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Potsdam Schlusspunkt an der Uni Potsdam
Lokales Potsdam Schlusspunkt an der Uni Potsdam
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13:33 22.06.2018
Rund 330 Absolventen sind an der Universität in Potsdam verabschiedet worden. Quelle: Foto: Friedrich Bungert
Brandenburger Vorstadt

Das Leben von Annemarie Cario und Peter Schuld ist jetzt ein anderes. Weniger Flexibilität, mehr geregelter Alltag. Sie haben ihr Masterstudium an der Universität Potsdam abgeschlossen – Cario im Lehramt, Schuld in Politikwissenschaften. Gestern wurden sie gemeinsam mit rund 330 anderen Absolventen feierlich verabschiedet – zwar nicht vor der historischen Kulisse der Kolonnade am Neuen Palais, dafür aber im Auditorium maximum mit Liveübertragung für Familie und Freunde. Die Gefahr war der Unileitung zu groß, dass die Verabschiedung sonst sprichwörtlich ins Wasser fallen könnte. „Ich bin kein risikoscheuer Mensch“, sagte Uni-Präsident Oliver Günther. 80 Prozent Regenwahrscheinlichkeit aber haben ihn auf Plan B zurückgreifen lassen.

Über 3200 Studierende haben im akademischen Jahr 2017/2018 das Studium an der Uni Potsdam abgeschlossen, mehr als 300 Absolventinnen promoviert. In der Brandenburger Hochschullandschaft sei sie mit ihren 25 000 eingeschriebenen Studenten das „Herzstück“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs in seinem Grußwort, das er an die Studenten richtete. Ihm ist bewusst, dass die Landeshauptstadt „exzellent ausgebildete Menschen“ brauche und warb darum, der Stadt treu zu bleiben. Wie Annemarie Cario. Die 27-Jährige hat in der Stadt ihre große Liebe im ersten Semester gefunden, lebte mit ihm in einer Wohngemeinschaft im Studentenheim und ging am Morgen zu den gleichen Kursen. Fünf Jahre hat Annemarie Cario an der Uni Potsdam studiert, erst im Bachelor, später im Master.

Potsdam hat Urlaubsfeeling

Eigentlich kommt die angehende Lehrerin aus Stendal (Sachsen-Anhalt). Potsdam war gerade nah genug an der Heimat und nur ein Katzensprung nach Berlin. Und als sie in der Stadt angekommen war, lernte sie das Umfeld schätzen. „Es fühlt sich nach Urlaub an, wenn ich durch die Innenstadt gehe. Dazu gibt es die Natur, die Seen und viele freundliche Menschen“, sagt sie. Außerdem habe sie großes Glück gehabt und eine Wohnung in Potsdam-West gefunden. Nach dem Abschluss hat sich ihr Leben verändert, sie ist eingeschränkter, seit sie ein Referendariat auf der Inselschule Töplitz begonnen habe. Aber: „Ein geregelter Alltag nach dem Studium hat auch viel Positives“, sagt sie.

Annemarie Cario wird Lehrerin in der Region. Quelle: Friedrich Bungert

Peter Schuld bleibt ebenfalls in Potsdam. „Entscheidend war das persönliche Umfeld“, sagt der 27-Jährige. Seinen Bachelor-Abschluss hatte er noch in Mannheim gemacht. Doch dann wollte er eine andere Uni sehen, außerdem eine Kombination aus Politik, Soziologie und Geschichte studieren. Professoren raten häufig zu einem Wechsel während der Studienzeit. Das bringt andere Blickwinkel, andere Schwerpunkte. In Potsdam fand er schnell Anschluss über sein Studium, aber auch über die Angebote der Uni und des Studentenwerks. „Trotzdem braucht man eine Weile um anzukommen“, sagt Schuld.

Weniger Zukunftsdruck, mehr Gelassenheit im Studium

Und wie es im Leben so ist, ergeben sich während des Studiums Dinge, die sich kaum planen lassen. „Als ich nach Potsdam kam, wusste ich grob eine Richtung, aber nicht, wo es hingehen soll“, erinnert sich der ehemalige Student. Ausland nach dem Abschluss? Möglich. Arbeit nach der Verabschiedung? Auch möglich. Diese Gelassenheit habe Schuld am Ende vielleicht zu seinem nahtlosen Übergang in einen Job in der Politik verholfen. „Viele Studenten setzen sich heute zu sehr unter Druck“, sagt der 27-Jährige. Zum Beispiel habe er drei Jahre für seinen Master statt zwei gebraucht. Nicht, weil er ein „Lotterleben“ führte, sondern als Hilfswissenschaftler an der Uni gearbeitet, außerdem Praktika gemacht hat. Dadurch habe es auch keinen Schockübergang ins Arbeitsleben gegeben, der nun alle Freiheiten nehmen würde.

Peter Schuld arbeitet nach dem Master in der Politik. Er glaubt, dass viele Studenten während der Zeit an der Uni zu viel Druck aufbauen würden. Quelle: Friedrich Bungert

Die letzten Tage in der Universität sind für viele Studenten schwierig, weil sie Jahre ihres Alltags damit verbracht haben. Gleichzeitig ist es eine Befreiung, die Abschlussarbeit zu verteidigen und die letzten Schritte zu gehen, später die Korken knallen zu lassen. „Es ist ein sehr schönes, für einen kurzen Moment erhabenes Gefühl“, erinnert sich Peter Schuld.

„Der Weg ist Europa

Dieses Gefühl kennt auch Stina Schönefeld aus Potsdam (28). Die ehemalige Bachelorstudentin hat mehr Semester als die meisten studiert. Germanistik und Soziologie in der Kombination. Nach dem Studium macht sie derzeit Praktika. „Zur Orientierung“, sagt sie. Eins ist aber klar: Aus Potsdam will sie nicht weg, dafür sei sie zu heimatverbunden.

Die Absolventenverabschiedung ist nun „ein öffentlicher, gemeinsamer Schlusspunkt“, sagt Uni-Sprecherin Silke Engel. Bei der Festrede der Veranstaltung forderte Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, die Absolventen auf, einen vierten zivilisatorischen Schritt in Europa zu gehen – dringend. Drei habe es mit der klassischen Antike, der Renaissance und der Aufklärung bereits gegeben. „Der Weg ist Europa“, sagte er, einschließlich der Digitalisierung.

Von Christin Iffert

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