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Potsdam Schöffe gestorben: Giftbrei-Prozess geplatzt
Lokales Potsdam Schöffe gestorben: Giftbrei-Prozess geplatzt
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14:40 27.04.2018
Der Giftmordprozess am Potsdamer Landgericht ist geplatzt. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Der Giftbrei-Prozess am Potsdamer Landgericht ist geplatzt. Grund ist der Tod eines der beiden Schöffen. Der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter teilte den Prozessbeteiligten am Montagmorgen im Gerichtssaal mit, dass der 67-Jährige am Wochenende völlig unerwartet gestorben ist. Das Verfahren muss nun komplett von vorn aufgerollt werden. Das bedeutet, alle Zeugen – auch die Mutter des getöteten Kleinkindes – müssen noch einmal aussagen. Wann der Prozess neu angesetzt wird, steht allerdings noch nicht fest. „Die Terminlage der Kammer ist aufgrund der Vielzahl an Schwurgerichtsverfahren, die zu behandeln sind, derzeit mehr als angespannt“, sagte Horstkötter. Die Verhandlung werde also „nicht ganz unmittelbar, aber so schnell wie möglich“ neu angesetzt.

„Wir sind betroffen von der Nachricht und denken an die Familienangehörigen, denen wir unsere aufrichtige Anteilnahme mitteilen möchten“, sagte Horstkötter. „Wir werden nun noch einmal neu beginnen mit einer neuen, vollständigen Besetzung – mehr kann ich an dieser Stelle und in dieser traurigen Minute nicht mitteilen.“

Angeklagt ist der in Untersuchungshaft sitzende 37-jährige Ricardo H. Er soll im März 2014 den anderthalbjährigen Sohn seiner damaligen Lebensgefährtin vorsätzlich mit einem tödlichen Medikamentencocktail vergiftet haben. Nachdem die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage vergangene Woche auf Lebenslang wegen Mordes plädiert und zudem die Feststellung der besonderen chwere der Schuld gefordert hatten, war für Montagmorgen die Schlussbemerkung der Verteidigung erwartet worden. Das Urteil sollte am Donnerstag fallen.

Vor allem die Mutter des kleinen Jungen, die im Prozess als Nebenklägerin auftritt, traf das plötzliche Aus hart – die 30-Jährige brach noch im Verhandlungssaal in Tränen aus. „Diese Entwicklung ist eine Katastrophe und für meine Mandantin sehr, sehr tragisch“, sagte Rechtsanwältin Betül Gülsen. „Meine Mandantin hatte gehofft, dass diese schlimme Geschichte jetzt einen Abschluss findet. Sie wollte das alles mit diesem Jahr endlich hinter sich lassen und der Gedanke daran, dass das nun nicht möglich ist und sie zudem alles erneut durchstehen muss, ist extrem belastend. Ich hoffe, dass sie mit der Unterstützung ihrer Familie über die Weihnachtstage ein wenig zur Ruhe kommen kann.“

So etwas habe er noch nicht erlebt“, sagte Staatsanwalt Peter Petersen sichtlich bestürzt. Petersen gilt als harter Ankläger in den härtesten Fällen: „Das ist ein trauriger Tag.“

Auch den Angeklagten Ricardo H. nahm die Nachricht deutlich mit. „Die Belastung ist für ihn ähnlich hoch wie für die anderen Verfahrensbeteiligten“, sagte Verteidiger Christoph Balke. „Auch wenn meinem Mandanten nicht das Wohlwollen entgegen gebracht wird wie der Nebenklägerin, gilt für ihn doch die Unschuldsvermutung – und auch er wollte eine Entscheidung haben.“ Die Beweisaufnahme noch einmal zu erleben, sei für seinen Mandanten „natürlich Stress“, so Balke. „Immerhin geht es dabei auch darum, was für ein kranker und manipulativer Mensch er ist.“

Ricardo H. ist mehrfach vorbestraft. Unter seinen 18 Eintragungen im Bundeszentralregister finden sich vor allem Betrugsfälle. Der psychiatrische Gutachter hatte ihm theatralische und narzisstische Tendenzen bescheinigt, aber keine massive Persönlichkeitsstörung. Er gilt als voll schuldfähig. Staatsanwalt Peter Petersen nannte ihn „ein Brüderchen der Brüder Grimm“. Er sei „ein Märchenerzähler, ein Lügner, Betrüger, Manipulator“. Alles, was er tue, diene der eigenen Trieberfüllung: „Andere Menschen sind ihm völlig gleichgültig. Er ist ein Egomane.“

Ricardo H. bestreitet die Tat derweil nach wie vor. „Er sagt, dass er dem Kind die Medikamente nicht gegeben hat“, so Balke: „Ich hätte heute auf Freispruch plädiert.“ Er wolle nun zumindest überprüfen, ob sich etwas gegen den Haftbefehl machen lässt.

Von Nadine Fabian

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