Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Rückenwind kämpft um einen Neuanfang
Lokales Potsdam Rückenwind kämpft um einen Neuanfang
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:15 18.04.2014
Norbert Grauert in der Fahrradwerkstatt, die nach Verlust der Gemeinnützigkeit nur noch bis Ende Juni offen ist. Quelle: Volker Oelschläger
Potsdam-West

Neben der Kasse liegt eine Unterschriftensammlung gegen die Schließung aus. Auch einen Brief an Sozialminister Günter Baaske (SPD) hat Norbert Grauert (56) geschrieben, der die Ausbildungswerkstatt für junge Erwachsene in schwierigen Lebenssituationen seit fünf Jahren leitet: "Ich finde es sehr schade, dass auf diese Weise drei Ausbildungsplätze für besondere Jugendliche verloren gehen. Es wäre schön, Ihre Meinung zu dieser Problematik zu erfahren."

Verloren hat die Werkstatt den gemeinnützigen Status zum Jahreswechsel im Ergebnis einer Betriebsprüfung durch das Finanzamt, wie Maik Loose erklärt, der neue Vorstandsvorsitzende des 1996 gegründeten Vereins. Ebenfalls nicht mehr gemeinnützig ist der Fuhrpark, der aber im Gegensatz zur Werkstatt weiter betrieben werden soll. Zum Kerngeschäft des Vereins zählen Aufarbeitung und Weiterverkauf gebrauchter Möbel. Mit der Haeckelstraße in Potsdam-West, dem Waldhornweg am Stern und der Oderstraße in Teltow unterhält der Verein derzeit drei Filialen. Hinzu kommt ein Jugendrechtshaus in Neuruppin, das aus den Erträgen der Möbelbörsen gefördert wird.

Der Fuhrpark wird für den Betrieb der Möbelbörsen benötigt, der Verein offeriert damit aber auch einen Umzugsservice für sozial Benachteiligte und gemeinnützige Vereine. Laut Loose hat der "Rückenwind - Arbeits- und Sozialprojekte Brandenburg" derzeit knapp 70 Mitarbeiter. Die Hälfte habe unbefristete Verträge. In seinen guten Zeiten hatte der Verein fast doppelt so viele Mitarbeiter.

Gegründet als Projekt der Straffälligenhilfe

  • Der Verein Rückenwind wurde 1996 auf Initiative von Beschäftigten der sozialen Dienste der Justiz als Projekt der Straffälligenhilfe gegründet, mit dem Delinquenten die Möglichkeit gegeben werden sollte, Arbeitsstunden abzuleisten.
  • Später bot der Verein mit seinen Einrichtungen auch Arbeitsmöglichkeiten gegen eine sogenannte Mehraufwandsentschädigung für Ein-Euro-Jobber.
  • Kerngeschäft ist die Aufarbeitung und der Weiterverkauf alter Möbel, die teils gespendet werden, teils aus Haushaltsauflösungen zum Verein kommen. Neben drei Möbelbörsen und einem Fuhrpark, der auch als Umzugsunternehmen eingesetzt wird, betreibt Rückenwind in Potsdam-West eine Fahrradwerkstatt.
  • In der Fahrradwerkstatt bekamen junge Menschen aus schwierigen Verhältnissen eine Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeit. Zur Zeit sind dort neben dem Werkstattleiter ein Auszubildender, ein Bürgerarbeiter und in einem "Einstiegsqualifikationsjahr" ein "EQJler" beschäftigt. Zum sozialen Ansatz der Werkstatt zählen auch Rabatte für Kunden mit geringem Einkommen sowie die Möglichkeit, alte Räder aus Spenden etwa des Fundbüros oder der Deutschen Bahn für den Weiterverkauf aufzuarbeiten.
  • Zentrale des Vereins war über Jahre die frühere Kindertagesstätte Knobelsdorffstraße 7, die nun wieder Sitz einer Kita ist. Zwischenzeitlich war Rückenwind als Träger eines Bürgerhauses für Potsdam-West im Gespräch. Das heute von einer Möbelbörse und der Fahrradwerkstatt genutzte Gebäude an der Haeckelstraße konnte der Verein von der Teuhand-Liegenschaftsgesellschaft erwerben. vo

Gegründet wurde Rückenwind auf Initiative von Bediensteten der Justiz als Resozialisierungsprojekt der Straffälligenhilfe. Als verhängnisvoll sollte sich später erweisen, dass Empfänger des Arbeitslosengeldes II gegen eine Art Aufwandsentschädigung in Form von "Ehrenamts- und Übungsleiterpauschalen" in den Einrichtungen des Vereins tätig wurden. Seit 2010 ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen frühere Rückenwind-Geschäftsführer wegen "angeblich nicht abgeführter Sozialleistungen", so das Schreiben einer späteren Geschäftsführung an die Mitarbeiter. Das Verfahren ist nach Auskunft der Justizbehörden noch immer nicht abgeschlossen. Doch es soll auch einstige Mitarbeiter getroffen haben, die etwa über Ein-Euro-Jobs zu Rückenwind kamen. In den Unterlagen des Vereins ist die Rede von "erheblichen Rückforderungen, teils bis zu 5000 Euro" gegenüber "2007 bis 2010 beim Verein beschäftigten ALG-II-Beziehern".

Nach Angaben des zuständigen Jobcenters gab es 2011 die letzte dieser Arbeitsgelegenheiten bei Rückenwind. Zu Rückforderungen könne aus Datenschutzgründen keine Auskunft gegeben werden. Eine MAZ-Anfrage bei der Stadt blieb ohne Reaktion.

Laut Loose, der nach eigenen Angaben erst im Herbst 2013 zum Verein gekommen ist, stehen die Zeichen nun auf Neuanfang. Der Verein habe schon vor Jahren "Konsequenzen gezogen" und sich von den damaligen Mitarbeitern getrennt: "Diese Vergangenheit haben wir hinter uns gelassen." Ergebnis der jüngsten Betriebsprüfung sei eine "Unbedenklichkeitsbescheinigung".

Von Volker Oelschläger

Potsdam Pro Potsdam verkauft an Kreditinstitut - Investor für die Brache vom Haus des Reisens

Das Ende einer prominenten Brache naht. Die Pro Potsdam hat das Grundstück, auf dem bis 2009 das "Haus des Reisens" stand, an ein Kreditinstitut verkauft. Dies geschah nach Mitteilung der Bauholding unter der Maßgabe, die von den Stadtverordneten im April 2013 genehmigte Fassade nach dem Entwurf des Potsdamer Architekten Bernd Redlich zu realisieren.

18.04.2014
Potsdam Vom 21. bis 27. April - Verkehrsprognose für Potsdam

Auch nach Ostern bietet die Verkehrsprognose der Stadt Potsdam eine umfangreiche Liste mit Straßen in denen es zu Verkehrsbehinderungen kommen kann. Staus werden vor allem für die Michendorfer Chaussee, die Pappelallee, die Zeppelinstraße und die Kaiser-Friedrich-Straße prognostiziert.

17.04.2014
Polizei Potsdam: Polizeibericht vom 17. April - Keine Ausweichmäglichkeit für Porsche-Fahrerin

+++ Landstraße: Die Wildschweine kamen so unverhofft auf die Fahrbahn, dass eine Porsche-Fahrerin nicht mehr allen Tieren ausweichen konnte. Das gescheiterte Ausweichmanöver endete für die Fahrerin am Baum - der Wagen musste abgeschleppt werden +++

17.04.2014