schön auch die Champagnerkarte.

Lange und aufwendig wurde die Norwegische Matrosenstation Kongsnaes saniert. Hier Impressionen aus dem Innern.

Keine volle Punktzahl hingegen für meine Bouillabaisse: nicht mehr warm genug, die Suppe etwas lasch und so, als wäre sie mit Wasser verlängert worden. Statt angekündigter Mehrzahl gibt es nur eine Garnele, die Fischfilets sind passabel bis geschmacksneutral. Zudem hat die Rouille die Konsistenz von Frischkäse und ist oben nachgedunkelt. Kurzum, da ist noch Luft nach oben.

Das Dessert wiederum steuert auf einen erhabenen Abschluss hin. Die Limonen-Schmand-Tarte mit Baiser und Joghurteis zeigt, dass Laggner seine Heimat, das für seine Süßspeisen bekannte Österreich, mit an Bord der Kongsnæs gebracht hat.

MAZ-Wertung

Was uns gut gefiel: Die Lage, der gelungene Wiederaufbau des historischen Gebäudes, die legere Atmosphäre und der Fisch-Fokus.

Was uns weniger gut gefiel: Die Küche hat noch Luft nach oben. Man wünscht dem Koch beim Würzen ein glücklicheres Händchen.

Von Manuela Blisse

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