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Potsdam Premiere im T-Werk:„Aktuell ist fast jeder vom Klima beunruhigt“
Lokales Potsdam Premiere im T-Werk:„Aktuell ist fast jeder vom Klima beunruhigt“
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14:58 26.07.2019
Am Samstag feiert die "Die Regentrude" im T-Werk von Regisseur Jens-Uwe Sprengel Premiere. Quelle: Göran Gnaudschun
Potsdam

Am Samstag feiern das T-Werk und das Theater Nadi mit „Die Regentrude“ gemeinsame Open-Air-Premiere. Warum Theodor Storms altes Märchen ausgerechnet jetzt gespielt werden muss, erklärt Regisseur Jens-Uwe Sprengel im Interview.

Hitze, Dürre, Trockenheit. Alle reden nur noch über das Wetter. Warum machen Sie nun auch noch ein Theaterstück darüber?

Jens-Uwe Sprengel: Aktuell ist fast jeder von der klimatischen Situation beunruhigt. Es ist eine sehr extreme und komplexe Situation. Wir haben uns gefragt, wie wir das den Kindern erzählen können.

Am Samstag feiert "Die Regentrude" im T-Werk während der Schirrhofnächte Premiere. Regisseur Jens-Uwe Sprengel erklärt was hinter dem Stück steht. Quelle: Jan Russezki

Und wie passt da Theodor Storms altes Märchen von 1863?

Bei Storm wird alles sehr breit diskutiert. Wir haben viel rausgenommen. Was mich an dem Märchen so fasziniert, ist, dass es nicht darum geht, den Feuermann zu besiegen, sondern die Regentrude zu wecken. Es geht darum, ein Gleichgewicht wiederherzustellen. Und dass die junge Protagonistin in unserer Version beschließt, ohne Plan und Zauberspruch loszugehen, ist der zen­trale Punkt, den ich aktuell sehe. Wir wollen diese Energie, aufzubegehren, vermitteln.

Also junges Aufbegehren gegen den Klimawandel? Das klingt nach „Fridays for Future“.

Genau! Da sind ältere Menschen, die den Jungen nichts zutrauen und andere leugnen den Klimawandel. Und in dieser Diskussion gibt es junge Menschen, die vielleicht nicht wissen, was die Lösung ist, aber einfach losgehen. Wir wollen mit dem Stück nicht aufklären oder Lösungen bieten. Unser Punkt ist, dass wir erzählen wollen, was gerade in der Welt passiert. Junge Menschen gehen überall auf der Welt auf die Straße und sagen: So geht es nicht.

Das Stück richtet sich an Kinder ab fünf Jahren. Ist das nicht zu anstrengend für einen Theaternachmittag?

Ich möchte im Theater auch gar nicht so viel nachdenken, um das Stück zu verstehen. Zunächst soll es Spaß machen und lustvoll sein. Dafür wollten wir das Stück viel musikalischer gestalten und haben den Musiker Udo Koloska dazugeholt. So hat sich daraus ein neues Stück entwickelt.

Schirrhofnächte: Premiere von „Die Regentrude“

„Die Regentrude“ von Theodor Storm wurde von Regisseur Jens-Uwe Sprengel gemeinsam mit seiner Ausstatterin Heide Schollähn als Open-Air-Fassung entwickelt. Die Inszenierung wird gemeinsam mit dem Thearer Nadi mit Masken und Live-Musik auf die Bühne gebracht.

Tickets für die Open-Air-Premiere am Samstag, den 27. Juli, im Rahmen der Schirrhofnächte gibt es für Kinder ab 5Euro, für Erwachsene ab 7 Euro.

Gespielt wird vor dem T-Werk in der Schiffbauergasse um 16 Uhr. Infos zu weiteren Vorstellungen und Tickets unter www.t-werk.de.

Und wie sieht Ihre neue Fassung der Regentrude aus?

Es kommt eine fahrende Brass-Band an und baut die Bühne auf. Sie spielen dann unter freiem Himmel pur ohne großes Bühnenbild. Es wird gemeinsam gesungen und es gibt Klangbilder, die teilweise bedrohlich wirken und eine Tanzchoreographie, die den Text übersetzt.

Sie haben Text in Tanz und Musik übersetzt?

Sprachlich haben wir das Stück extrem reduziert. Wir wollten am liebsten ohne Sprache auskommen, aber allein der Zauberspruch ist ja schon zentral. Der ist natürlich noch drin.

Wie kam es zu dem radikalen Entschluss, fast den gesamten Text des Stücks wegzulassen?

Das Theater Nadi, mit dem wir zusammenarbeiten, hat das Stück schon vor zehn Jahren ganz klassisch mit Dialogen aufgeführt. Schon damals gab es die Überlegung, ob man das nicht draußen spielen könnte. Das funktioniert aber schon vom Wind und vom Bühnenbild gar nicht.

Sprache wegzulassen bedeutet für die Schauspieler dann aber sehr viel Bewegung. Am Samstag werden es um die 30 Grad.

Wir haben schon komplett draußen geprobt und uns dem Thema ausgesetzt. Das war bei 30 Grad eine Extremerfahrung für den Körper. Man konnte heiße Dinge nicht anfassen – aber das ist für den emotionalen Kern des Stücks wichtig.

Hat die Hitze also die Inszenierung beeinflusst?

Das denke ich auf jeden Fall. Wir mussten einen Tag drin auf der Bühne proben. Am nächsten Tag haben wir gemerkt, dass es draußen nicht funktioniert. Man kann das nicht in einem kühlen Zimmerchen proben. Es braucht eine ganz andere Energie. Das ist für mich schon eine besondere Herausforderung – auch, dass man ohne Bühne die Theater-Illusion in jedem Moment immer wieder neu erzeugen muss.

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Interview: Jan Russezki

Von Jan Russezki

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