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Potsdam Film-Doku über Abriss der Potsdamer Fachhochschule braucht Geld
Lokales Potsdam Film-Doku über Abriss der Potsdamer Fachhochschule braucht Geld
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15:11 08.08.2019
Im Jahr 2018 wurde die FH Potsdam abgerissen. Dazu gibt es eine Filmdokumentation. Quelle: privat
Innenstadt

Der Abriss der alten Fachhochschule (FH) im Potsdamer Stadtzentrum wurde über Jahre kontrovers diskutiert. Das prägende DDR-Gebäude wurde einerseits verbissen verteidigt und besetzt, von anderen aber als Fremdkörper empfunden und schließlich im vergangenen Sommer abgerissen, um einer neuen, kleinteiligeren Bebauung zu weichen.

Filmtitel: „Schrott oder Chance?“

„Schrott oder Chance? Ein Bauwerk spaltet Potsdam“ heißt ein Filmprojekt von drei Potsdamer Filmschaffenden, das die Debatte um die FH und ihren letztendlichen Abriss dokumentieren will. Die Aufnahmen sind inzwischen gemacht. Doch damit der Film tatsächlich entstehen kann, sammeln die Macher ab sofort Geld über die Unterstützer-Plattform Startnext.com.

Die Filmemacher Elias Franke, Christian Morgenstern und Kristina Tschesch.vor einem der Sternelemente der FH. Quelle: Manuela Clemens

„Wir haben seit 2017 quasi ehrenamtlich gedreht, denn irgendwann wäre das Haus sonst verschwunden sein. Aber wir benötigen Geld für Schnitt, Musik, Werbung und auch Archivmaterial, um den Film fertigstellen zu können“, erklärt Kristina Tschesch. Gemeinsam mit Elias Franke und Christian Morgenstern hat sie die letzten Aufnahmen im Inneren des noch von Studenten belebten Hauses im Frühsommer 2017 gedreht.

Nur wenige Tage später war das Trio, das als „414 Films“ auch Produktionen für den öffentlichen Rundfunk dreht, bei der Besetzung des Hauses und der Solidaritätsbekundung auf dem Platz davor dabei bis die Akkus leer waren. Sie haben die Abnahme der charakteristischen Stern-Elemente von der Fassade gefilmt und den Rückbau bis hin zur riesigen Brache, die derzeit die Mitte prägt.

Interviews mit Gegnern und Befürwortern des FH-Abrisses

„Der Film hat eine Haltung“, gibt Christian Morgenstern freimütig zu, aber „es ist kein Aktivistenfilm. Wir haben nicht nur Befürworter begleitet“. „Die FH-Debatte ist exemplarisch für die Potsdamer Stadtentwicklung. An der Auseinandersetzung um den Bau wird die Frage gestellt, in was für einer Stadt wir leben wollen“, erklärt Kristina Tschesch.

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Neben den Aufnahmen vor Ort haben sie Interviews mit zahlreichen Protagonisten geführt, um alle Argumente der Kontroverse festzuhalten. Der damalige Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), Mitteschön-Aktivist Ulrich Zimmermann oder der FH-Architekturprofessor Ludger Brands werben für den Abriss des „Schrotts“, während der Mitbegründer der Initiative „Stadtmitte für alle“, André Tomczak, oder der Architekturhistoriker Christian Klusemann in dem Haus eine „Chance“ für Potsdam sehen.

Im vergangenen Jahr wurde die Fachhochschule abgerissen. Der Rückbau begann mit der Demontage der FH-Sterne von der Fassade. Quelle: 414films

Insgesamt 10.000 Euro wollen „414 Films“ einsammeln. Zusätzlich hat die Stadtverwaltung das Projekt im Rahmen über ihren kulturellen Projektfonds umfangreich gefördert. Die Filmemacher suchen nicht nur finanzielle Unterstützer. Neben Archivmaterial des Stadtarchivs, des Potsdam-Museums und auch aus dem Fotoschatz der MAZ wollen sie zudem private Aufnahmen von Potsdamern in den Film einbauen. „Gerade bewegte Bilder aus DDR-Zeiten wären sehr wertvoll für uns“, erklärt Franke.

Crowdfunding-Kampagne läuft bis zum 5. September

Sie machen auch klar: „Wenn wir unser Finanzierungsziel nicht erreichen, werden unsere Aufnahmen nicht umsonst gewesen sein, doch nur mit der Crowdfunding-Kampagne können wir den Film so gestalten, wie es das FH-Gebäude und die daran angeknüpfte Debatte verdient hätten“, sagt Tschesch. Bis zum 5. September läuft die Kampagne – ein historisches Datum, denn am 5. September 1977 wurde das Gebäude als „Institut für Lehrerbildung“ seiner Bestimmung übergeben.

„Kehraus“-Aktion vor der Fachhochschule im Oktober 2017. Quelle: Christel Köster

Während die drei an ihrem Film arbeiten, werden sie beinahe von der Stadtentwicklung eingeholt. In ihrem Büro im vierten Stock des Rechenzentrums sind die Bagger und Maschinen zu hören, die gerade die Rechnerhalle nebenan schleifen. Auch dort sammeln sie Eindrücke. Über die Umnutzung des Rechenzentrums zu einem Kreativhaus haben sie bereits zwei Filme gedreht.

Premiere im Filmmuseum geplant

Die Filmaufnahmen sind gemacht. Derzeit erfolgt die Postproduktion mit Sichtung von Archivmaterial über das frühere Fachhochschul-Gebäude im Stadtzentrum, Musik und dem eigentlichen Schnitt.

Die Premiere von „Schrott oder Chance?“ soll am 29. Oktober im Filmmuseum stattfinden.

Wer das Projekt finanziell unterstützen will, kann das bis 5. September unter www.startnext.com/schrott-oder-chance.

Potsdamer, die Foto- oder Videomaterial beisteuern wollen, das in den Film Eingang finden soll, können die Filmemacher unter der Mail-Adresse crowdfunding@414films.de kontaktieren.

„Die Fachhochschule hat einen Diskurs entfacht, der noch nicht vorbei ist. Öffentliche Räume werden knapper, die Bedürfnisse danach wachsen“, sagt Elias Franke und verweist auf das „Minsk“ am Brauhausberg oder das Rechenzentrum. Die Frage, die der Filmtitel aufwirft, müsse man sich auch nach dem Abriss der FH immer wieder stellen.

Von Peter Degener

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