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Potsdam Kiesbeete in Potsdam: Gartenkunst oder Verschandelung?
Lokales Potsdam Kiesbeete in Potsdam: Gartenkunst oder Verschandelung?
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13:14 09.07.2019
Schottervorgarten in der Brandenburger Vorstadt. Quelle: Varvara Smirnova
Potsdam

Dürfen Vorgärten mit Steinen gestaltet werden? Darüber entbrennt gerade eine Diskussion in Potsdam. Unsere Autoren haben beide Seiten beleuchtet.

Lesen Sie auch: Steiniges Potsdam - Gärtnern mit dem grauen Daumen

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Pro: Alexander Engels findet, dass da mit Kanonen auf Bienchen geschossen wird.

Die A 10 ist auf acht Spuren erweitert, das Bornstedter Feld hektarweise bebaut und der gesamte neue Alte Markt in purem Langeweile-Grau bepflastert worden – aber gekieste Potsdamer Vorgärten entscheiden nun über Wohl oder Wehe des Stadtklimas?! Da wird doch der Rasentraktor von hinten aufgezäumt.

Über die Ästhetik solcher Grau-Schotter-Flächen lässt sich streiten – da gehen die Geschmäcker eben auseinander. Aber gleich die Umwelt-Keule schwingen? Wenn es um Stadtökologie geht, werden stadtplanerisch bis heute große Schäden angerichtet. Man denke beispielsweise an die Großbauprojekte rund um den Hauptbahnhof. Zwischen Hotels, Landesbank und Mega-Digitalzentrum bleibt nur ein Zipfelchen Grün übrig, das als – ökologisch relativ minderwertiger – Park angepriesen wird. Das hilft auch den Bienenvölkern von der Staatskanzlei nicht.

Stattdessen werden Vorgärten mit Kies-Arrangements nun zum Thema im Stadtparlament. Wer Rasen sät oder Buchsbäume setzt, bietet vielleicht dem Auge etwas – aber nicht der Natur. Und eine Wildblumenwiese macht längst nicht auf jedem Quadratmeter zwischen Gehweg und Wohnzimmerwand Sinn. Also: Lasst den Potsdamern Freiheit in ihren Vorgärten!

Garten am Klinikum „Ernst von Bergmann“ in Potsdam. Quelle: Peter Degener

Contra: Peter Degener hat keine Lust auf Rasenmähen, will aber auch nicht das Laub aus Steinen harken.

In manchen barocken Gärten kann man die Kunst der „Broderie“ noch bestaunen. Aus kleinen, flach geschnittenen Hecken werden große, geschwungene Ornamente gestaltet. Die grünen Bilder wirken auch aus der Ferne, weil die Zwischenräume anstelle mit Erde mit farbigen Steinchen ausgefüllt sind. Wie eine Stickerei soll das wirken. An diese aufgeräumten Partien schließen sich dann üppige Gartenreiche an.

Ist diese Ästhetik vergleichbar mit der grauen Tristesse mancher Vorgärten? Kein Ornament, keine Blüte, kein Pflegeaufwand? Die Kiesflächen erzeugen zunächst einen aufgeräumten Eindruck. Dorthin verirrt sich keine Biene. Auch ich selbst würde dort höchstens mein Rad abstellen, nicht aber meine Freizeit verbringen – geschweige denn in diesem Garten arbeiten wollen. Und das vergisst mancher wohl: Das Gärtnern ist nur aufgeschoben. Auch hier muss gejätet und geharkt werden. Wer damit kein Problem hat, sollte bei der Gestaltung in Betracht ziehen, welche andere Arbeit noch an den bunten Steinchen hängt.

Nur selten stammen sie aus heimischen Steinbrüchen, sondern häufig aus Indien oder China. Unter welchen Bedingungen sie dort abgebaut werden, will ich mir nicht ausmalen – schon gar nicht, wenn ich meinen Garten genießen will.

Von Peter Degener und Alexander Engels

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