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Potsdam Abriss: Sägeseil und „Betonbeißer“ zerlegen marode Hochbrücken
Lokales Potsdam Abriss: Sägeseil und „Betonbeißer“ zerlegen marode Hochbrücken
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06:54 03.02.2020
Start für den Abriss der Schnellstraßenbrücken Quelle: Rainer Schüler
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Babelsberg

In wenigen Tagen wird es ernst: Der Abriss der ersten Schnellstraßenbrücke in Potsdam beginnt. Am 6. Februar setzt das diamantbesetzte Sägeseil an und trennt ein 85 Meter langes Stück der Brücke heraus. Gesägt wird zwischen den alten, runden Betonpfeilern und den aus Fertigteilen daneben gestellten Stützen, die das abgesägte Teil tragen.

Vom 14. bis 16. Februar wird dann ein „Betonbeißer“ diesen Brückenabschnitt zerkleinern. In diesem Zeitraum wird die Friedrich-List-Straße voll gesperrt, damit niemandem etwas auf den Kopf oder auf das Autodach fällt. Die Abbrucharbeiten laufen zwischen 22 Uhr abends und 5 Uhr früh – in dieser Zeit fahren keine Regionalbahnen und keine Güterzüge. Die S-Bahnen machen Pause zwischen 1 und vier Uhr.

Sägeseil zertrennt die Brücke

Wie der Abriss genau funktioniert, erklärt Bauleiter Andreas Elit (44). Zunächst wird das Sägeseil um die gesamte Brückenfahrbahn geschlungen. Obwohl die Brücke nicht rund ist – was das Sägen erleichtern würde – schafft es laut Elit das Seil auf bis zu fünf Umdrehungen in der Sekunde. Der Bauleiter rechnet mit etwa fünf Stunden für einen Schnitt. Die Trümmer werden dann von der Friedrich-List-Straße bis Sonntag, 16. Februar, entfernt, so dass die Straße am Montag wieder für den Verkehr freigegeben werden kann.

Die beiden Hochbrücken der Nutheschnellstraße über die Bahn und die Friedrich-Engels-Straßen rosten gefährlich und müssen abgerissen werden. Die neuen Brücken sollen Mitte 2022 fertig sein.

Deutlich aufwendiger läuft dann der Abriss des längeren Brückenteils über die Bahnlinie (30 Meter) und die Friedrich-Engels-Straße (28 Meter), denn dort läuft der Verkehr weiter und soll auch nur kurzzeitig unterbrochen werden. Unter der Brücke dürfen die Fahrdrähte der Bahn und die Stromabnehmer der S-Bahn nicht beschädigt werden.

Nur kurzzeitige Sperrungen

Kurzzeitige Sperrungen wird es trotzdem geben – und zwar in den Nächten zwischen Montag, 17., und Freitag, 21. Februar. In dieser Zeit wird das Teilbauwerk um zwei Meter angehoben, um es dann im Stück in Längsrichtung wegzuschieben und auf einer Freifläche am Horstweg zu zerlegen. Zum Heben wurden bereits Türme aus mächtigen Doppel-T-Trägern auf eigene Fundamente unter die Brücke gestellt: An allen vier Ecken jedes Turms befindet sich eine hydraulische Presse. Alle Pressen gemeinsam heben dann die Brücke vollkommen synchron in Abschnitten von etwa zehn Zentimetern an. Im Anschluss werden Stahlteile unter die Ecken des angehobenen Trägerturms geschoben und die Pressen höher positioniert, um wieder ein Stück zu heben.

Ausgesägte Teile „schweben“

Schließlich werden die beiden herausgesägte Stücke etwa zwei Meter über den Straßenanschlüssen „schweben“ – genügend Abstand, um einen „Schlitten“ einzuschieben, der die ausgesägten Teile trägt. Auf diesem „Schlitten“ wird zuerst das Teil von der Friedrich-Engels-Straße in Richtung Horstweg gezogen, dann das über der Bahn.

Eine Vollsperrung sowohl der Bahnlinie als auch der Friedrich-Engels-Straße ist für Freitag, 28. Februar bis Montag, 2. März, geplant: Das ist die Zeit des Trennens und Verschiebens.

Inwendig rosten die Stahlglieder

Die 1978 für den Betrieb freigegebene Spannbetonbrücke war nach Auskunft von Dezernatsleiter Frank Schmidt im Landesbetrieb Straßenwesen zur Bauzeit sehr fortschrittlich, doch die Stahlgliederbündel im Inneren seien nass geworden und verrostet. „Das reißt im schlimmsten Fall auf einen Schlag“, sagt Schmidt. „Und dann stürzt die Brücke ein wie die in Genua.“ Eine Reparatur wie an der Humboldtbrücke als zweitem Havelübergang von Potsdam war hier nicht mehr möglich.

Kosten und Zeitplan

Die Bauarbeiten an der Hochstraßenbrücke haben Ende Oktober begonnen. Die Fertigstellung ist im Oktober 2022 geplant.

Abgerissen und durch Neubau ersetzt wird neben der Hochstraßenbrücke selbst, die aus zwei Brücken besteht, auch die Brücke über den Neuendorfer Anger. Sie grenzt im Abstand von 100 Metern an die Hochstraßenbrücke und ist ebenfalls marode.

Das Projekt kostet rund 30 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln für den Bau von Landestraßen.

30 Millionen Euro sind für den Abriss und den Neubau der beiden nebeneinander liegenden Brücken eingeplant. Der Neubau beginnt noch im April und soll binnen drei Jahren abgeschlossen sein.

Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) startet das Großprojekt offiziell am kommenden Freitag. Die Brücke hat in jede Richtung nur 7,50 Fahrbahnbreite; sie wird täglich von mehr als 60.000 Kraftfahrzeugen passiert. Die parallelen Brücken werden nun um eine Standspur verbreitert; dann werden sich die Schnellstraßenbrücken und die Ab-und Auffahrrampen fast berühren, während sie jetzt noch einen deutlichen Abstand haben.

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Von Rainer Schüler

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