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Potsdam Potsdamer Gastwirte müssen in der Hochsaison früher schließen
Lokales Potsdam Potsdamer Gastwirte müssen in der Hochsaison früher schließen
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00:22 03.07.2019
Wohin man sich in Potsdam auch dreht und wendet – nahezu überall suchen Café- und Restaurantbetreiber Personal. Quelle: Varvara Smirnova
Potsdam

Bleibt in den Potsdamer Lokalen schon bald die Küche kalt? Weil sie kein Personal finden, müssen die ersten Restaurants in der Landeshauptstadt abends früher zusperren. Prominentestes Beispiel: Kades Ausflugslokal „Am Pfingstberg“. Das weit über die Stadtgrenzen hinaus beliebte und vielfach prämierte Gasthaus in Top-Lage, das mit dem „schönsten kulinarischen Sonnenuntergang Potsdams“ wirbt, kann diesen Sonnenuntergang gerade nicht bieten: Bereits seit Mai muss Inhaber Mario Kade geänderte – sprich: verkürzte Öffnungszeiten fahren. „Der chronische Personalmangel zwingt uns im Moment, unsere Öffnungszeiten im à-la-Carte Service leicht einzukürzen“, teilt Kade seinen Gästen auf der Homepage und im Restaurant mit. Statt wie gewohnt um 22 Uhr schließt Kade nun schon um 21 Uhr.

Dehoga-Chef fordert flexibleres Arbeitszeitgesetz

Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer vom Deutscher Hotel- und Gaststättenverband Brandenburg (Dehoga), weiß um das Dilemma, in dem die Gastwirte stecken, nur zu gut. Zum einen wolle man seiner Berufung folgen und für die Gäste da sein, zum anderen müsse man sich an die gesetzlichen Arbeitszeiten halten – nicht allein, um empfindliche Geldbußen zu vermeiden, sondern auch um seine Mitarbeiter „pfleglich zu behandeln und zu halten“. Das Arbeitszeitgesetz habe laut Lücke jedoch eine Neuorientierung bitter nötig. „Wir wollen das Gesetz nicht aushöhlen oder durchlöchern“, betont Lücke. „Wir wollen nicht an die Ruhezeiten ran, nicht ans Geld, nicht an den Freizeitausgleich.“ Man müsse das Gesetz aber an die Bedürfnisse und Herausforderungen der Gastronomen anpassen – das heißt, flexibler und am tatsächlichen Bedarf in den Gaststuben orientiert anwenden, so dass man „ohne eine Strafe zu riskieren ’ne Stunde dranhängen kann, wenn der Laden voll ist.“ Dass es Gastwirte ausgerechnet in der Touristenhochburg Potsdam und dazu in der Ferienzeit trifft, sei besonders traurig: „Es ist Sommer – wir müssen jetzt das Geld verdienen, denn im Winter sieht es mau aus.“

Bis in den späten Abend zu bedienen, ist mit einer Schicht unmöglich

Nicht nur der Fachkräftemangel stelle die Gastgeber vor große Herausforderungen, sagt Lücke. Auch die Erwartungen der Gäste seien inzwischen andere als noch vor ein paar Jahren. „Das Freizeitverhalten und die Ansprüche der Gäste haben sich verändert. Man hält es heute für selbstverständlich, dass man noch um 15 Uhr Mittag und um 22 Uhr Abendessen serviert bekommt. Das ist mit einer Schicht nicht zu stemmen.“ Hier komme dann wieder der Fachkräftemangel ins Spiel.

Immer weniger junge Menschen wollen ins Gastgewerbe

Er wünsche sich mehr Verständnis für die Branche, so Lücke: „Ein guter Gastgeber ist das gern und von Herzen und tut alles dafür, dass sich seine Gäste wohlfühlen. Man darf nicht vergessen, dass das ein körperlich und auch psychisch schwerer Beruf und die Arbeitszeit alles andere als familienfreundlich ist.“ Immer weniger junge Menschen könnten sich vorstellen, im Gastgewerbe zu arbeiten. So zeige eine branchenübergreifende, bundesweite Studie, dass über 70 Prozent der Schüler, Bewerber und Azubis keine Schichtarbeit, über 90 Prozent freie Wochenenden wollen.

IHK-Experte erwartet, dass sich die Situation weiter zuspitzen wird

„Die Situation der fehlenden Fachkräfte in der Gastronomie spitzt sich seit Jahren immer weiter zu“, bestätigt Tilo Schneider, Leiter des IHK-Regional-Center Potsdam und Potsdam-Mittelmarkt. „Wir haben jedes Jahr etliche Ausbildungsplätze in der Branche, die unbesetzt bleiben. Der Fachkräftenachwuchs fehlt. Und die Situation wird sich weiter zuspitzen. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass einige Unternehmen Konsequenzen ziehen und früher schließen müssen.“ Der Fall Kades sei alarmierend: „Das ist ein Unternehmen, das seit Jahren für seinen guten Service und die gute Qualität der Küche ausgezeichnet wurde. Wenn nun schon so ein Unternehmen derart hart betroffen ist, dann ist das eigentlich nicht hinnehmbar und es muss beim Thema Fachkräftesicherung in alle Richtungen gedacht werden, damit sich das ändert.“

Bis zu 15000 Euro Bußgeld bei Verstößen möglich

Verstöße gegen die Einhaltung der Arbeitszeit und auch die Nichtgewährung von Ruhepausen und Ruhezeiten stellen Ordnungswidrigkeiten dar, die laut Arbeitsministerium mit bis zu 15 000 Euro Bußgeld geahndet werden können. Kontrollen finden entweder im Rahmen regelmäßiger Besichtigungen oder anlassbezogen, etwa aufgrund von Beschwerden, statt.

Die gesetzlich vorgeschrieben Arbeitszeiten

Werktags, also montags bis samstags, darf ein Arbeitnehmer laut Gesetz 8 Stunden arbeiten – eine Verlängerung auf 10 Stunden ist möglich, wenn innerhalb von 6 Monaten die durchschnittliche Arbeitszeit 8 Stunden beträgt.

Ruhepausen sind ebenfalls geregelt. Bei einer Arbeitszeit von 6 bis 9 Stunden ist eine Pause von 30 Minuten vorgesehen, bei mehr als 9 Stunden von 45 Minuten. Die Pausen können in 15-minütige Abschnitte unterteilt werden. Ein Beschäftigter darf laut Gesetz maximal 6 Stunden ohne Pause arbeiten.

An Sonn- und Feiertagen ist die Beschäftigung nicht erlaubt. Arbeiter in der Gastronomie dürfen an Sonn- und Feiertagen allerdings arbeiten – dabei müssen mindestens 10 Sonntage im Jahr frei sein und die Arbeitszeit darf 8 Stunden nicht überschreiten. Für die Arbeit an einem Sonntag ist ein Ersatzruhetag innerhalb von 2 Wochen und für die Arbeit an einem Feiertag innerhalb von 8 Wochen zu gewähren. nf

Von Nadine Fabian

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