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Potsdam Schloss-Sanierung unter erschwerten Bedingungen
Lokales Potsdam Schloss-Sanierung unter erschwerten Bedingungen
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18:44 03.11.2017
Nur wenig Platz zum Arbeiten: Die Handwerker hatten nur 80 cm Höhe, um das Holz zu bearbeiten. Quelle: Architekten Petersen
Potsdam

Friedrich der Große hat es versemmelt. Vor 250 Jahren wollte er Geld sparen. Das Neue Palais ist dafür das wohl bekannteste Beispiel. Wenn auch ein Prunkgebäude, wollte er die hohen Kosten nicht ins Unermessliche steigen lassen. Am sichtbarsten ist der Spardrang des Königs an den aufgemalten Ziegeln des Schlosses. Doch auch im Innern leidet das Gebäude unter den Entscheidungen, die knapp 250 Jahre in der Vergangenheit liegen.

Der Hohenzollernherrscher verweigerte trotz eindringlicher Mahnungen seiner Baumeister eine stützende Gewölbekonstruktion im Grottensaal, die die 90 Tonnen schwere Decke sicher getragen hätte. Stattdessen wünschte er eine Holzbalkendecke, die sich über 18 Meter von einem Ende des Raumes zum anderen spannt. Diese Entscheidung rächte sich allerdings nicht erst in unserer Zeit. Schon knapp acht Jahre nach Fertigstellung musste die Decke saniert werden. Die Balken waren nass verbaut worden, das Mauerwerk nahm dem Holz jegliche Luft zum Atmen. Es wurden zusätzliche Balken verbaut, jeweils zwischen die alten. Dieses Mal trocken und mit Lufträumen im Mauerwerk, wo sämtliche Balken verankert sind.

Unter erschwerten Bedingungen mussten die Handwerker arbeiten. Nur kleine Öffnungen hatten sie, um die Balkenende der Decke zwischen Marmor- und Grottensaal im Neuen Palais auszubessern.

2008 stellte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten fest, dass der Marmorsaal-Fußboden, und dadurch auch die Grottensaaldecke, stark beschädigt waren. So sehr, dass ihre Tragfähigkeit in Zweifel stand. Es musste saniert werden. Die Stiftung beauftragte die Architekten Christina und Knud Peter Petersen mit der Instandsetzung. Über ein Jahr waren sie beschäftigt. Unter den widrigsten Bedingungen haben ihre Handwerker gearbeitet. Nun haben sie den Brandenburgischen Baukulturpreis für ihre Leistung bekommen.

Der Brandenburgische Baukulturpreis

Die Brandenburgische Architektenkammer und die Brandenburgische Ingenieurkammer vergeben seit 2009 jedes zweite Jahr den Baukulturpreis. Sie wollen Bauherren, Architekten und Ingenieuren damit eine Plattform bieten, ihre Bauten zu präsentieren.

Voraussetzung für die Teilnahme an dem Wettbewerb ist, dass das Projekt in Brandenburg steht. Die Bewerber indes kommen aus ganz Deutschland.

Die Sanierung im Neuen Palais wurde mit einem von drei Sonderpreisen geehrt, die allesamt an in Potsdam realisierte Projekte gingen.

Knud Peter Petersen sitzt in seinem hellen offenen Büro in einem Berliner Hinterhofgebäude. Er blickt zurück. „Es war ein Balanceakt“, sagt er. „Wir wollten so wenig wie möglich von der historischen Substanz anfassen. Gleichzeitig mussten die Öffnungen für das Arbeiten groß genug für einen normalgebauten Mann sein. Und dafür mussten wir die grünen Marmorsockel entfernen.“ Sein Team musste nämlich an die Enden der ersten Balkengeneration heran. Sie waren die Übeltäter. Petersen nennt sie seine „Patienten“. Sie waren alt, gebrechlich und bedurften einer dringenden Grundüberholung. Um an sie heranzukommen, mussten die Handwerker an der Wand entlang den Boden öffnen. „Durch Voruntersuchungen der Stiftung wussten wir, wie wir in etwa vorgehen mussten. Unsere Vorgehensweise mussten wir in der Ausschreibung detailliert darstellen, damit die Handwerksbetriebe, die sich bewarben, wussten, worauf sie sich einstellen konnte.“

Doch wie die Arbeitsbedingungen genau aussehen würden und vor allem, ob die Lebensgefahr ausgeschlossen werden konnte, wusste Petersen nicht. Deswegen musste eine Probe gemacht werden. Mit einem Berlin Zimmerer bauten sie ein Modell der Arbeitssituation nach, um genau einschätzen zu können, wie groß sie die Öffnung machen konnten. Immerhin musste ein normaler Mann mit einer Kettensäge darin arbeiten können. Der Versuch war erfolgreich. Petersen konnte ausschreiben.

DDR-Schadstoffe erschweren Arbeiten

Letztlich erschwerte aber nicht nur der sehr beengte Raum die Arbeiten massiv, sondern auch die Schadstoffe im Holz. Zu Zeiten der DDR wurden giftige Holzschutzmittel und Teerplatten zur Sanierung verwendet. Im Laufe der Jahrhunderte nistete sich ein Holzschwamm ein und andere Schimmelarten fühlten sich wohl. Petersen musste also auch einen Baustelleneinrichter beauftragen, der Schleusen mit Unterdruck errichtete. Die sollten verhindern, dass Dreck von draußen hineinkam und innerhalb des abgeschirmten Arbeitsbereiches die Schadstoffe zu sehr aufgewirbelt wurden. Die Handwerker konnten nur mit Schutzanzügen und -masken arbeiten.

Bei jedem der insgesamt 62 Balkenenden montierten sie zunächst eine Vorrichtung, mit deren Hilfe sie die tonnenschweren Hölzer anhoben. Dann konnten sie die teilweise stark verschimmelten, ehemals nassen und zerfallenden Balkenenden absägen. Im Anschluss setzten sie neue Enden drauf oder besserten, wenn doch nicht so stark beschädigt, die vorhandene originale Substanz aus. Danach schloss der Mauerer die Öffnung wieder. Sie waren meist 80 cm breit, 80 cm hoch und 1,80 m lang. An jeder Wandseite gab es neun solcher Öffnungen. Maximal drei konnte es gleichzeitig geben. Pro Öffnung bearbeiteten die Handwerker bis zu drei Balken und benötigten dafür zwei Wochen – mit aufmauern und zumauern.

Im Mai 2014 waren die Arbeiten an der Zwischendecke beendet. Während die Restaurierungen im Grottensaal weitergingen, schlossen die Mauerer die Bodenöffnungen und brachten den grünen Marmor wieder an. Der Tragwerksplaner, die Architekten und die Handwerker sowie die Schlösserstiftung als Bauherr wurden über drei Jahre später für ihre Leistung mit dem Sonderpreises beim Brandenburgischen Baukulturpreis ausgezeichnet. „Wir haben uns sehr gefreut“, sagt Christina Petersen. „Dass ein Projekt den Preis bekommen hat, das so nicht zu sehen ist, das im Verborgenen bleibt.“ Das sei sehr selten. Normaler Weise werden meist jene Bauvorhaben ausgezeichnet, bei denen die das Ergebnis sichtbar ist. „Ein großer Dank geht an die beteiligten Handwerker, weil sie eine unschätzbare Arbeit geleistet haben. Ohne die sehr gute Zusammenarbeit und Unterstützung zwischen uns Planern und den Handwerkern wäre dieses anspruchsvolle Projekt nie so möglich gewesen.“

Von Annika Jensen

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