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Potsdam Satzkorn will ein eigenes Bürgerhaus haben
Lokales Potsdam Satzkorn will ein eigenes Bürgerhaus haben
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16:51 15.01.2020
Ortsvorsteher Dieter Spira (SPD) möchte das nur minimal nutzbare Gemeindehaus Satzkorn zum echten Bürgerhaus machen. Quelle: Rainer Schüler
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Satzkorn

Es sieht schmuck aus und gut erhalten, doch Licht sieht man in der Dorfstraße 2 von Satzkorn selten. Rechts unten in dem historischen Haus der alten Dorfschule und späteren Kita nutzt der Ortsbeirat lediglich zwei Räume für Sitzungen und kleinere Veranstaltungen; die Gäste kommen nur durch den Hintereingang rein.

Ortsvorsteher Dieter Spira (67) ärgert das; er möchte viel mehr anbieten in diesem Haus, in dem die zweite Wohnung im Erdgeschoss und die große Wohnung in der Dachetage seit 2015 leer stehen. Der Bauingenieur und langjährige Stadtplaner hätte das Haus sehr gern als Bürgerhaus. „Bis auf Grube, Uetz-Paaren und uns haben alle anderen Ortsteile sowas“, sagt er, für Veranstaltungen, Feiern, Ausstellungen, Beratungen, als Jugendtreff. Das Haus müsse sanitär und heizungstechnisch aufgerüstet werden; barrierefrei könne es ja unten werden. „Wenn da jemand nicht reinkommt, legen wir wie bei Bussen eine Rampe ran und schieben ihn hinein“, sagt er. „Wenn man es will, geht das.“ Seniorenfrühstück, Bastelnachmittage für Kinder, Handarbeit, Skatspielen – das ist in beengten Räumen heute schon möglich. 420 Menschen leben in Satzkorn, der erst im Oktober 2003 nach Potsdam eingemeindet wurde und damit auch sein gerade erst entworfenes Gemeindewappen nicht mehr verwenden durfte: Drei Tulpen auf einem Berg, in dem ein alter Krug ruht.

Soldatenkönig gilt als Schulgründer

Die laut Spira am 28.Oktober 1712 durch den späteren Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) gegründete Schule war immerhin bis 1950 in Betrieb und bis zum 15. März 1991 Kindertagesstätte. Dann wurde sie geschlossen und wenig später saniert.

Kunstvoller, schmiedeeiserner Zaun am am Gemeindehaus Satzkorn. Quelle: Rainer Schüler

Die Potsdamer Stadtverwaltung bremst Spira aber aus. Das unterkellerte Gemeindehaus, das nur zum kleineren Teil wirklich eines ist, sei früher unter anderem von der freiwilligen Feuerwehr genutzt worden, erklärte Stadtsprecher Markus Klier auf MAZ-Anfrage. Im Erdgeschoss fungiere es als Büro- und Beratungsraum des Ortsbeirates sowie als Wahllokal. „Insgesamt ist das Haus in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. So müssen unter anderem die Heizung und die Sanitäranlagen erneuert und im Falle einer öffentlichen Nutzung der Brandschutz verbessert werden.“ Was genau da nötig wäre, teilte Klier nicht mit.

Kein Kredit für weitere Sanierung

Er informierte, dass die Stadt wegen „Nachfragen“ 2018 eine Machbarkeitsstudie für unterschiedliche Nutzungszwecke – Jugendclub, Gemeinderat, Seniorenarbeit, freiwillige Feuerwehr – in Auftrag gegeben habe. Zum Ergebnis sagte er nichts. Bisher sei eine Sanierung an den fehlenden Investitionsmitteln gescheitert, erklärte er, da der Einsatz von Krediten wegen des freiwilligen Charakters einer zukünftigen öffentlichen Nutzung nicht in Frage komme.

Eine alte Postkarte zeigt prominente Ansichten von Satzkorn: Die Kirche, die alte Schule und den preußischen Bahnhof mit seinem Wasserturm. Quelle: Archiv

Spira würde die obere Etage gerne der Freiwilligen Feuerwehr überlassen, die dringend Beratungs- und Schulungsräume brauche. Immerhin gibt es unter den 18 Mitgliedern der Wehr drei Notfallhelfer, die sogar mit dem Defibrilator umgehen können. „Die sind in Satzkorn viel schneller verfügbar als die Rettungskräfte der Berufswehr Potsdam“, glaubt Spira.

Das regelmäßige Seniorenfrühstück und die gut besuchten Skat-Tage könnten auch unten stattfinden, findet er. Das Gemeindehaus solle künftig wieder durch den Haupteingang betreten werden können. In der Weihnachtszeit könne man dort einen beleuchteten Tannenbaum aufstellen.

Bürger gründen Verein für Satzkorn

Um das Bürgerhaus-Projekt auf den Weg zu bringen, wird der Verein „Satzkorn Miteinander 2020“ gegründet. Zur ersten Sitzung kamen schon 42 Leute; die Satzung wurde bereits festgelegt. Die konstituierende Sitzung ist für den 30. Januar geplant.

Satzkorn wurde früher besiedelt als der Spreewald“, streicht Spira die Bedeutung seines Dorfes heraus: „Schon in der jüngsten Eiszeit lebten Menschen hier.“ Beim Bau der neuen Feuerwache – „leider ein Zweckbau neben der historischen Schul-Remise“ – habe man jene Bänderkeramik-Reste gefunden, die heute ebenso das inoffizielle Wappen der Gemeinde ziert wie die Tulpen, denn zu DDR-Zeiten war Satzkorn das „Klein Holland“ Ostdeutschlands.

Wappen von Satzkorn Quelle: wikipedia

Hier wurden in großem Maßstab Tulpen und Gladiolen gezogen und sogar vollautomatisch geerntet. Tulpen wurden ab 1975 auf 30 Hektar angebaut, Gladiolen sogar auf 100 Hektar. Und Satzkorns Bahnhof war ein unverzichtbarer Umschlagplatz für die Produkte des Havelländischen Obstanbaugebietes und die Versorgung Berlins. Allein bei Gladiolen wurden zehn Millionen Pflanzen als Pflanzgut kultiviert und zehn Millionen zum Blumenverkauf; davon gingen vier Millionen in den Westen Berlins und Deutschlands.

Von Rainer Schüler

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