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Potsdam Schockwellen in Werder
Lokales Potsdam Schockwellen in Werder
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18:57 27.09.2013
Ein Modell der Werderaner Blütentherme. Quelle: Archiv
Potsdam/Werder

Schockwellen löste die damit verbundene Nachforderung des Thermen-Investors, der Kristall Bäder AG, aus. Wie berichtet, soll die Blütenstadt zusätzliche 900.000 Euro für den Bau zahlen. "Wir sind erschrocken, erstaunt und auch empört", sagte Renate Vehlow, Linke-Fraktionschefin in Werders Stadtverordnetenversammlung. Noch zum Richtfest vor zwei Monaten habe Heinz Steinhart, Aufsichtsratschef der Kristall Bäder AG, gesagt, Werder werde nicht zusätzlich belastet, so Vehlow. Die Nachforderung empfinde sie als "Erpressung": "Der Bau steht und wir wollen ja, dass die Therme fertig wird."

Werders SPD-Chef Robert Dambon sagte: "Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Noch beim Richtfest wurde es standhaft geleugnet, nun ist klar: Das Bad wird noch teurer und die Bauzeit verlängert sich weiter." Dambon hält das Vertrauensverhältnis zwischen Stadtverordneten und Werders Rathausspitze für schwer gestört. "Jetzt aber das Potsdamer Bad dafür verantwortlich zu machen, wie es der Investor tut, ist wenig glaubwürdig." Wie berichtet, hatte Steinhart den Kostensprung in einem Schreiben an Bürgermeister Werner Große (CDU) mit dem Konkurrenzdruck des geplanten Sport- und Freizeitbades am Potsdamer Brauhausberg begründet. Die Kristall-Blüten-Therme müsse deshalb "aufwendiger, attraktiver und schöner" werden.

Die Stadt Werder lässt jetzt von einem Anwalt prüfen, ob die Nachforderungen der Kristall Bäder AG berechtigt sind oder nicht. "Das Prüfergebnis werden wir den Stadtverordneten mitteilen und festlegen, wie wir weiter verfahren", sagte Große gestern der MAZ. Geprüft wird, ob aus dem Vertrag, den Werder und die Kristall Bäder AG abgeschlossen haben, Ansprüche gegenüber der Blütenstadt ableitbar sind. Die vertrauliche Vereinbarung soll Klauseln enthalten, die festlegen, in welchen Fällen die Stadt finanziell einzuspringen hat. "Wir können noch nicht sagen, ob dies hier der Fall ist", sagte Große.

Für SPD-Mann Dambon wäre es der eigentliche Skandal, wenn Vertragsklauseln die Nachforderungen möglich machen. "Bisher hieß es immer, nur wenn die Stadt die Mehrkosten verschuldet hat, muss sie dafür einstehen", so Dambon, der hinzufügte: "Es gibt hier noch viele Fragezeichen. Wir wollen hoffen, das wir damit nicht baden gehen." Steinhart sagte der MAZ: "Wir übernehmen alle Mehrkosten, außer die Dinge, die vertraglich die Stadt zu leisten hat."

Laut Steinhart steht im Vertrag, dass etwa Kosten, die durch Bauverzögerungen, durch Behördenauflagen oder durch widrige Bodenbeschaffenheit verursacht wurden und die die Kristall Bäder AG nicht zu verantworten habe, zu Lasten der Stadt gehen. Das würde insgesamt sogar 3,6 Millionen Euro betreffen. Das Unternehmen fordere aber nur 900 000 Euro von der Stadt. Die Mehrkosten zur attraktiveren Gestaltung der Therme bezeichnete er als "unser Bier, weil wir da auch die Nutznießer sind". Die Kristall Bäder AG wolle vier bis fünf Millionen Euro zusätzlich aus der eigenen Tasche in die Therme investieren. Den für Dezember angekündigten Eröffnungstermin der Therme hält Steinhart für gefährdet, wenn es mit Werder keine Einigung gibt.

Dambon fordert die Stadtverwaltung auf, "die Auswirkungen und tatsächlichen Gründe der Preissteigerung bei der Blütentherme transparent zu benennen".

Befremden lösten Äußerungen Steinharts zum Potsdamer Bad aus. Anders als von ihm behauptet, ist eine "Vergabe an die Architekten" überhaupt noch nicht erfolgt. Die Stadtwerke verhandeln derzeit parallel mit drei Büros. Der Generalplanervertrag mit einem der Büros kann erst nach Bestätigung des Potsdamer Hauptausschusses abgeschlossen werden. Steinharts Behauptung, bei Potsdam müsse "von einem Bauvolumen von mindestens 50Millionen Euro ausgegangen werden", wurde von Potsdams Rathaussprecher Stefan Schulz als "Zahl aus der Welt des Märchens" zurückgewiesen: "Nach jetzigem Stand soll das Potsdamer Bad inklusive Infrastrukturkosten etwas über 30 Millionen Euro kosten." Nach Ansicht von Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg sind 50Millionen Euro "Quatsch". Potsdams SPD-Fraktionschef Mike Schubert wollte sich nicht zu "Spekulationen äußern. Nur so viel: Diese Zahl ist durch nichts untersetzt". Mit Blick auf den von Steinhart überraschend geltend gemachten Konkurrenzdruck verwies Schubert darauf, dass das Potsdamer Bad "immer in der Planung des Landes" stand: "Hätte Potsdam entschieden, dass Bad im Norden zu bauen, wäre dies für die Therme in Werder sicher schwieriger geworden."

Von Jens Steglich und Volker Oelschläger

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