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Potsdam Sanssouci: Schafe grasen wieder im Schlosspark
Lokales Potsdam Sanssouci: Schafe grasen wieder im Schlosspark
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01:15 15.04.2019
Die 30 Schafe grasen nun im Park Sanssouci vor den Römischen Bädern.
Die 30 Schafe grasen nun im Park Sanssouci vor den Römischen Bädern. Quelle: Varvara Smirnova
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Potsdam

Die Damen zieren sich. Rückwärts gerichtet stehen die Schafe auf zwei Etagen in einem Anhänger. Schäfer Olaf Kolecki redet ihnen gut zu und versucht ihnen herauszuhelfen. „Sie haben Angst, geht mal zur Seite“, sagt er. Fotografen und Kameraleute müssen Abstand nehmen – dann verlassen 30 Schafe, erst zaghaft, dann hüpfend den Anhänger. Hier auf der Wiese vor den Römischen Bädern im Park Sanssouci lässt die Potsdamer Schlösserstiftung die Rassen Bentheimer und Pommerschafe Landschafe seit Freitag wieder grasen.

Kontinuierliches Monitoring

Das Projekt wird begleitet durch die Arbeitsgruppen Biodiversitätsforschung und dem Landschaftsmanagement der Universität Potsdam und dem Botanischen Garten. „Historisch wurde die Stelle früher nicht beweidet“, sagt Ralf Kreutz, Fachbereichsleiter des Park Sanssoucis. Die Wiesen wurden gemäht und als Heu für die Tiere verwendet. Im vergangenen Jahr zum Projektstart wurden zehn Flächen mit bis zu anderthalb Hektar Größe im Park von der Universität und der Schlösserstiftung ausgesucht. Auf ihnen sollen die Schafe nun abwechselnd grasen. „Die Wiesen im Park sind aufgrund der verschiedenen Gewächse und Kräuter in Brandenburg sehr besonders“, erklärt Ralf Kreutz.

Positive Effekte für die Artenvielfalt

Zwei kleine etwa ein mal ein Meter Flächen wurden auf dem Areal dafür abgesteckt – eine trockene und eine feuchte Stelle. Sie sollen nachher zum Vergleich für die Auswertung dienen. „Nach fünf Jahren schauen wir, ob die Wiesen artenreicher werden“, so Kreutz. „Es ist im Grunde praktischer Naturschutz.“ So könne sich das sanfte Abgrasen der Schafe günstiger auf die Insektenvielfalt auswirken, als „radikales Mähen“. Zudem sei es eine authentische Denkmalpflege, betont die Potsdamer Schlösserstiftung.

Herde bekommt kleine Lämmer

Die Schafe sind im letzten Jahr geboren und haben die letzten Monate im Winterquartier in Schönwalde verbracht, erzählt Olaf Kolecki. Die Schafe sind dabei in diesem Jahr rund acht Wochen zeitiger draußen als noch 2018 – damit reagiert das Team auf die klimatische Entwicklung. „Die Vegetation ist einfach weiter fortgeschritten“, sagt Olaf Kolecki. Im vorigen Jahr standen 70 Schafe auf den Wiesen im Park. Das sei aktuell noch nicht möglich. „Da hätte ich sie am Abend schon wieder runternehmen müssen, dann wäre alles abgegrast.“

Eine Aufstockung der Herde sei zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Dann ist geplant, Mutterschafe mit kleinen Lämmern dazuzuholen. „Wir müssen schauen, wie sich die Vegetation entwickelt.“

Die Mäh-Arbeiten im Park Sanssouci beginnen: Schäfer Olaf Kolecki hat seine Schafe auf den Schlossparkwiesen getrieben. So lief das Spektakel ab.

Olaf Kolecki kontrolliert die Schafe täglich, gibt ihnen Wasser und schaut, ob es ihnen gut geht. Ein Hund wird die Herde aber nicht bewachen, das übernimmt ein mobiler Elektrozaun. Besucher müssen sich nicht in Acht nehmen: Eine Kordel grenzt den Bereich flächig ab. Sie werden gebeten, Hunde anzuleinen und die Wiesen nicht zu betreten.

Die Schafe werden bis zum Sonntag auf der Wiese an den Römischen Bädern bleiben. Danach ziehen sie erst vor das Schloss Charlottenhof. Bis November bleibt die Herde draußen.

Von Anne Knappe