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Potsdam Vermüllung der Parks: Studenten sammeln Unrat ein
Lokales Potsdam Vermüllung der Parks: Studenten sammeln Unrat ein
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00:37 27.04.2018
Müll an der wilden Badestelle im Potsdamer Neuen Garten. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Drei Gärtner haben den Montag damit verbracht, die Liegewiese am Neuen Garten aufzuräumen. „Zu etwas anderem sind diese Mitarbeiter bestimmt nicht gekommen“, sagt Frank Kallensee, Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser & Gärten. Das schöne Wetter am vergangenen Wochenende hat einen Vorgeschmack drauf gegeben, wozu das fehlende Umweltbewusstsein vieler Potsdamer am Heiligen See, im Park Babelsberg oder an vielen anderen Plätzen und Ufern in der Stadt führt.

40 Mülltonnen im Neuen Garten

Ganze Müllberge hinterließen Menschen rund um überfüllte Mülleimer oder gar einfach an Ort und Stelle auf der Wiese. 4000 bis 6000 Menschen bevölkern an schönen Tagen die geduldete Badestelle am Heiligen See. Kontrollieren und „Knöllchen“ für Verschmutzung verteilen könne die Stiftung da nur „punktuell“, sagt Kallensee.

Über 40 Mülleimer stehen im Neuen Garten, 45 weitere werden in der Saison ab Mai aufgestellt – doch auch das ist Tropfen auf den heißen Stein. „Die Reinigung der Badestelle am Heiligen See kostet uns in einem Jahr 70 000 Euro“, sagt Kallensee. Nachhaltiger wirke zudem die Zerstörung der biologischen Vielfalt im Park. „In den vergangenen zehn Jahren haben sich die als Biotop eingestuften Flächen wie Langgraswiesen oder Schilfgürtel halbiert“, sagt Kallensee und führt dies einerseits auf den Klimawandel zurück, aber auch „auf die Nutzungen, die den Parks nicht zuträglich sind“ – das Verhalten der Besucher. „Ich appelliere daran, dass jeder seinen Müll einfach wieder aus dem Parks herausnimmt“, sagt Kallensee.

60 Säcke Müll

Das Problem ist nicht auf die historischen Gärten beschränkt. Auf dem Bassinplatz, der für viele junge Menschen beliebter sommerlicher Treffpunkt ist, sieht es nicht nur nach einem Wochenende völlig vermüllt aus. „Im Sommer sammeln die Mitarbeiter des Grünflächenamts dort jeden Morgen bis zu sechzig Säcke Müll ein“, sagt Gabriele Kosel. Sie ist in der Stadtverwaltung für Abfalleimer verantwortlich. Über 3000 Müllbehälter stehen im Stadtgebiet, rund die Hälfte gehört der Stadt und der Stadtentsorgung, die andere Hälfte privaten Eigentümern, vor allem Wohnungsgesellschaften. Knapp eine halbe Million Euro kostet Wartung und Entsorgung der städtischen Mülleimer.

Die Verschmutzung ist nicht auf die Parkanlagen beschränkt. Ein „erboster Bürger“ formuliert seinen Ärger über den Müll am Rathaus Babelsberg. Quelle: Peter Degener

Die Zahl und Größe der Müllbehälter ist seit der Bestandsaufnahme 2015 gewachsen – doch Kosel ist sich sicher, dass auch weitere Standorte nicht das Problem lösen. „Der Faktor Mensch spielt die größte Rolle. Viele Bürger sind desinteressiert, solange der Müll nicht vor ihrer eigenen Haustür liegt“, sagt Kosel. Initiativen wie eine „plastikfreie Stadt“ könnten jedoch nur funktionieren, wenn beim Verbraucher ein Bewusstseinswandel einsetze.

Gemeinsames Müllsammeln

An diesem Punkt wollen Potsdamer Studenten ansetzen. Sie planen für Sonntag, den 29. April einen Sternmarsch zum gemeinschaftlichen Müllsammeln. „Putzdam“ heißt die Aktion des Vereins für Hochschulsport, die zusammen mit der Naturschutzorganisation BUNDjugend, dem Studentenwerk Potsdam und der Stadtentsorgung Potsdam organisiert wird.

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Bewaffnet mit Greifern, Handschuhen und Sammelbehältern wird überall in der Stadt, im Wald und auf dem Wasser der Unrat zusammengetragen. Vom Jägertor aus und vom Lustgarten, vom Luisenplatz und vom Neuen Palais, von der Tierklinik im Wildpark-West und vom Wassersportzentrum der Universität auf Hermannswerder sollen die Gruppen sich auf den Weg in die Kastanienallee 22 machen. Beim Stand-Up-Paddling „SUP Trip“ am Havelufer wird der gesammelte Müll nach rund zwei Stunden aufgetürmt.

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Müll im Babelsberger Park an einer wilden Badestelle. Quelle: Bernd Gartenschläger

Während des Sternmarschs wollen die Stand-Up-Paddler Unrat aus dem Fluss holen. „Das haben wir schon einmal im Oktober gemacht und dabei Unmengen an Müll herausgefischt“, sagt Martin Teichmann von SUP-Trip. Danach sollen alle Freiwilligen beim Grillen am Havelufer auf eine gesäuberte Landschaft schauen können.

Bewusstsein schaffen

„Wir wollen bei den Leuten ein Bewusstsein schaffen und unsere Stadt schöner machen. In Potsdam liegt viel Müll“, sagt Karsten Bathe. Der Sport- und Geschichtsreferendar am Landesinstitut für Lehrbildung ist auch ehrenamtlicher Naturschützer und ein weiterer Initiator von „Putzdam“. „Ich habe mich schon als Schüler mit der Problematik befasst. Seit ich zehn oder elf Jahre alt war, war ich mit dem Rucksack unterwegs und habe es als eine Art Pflicht gesehen, den Müll aufzuheben“, erzählt Bathe. Sein persönliches Ziel: „Mir liegt am Herzen, dass Kinder dabei sind. Sie sollten ein Bewusstsein entwickeln und Verantwortung lernen. Am besten wäre es natürlich, wenn zusätzlich auch die Eltern dabei sind.“

Alle Infos zum Müllsammeln gibt es hier.

Von Peter Degener und Max Skowronek

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