Schloss auf der Pfaueninsel: Preußens schönster Schwarzbau wird bis 2024 saniert
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Schloss auf der Pfaueninsel: Preußens schönster Schwarzbau wird bis 2024 saniert

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17:47 03.09.2021
Am Freitag war Sanierungsstart am Schloss auf der Berliner Pfaueninsel.
Am Freitag war Sanierungsstart am Schloss auf der Berliner Pfaueninsel. Quelle: Julius Frick
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Den besten Blick auf das Schloss auf der Berliner Pfaueninsel haben die Potsdamer. Den Berlinern dreht es dagegen den Rücken zu, denn der Bau ist Zielpunkt der berühmtesten Potsdamer Sichtachse. Vom Marmorpalais am Heiligen See strahlt das weiße Märchenschloss aus vier Kilometer Entfernung hinüber. „Dieser Blick wird die nächsten drei Jahre allerdings kräftig verdorben“, sagte Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) am Freitag.

Das Schloss ist schon fast vollständig eingerüstet. Quelle: Julius Frick

5,5 Millionen Euro kostet die Sanierung des Welterbe-Schlosses

Es war offizieller Baustart für die Restaurierung der Innenräume und der Gebäudehülle des Schlosses, das schon zur Hälfte eingerüstet ist. 5,5 Millionen Euro kostet die Sanierung, die aus dem Sonderinvestitionsprogramm der Länder Berlin und Brandenburg, sowie des Bundes finanziert wird. Voraussichtlich Mitte 2024 wird das Haus, das zum Weltkulturerbe der Menschheit gehört, wieder eröffnet.

„Ein Holzbauwerk mit verspieltem Ruinen-Look, filigranen Details und einer fragilen Kulissenhaftigkeit – das Schlösschen auf der Pfaueninsel gehört zweifellos zu den ungewöhnlichsten Kleinoden in den Gärten und Parks der Schlösserstiftung“, befand Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) bei einem letzten Blick hinein. Was sie sah: marode Holzbalken, ausgeblichene Stofftapeten, Risse in der geschwungenen Eisengussbrücke zwischen den zwei Türmen.

Der Saal des kleinen Schlosses. Wände und Boden sind vollständig mit Holz von einem dutzend verschiedener Baumarten gestaltet. An den Wänden wurde damit eine steinerne Wirkung erzielt. Quelle: Julius Frick

„Einzigartig“ in Berlin und Brandenburg ist die Innenausstattung des Hauses, sagt Generaldirektor Vogtherr. „Hier haben sich die Interieurs aus der Erbauungszeit von 1795 nahezu unverändert erhalten. Seitdem das Haus im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. als sommerlicher Rückzugsort für sich und seine geliebte Gräfin Lichtenau errichtet wurde, gab es keine Umgestaltungen durch spätere Generationen preußischer Könige. Selbst der Zweite Weltkrieg ging über das romantische Bauwerk schadlos hinweg.

Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) begutachtet die 225 Jahre alten Wandbespannungen mit Bildern im chinesischen Stil. Quelle: Julius Frick

Dabei ist es so empfindlich: Tapeten aus Papier, Wandbespannungen aus feinen Stoffen, Deckengemälde mit ganz unterschiedlichen Pigmenten, sowie Parkettböden und Wandvertäfelungen aus einem Dutzend verschiedener Hölzer bedeuten zahlreiche Herausforderungen für die Restauratoren, die die Substanz seit 2018 untersucht und geplant haben. Das Mobiliar ist einerseits eingelagert, kann während der Bauzeit zum Teil aber auch im Schloss Paretz im Havelland besichtigt werden.

Deckengemälde von Peter Ludwig Frisch von 1795, das die Morgenröte „Aurora“ zeigt. Quelle: Julius Frick

Weitere Schwierigkeit: Das kostbare Innere wird nur durch eine dünne hölzerne Hülle geschützt. Was aus der Distanz mit seinen Zinnen und Türmen wie eine Burgruine aus weißen Steinblöcken wirkt, erweist sich aus der Nähe als schöne Täuschung aus lackiertem und mit aufgemalten Fugen dekoriertem Holz. Etwa alle 50 Jahre wurden die Latten seit der Erbauung erneuert, zuletzt 1975. Damals wurden zwar bestes Redwood-Holz, aber auch asbesthaltige Anstriche verwendet. Bei der Erneuerung der Holzverschalung sind umfangreiche Schutzmaßnahmen für die Arbeiter nötig – und für das Innere. Der giftige Staub darf nicht durch feine Ritzen ins Schloss gelangen und wird permanent abgesaugt, bevor er sich auf den Oberflächen der Innenräume absetzen kann.

Die Brücke von 1804 ersetzte eine kleine Holzbrücke aus der Bauzeit von 1795. Quelle: Julius Frick

Die geschwungene Eisenbrücke – das erste Werk der Königlichen Eisengießerei in Berlin

Die weithin sichtbare Eisenbrücke zwischen den Türmen wird ebenfalls repariert. Einzelne Streben sind gebrochen, können aber nicht geschweißt werden. Nun werden sie vor Ort kleinen Gewindestäben „wie eine Naht mit feinen Bolzen“ wieder zusammengefügt, erklärt Projektleiter Max Daiber. Die Brücke ist Teil der Industriegeschichte der Region – sie war das erste große Werk, das 1804 in der neuen Königlich Preußischen Eisengießerei in Berlin geschaffen wurde.

Noch eine Besonderheit: Obwohl es sich um ein Schloss handelt, kam keiner der königlichen Architekten zum Zuge. Der einfache Potsdamer Zimmermeister Johann Gottlieb Brendel errichtete den Fachwerkbau mit 17 Tischlern und Zimmermännern in nur 18 Monaten Bauzeit. Streng genommen ist das weiße Schloss auf der Pfaueninsel sogar ein Schwarzbau, der ohne Beteiligung und „unter dem Radar der Hofbauämter in Berlin und Potsdam errichtet wurde“, so Ayhan Ayrilmaz, Architekturdirektor der Schlösserstiftung.

Federführend beim Bau war übrigens die Gräfin Lichtenau selbst. Ihr Stil und Geschmack waren dabei so unbekümmert und sicher zugleich, dass der Kronprinz, der die Geliebte seine Vaters hasste und sie nach seinem Amtsantritt als König sofort verbannte, das Schloss auf der Pfaueninsel dennoch liebte.

Von Peter Degener