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Potsdam Schönheitskur für Friedrichs Bett
Lokales Potsdam Schönheitskur für Friedrichs Bett
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12:49 01.09.2017
Restauratorin Sabrina Müller entwirrt die Fransen an den Lambrequins, den Zierbehängen aus goldener Seide und silbernen Schmuckelementen. . Quelle: Bernd Gartenschläger
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Sanssouci

Oft hat Friedrich I. wohl nicht darin genächtigt. Das Paradebett des ersten Preußenkönigs hatte eine wichtigere Funktion. „Es war nicht zum Schlafen gedacht, sondern diente zur Repräsentation“, erklärt Susanne Evers, Kustodin für Textilien bei der Schlösserstiftung. Als Prunkbett im Paradeschlafzimmer des Königs stellte es einen der Höhepunkte bei einem Besuch anderer Adliger dar. Alle paar Monate oder Jahre hatte es zudem eine weitere, wichtige Funktion: Im Paradebett sollte die Zukunft der Dynastie gesichert werden. „Nach dem Fackelzug als Abschluss einer Hochzeit wurde das Brautpaar von den Gästen dort hinein gebracht“, berichtet Evers. Einige Schriften überliefern sogar, dass die Gäste das Paar vor Ort auszogen, bevor sie den Raum verließen. „Über den Rest schweigt die Geschichte aus Höflichkeit“, sagt Evers, „aber wir können uns denken, was passierte.“

Ob tatsächlich Fürsten, Prinzen oder Könige darin gezeugt wurden, weiß heute niemand. Auch nicht, wie bequem der Schlaf im Paradebett war. „Das können wir anhand der königlichen Inventarlisten nur mutmaßen“, sagt Restauratorin Nadja Kuschel. Zwei große Matratzen, die man mit Futons vergleichen könnte, lagen übereinander darin. Die Füllung ist ein weiteres Geheimnis, das Auftraggeber König Friedrich I. ebenso mit ins Grab nahm wie sein Enkel, der Alte Fritz, der das Paradebett nach dem Siebenjährigen Krieg originalgetreu wiederherstellen ließ.

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Handgewebter Leinenbezug und Palmfaserfüllung: Sie haben sich frisch vermählte Könige und Fürsten mit ihren Gattinnen im 18. Jahrhundert gebettet. Quelle: Bernd Gartenschläger

Dass sie viele Details nicht kennen, macht die Arbeit der Restauratoren der Schlösserstiftung nicht leicht. „Wir haben uns für eine Füllung mit Palmfasern entschieden“, sagt Nadja Kuschel. Die Räume in der Potsdamer Werkstatt für Textilrestaurierung, in denen die beiden nachgebildeten Matratzen lagern, riechen deshalb nach Heu und halten praktischerweise auch noch Motten fern. Die etwa 50 Kilogramm Palmfasern wurden in einen handgewebten Leinenbezug gestopft – und das zwei Mal. „Viel Arbeit für unseren Polsterer", berichtet Nadja Kuschel, aber das möglichst originalgetreue Nachbilden des einstigen Paradebettes hat höchste Priorität bei den Arbeiten der Restauratoren.

An solche alten Objekte Hand anlegen zu dürfen, ehrt sie, berichtet Kuschels Kollegin Sabrina Müller. Die 33-jährige Restauratorin arbeitet seit mehreren Tagen an den Lambrequins des Paradebettes. Die Zierblenden aus goldenem Stoff und Verzierungen mit eingearbeitetem Silber sind besonders gut erhalten. „Das ist außergewöhnlich, weil die Textilien zu den schwächsten Teilen des Bettes gehörten“, erklärt Nadja Kuschel.

Die mit Silber besetzten Fransen sind korrodiert und werden zum Schutz der Metallelemente nicht gewaschen, sondern nur angefeuchtet. Insektennadeln halten sie in Form. Quelle: Bernd Gartenschläger

Müller entwirrt die Fransen der Lambrequins. Mit Wasserdampf werden sie geglättet und bleiben dann – hoffentlich noch viele Jahre lang – in ihrer ursprünglichen Form. Werden sie zu nass, schadet Sabrina Müller dem Objekt. Denn die dünnen Seidenfasern sind mit nicht weniger dünnem, echtem Silber umwickelt. Eine Stunde braucht Sabrina Müller für 20 Zentimeter Fransen. Insgesamt zehn Lambrequins werden noch bis Oktober in Potsdam restauriert. „Wir sind oft die Einzigen, die solche alten Stücke so intensiv erleben dürfen“, sagt Müller.

Wenn die Bettbehänge, Paradedecken, Bezüge und Schmuckelemente wiederhergestellt sind oder zumindest als Kopien fertig vorliegen, wandert das Paradebett von Friedrich I. zurück nach Berlin in das Paradeschlafzimmer im Schloss Charlottenburg, wo bereits eine Nachbildung des einstigen Holzgestells bereit steht. „Dort wird es wieder im neuen, alten Glanz erstrahlen“, sagt Kustodin Susanne Evers. Bis es soweit ist, werden wohl noch knapp zwei Jahre vergehen. Ab 1. Oktober sind zumindest die ersten Teile des Paradebettes aber schon vor Ort zu sehen, darunter beispielsweise die Matratzen mit Planfaserfüllung. „Sie ohne die noch nicht fertig restaurierten Bezüge und Paradedecken auszustellen, ist selten“, sagt Evers.

Von Victoria Barnack

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