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Potsdam Rückkehr der Attika-Figuren unwahrscheinlich
Lokales Potsdam Rückkehr der Attika-Figuren unwahrscheinlich
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16:49 04.11.2016
Ein antiker Krieger, auf einen Schild gestützt.
Ein antiker Krieger, auf einen Schild gestützt. Quelle: Archiv
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Potsdam

Adieu Attikafiguren? Die Hoffnung auf die Rückkehr der acht Skulpturen vom Dach der Berliner Humboldt-Universität auf den Potsdamer Landtag schwindet zusehends. Weder die Leihnehmerin der Skulpturen – sprich: die Humboldt-Uni – noch die Schlösserstiftung als Leihgeberin sehen eine Veranlassung, das Berliner Exil der Dauerleihgaben zu beenden. Das machten die Präsidentin der Humboldt-Uni, Sabine Kunst, und der Generaldirektor der Schlösserstitung, Hartmut Dorgerloh, am Donnerstag bei einer teilweise adrenalingesättigten Diskussion des „Stadtforums Potsdam“ im vollen Saal des Treffpunkt Freizeit deutlich.

Figuren sind unbefristete Leihgaben

Kunst versteht die Figuren als „unverzichtbare Einschreibung der Nachkriegsgeschichte“. 1967 hatte man die friderizianischen Figuren auf dem Dach aufgestellt, um den teilweise zerstörten Skulpturenschmuck zu komplettieren. Dafür wurde mit der Vorgängerin der heutigen Schlösserstiftung ein unbefristeter Leihvertrag geschlossen. Kunst verwies darauf, dass 1975 das Gesamtensemble unter Schutz gestellt wurde – einschließlich der Figuren, weil diese als Zeugnis der bewegten Geschichte Berlins betrachtet wurden.

Dorgerloh machte ebenfalls deutlich, dass eine Rückkehr der Figuren aus seiner Sicht nicht machbar ist. Der Grund: Nur der Leihnehmer könne den Leihvertrag kündigen, und die Stiftung könne nicht mit dem Argument kündigen, „dass wir einen anderen Leihgeber wollen“, so Dorgerloh. Bei der Humboldt-Uni handle es sich um ein eingetragenes Denkmal, während der Landtag nur eine Stadtschloss-Kopie sei. Mit diesem Argument habe sich der Berliner Denkmalbeirat 2012 für einen Verbleib der Figuren in Berlin ausgesprochen.

Kulka platzt der Kragen

Irgendwann platzte dem Stadtschloss-Architekten Peter Kulka Kragen: „Grau ist alle Theorie“, schäumte er während der Diskussion. Und: „Ich habe in Potsdam Demokratie gelernt und gegen die Bevölkerung können sie keine Denkmalpflege machen.“ Gegenüber der MAZ sprach sich Kulka für eine Rückkehr jener Figuren aus, die straßenseitig auf dem Stadtschloss standen: „Da sind sie wichtig, weil das öffentlicher Raum ist.“ Auch der frühere Vereinsvize des Stadtschlossvereins, Joachim Kuke, fand deutliche Worte: „Sämtliche Grundsätze der modernen wissenschaftlichen Denkmalpflege reden deutlich davon, dass die Zusammenführung von Originalteilen ausdrücklich Priorität hat.“

Mit aktiver Schützenhilfe von der Stadt kann man dabei wohl nicht rechnen. „Das geht an der Realität vorbei“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) über die Forderung von Bürgern, die Stadt möge für eine Rückführung sorgen. Über das Schicksal der Figuren könnten nur der Eigentümer des Gebäudes und der Eigentümer der Figuren befinden – „und beides ist nicht die Landeshauptstadt“, so Jakobs.

Von Ildiko Röd

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