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Potsdam Risse in der Villa Tummeley
Lokales Potsdam Risse in der Villa Tummeley
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00:21 31.03.2019
Riss im Mauerwerk der Villa Tummeley. Quelle: Volker Oelschläger
Berliner Vorstadt

Die denkmalgeschützte Villa Tummeley an der Berliner Straße hat beim Ausbau des Grundstücks zu einer der teuersten Eigentums-Wohnanlagen der Stadt offenkundig Schaden genommen. Im Mauerwerk des Ende der 1840er Jahre im Tudorstil errichteten Prachtbaus haben sich markante Risse gebildet.

Die Stadt wurde nach Mitteilung von Rathaussprecherin Christine Homann vor knapp zwei Wochen über den Schaden informiert: „Der Stadt ist durch eine Mitteilung der Bauherrin vom 14. März bekannt, dass es an den nordöstlichen Gebäudeteilen der Villa Tummeley im Zuge von Bauarbeiten für das benachbarte Neubauvorhaben zu deutlichen Setzungen gekommen ist.“

Im September 2018 war symbolischer erster Spatenstich. Quelle: Martin Müller

Neben der Villa ist ergänzend ein Wohnhaus mit Tiefgarage errichtet worden, das im Rohbau fertig ist. Am heutigen Donnerstag soll das Richtfest gefeiert werden. Insgesamt sollen auf dem 11.000 Quadratmeter großen Gelände am Tiefen See 38 Wohnungen und eine Gewerbeeinheit entstehen.

Nach Kenntnis der Stadt besteht „aktuell keine Einsturzgefahr“, sagte Sprecherin Homann auf Nachfrage. Deshalb gebe es derzeit auch „keinen Anlass, behördliche Sperrungen auf dem Gelände der Villa Tummeley anzuordnen. Jedoch sollten geeignete Maßnahmen zur Stabilisierung des Baugrundes an und unter der Villa Tummeley unverzüglich erfolgen, um weitere Schädigungen des Baudenkmales zu verhindern“.

Risse in einem Fenstersturz. Das Mauerwerk darüber ist abgesackt. Quelle: Volker Oelschläger

Der Stadt sei vom Bauherrn eine „konkrete Stabilisierungstechnologie vorgeschlagen worden“, deren Genehmigungsfähigkeit wir derzeit abschließend prüfen“. Für weitere Informationen verwies sie auf den Bauherrn.

Bauherrin ist die Sanus AG. Deren Sprecher Alexander Kästner konnte am Mittwoch auf MAZ-Anfrage nur in Erfahrung bringen, „dass es sich bei der Villa Tummeley eben um ein 170 Jahre altes und marodes Gebäude handelt und sämtliche Schäden im Laufe der Sanierung natürlich fachgerecht behoben werden“.

Unbeantwortet blieben damit unter anderem die Fragen, wann die ersten Risse festgestellt wurden, ob und wie die Villa vor den Tiefbauarbeiten auf dem Nachbargrundstück gesichert wurde, welche Sicherungsmaßnahmen nach Feststellung der ersten Risse im Mauerwerk ergriffen wurden und welche Auswirkungen der Schaden auf das Gesamtvorhaben hat.

Animation der geplanten Eigentumswohnanlage. Quelle: Sanus AG

Nach Einschätzung des Potsdamer Architekten Christian Wendland, der den Schadensfall von der Straße aus betrachtet hat, könnten die Folgen gravierend sein. Eventuell sei das Haus „auseinandergebrochen“. Ein Grund könnten nach seiner Einschätzungen Ausspülungen im Sandboden im Zusammenhang mit dem Tiefgaragenbau sein.

Ähnliche Ursachen hatte laut Wendland der Einsturz des Kölner Stadtarchivs mit dem Bau einer U-Bahn. Auch im Mauerwerk des Fortunaportals in Potsdam öffneten sich 2010 mit dem Bau der Tiefgarage für das Landtagsschloss Risse.

Die Wohnanlage Villa Tummeley

Auf dem 1,1 Hektar großen Gelände der Villa Tummeley am Tiefen See entsteht mit Preisen von teilweise mehr als 13.000 Euro für den Quadratmeter Potsdams teuerste Eigentumswohnanlage.

Im benachbarten „Orangerie“-Neubau mit Tiefgarage, für den am Donnerstag Richtfest gefeiert wird, waren insgesamt 15 Wohnungen ab 192.000 Euro zu haben. 60 Prozent sollen bereits verkauft sein.

Die Villa im englischen Tudorstil wurde 1847-48 vom Architekten Moritz Gottgetreu für den Kaufmann und Zuckersiedereibesitzer Eduard Tummeley errichtet.

Zu DDR-Zeiten war die Villa Sitz der Energieversorgung. Rechtsnachfolger Eon.Edis verkaufte das Grundstück 2006 an den VW-Konzern, der dort die Tagungsstätte errichten wollte.

Die Berliner Sanus AG, die das Grundstück 2018 übernehmen konnte, war 2015 als Gesellschafter auch unter den Erwerbern des alten Landtags auf dem Brauhausberg.

Von Volker Oelschläger

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