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Potsdam So wehren sich die letzten Kleingärtner im Angergrund
Lokales Potsdam So wehren sich die letzten Kleingärtner im Angergrund
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00:23 30.03.2019
Angergrund-Vereinschef Andreas Fischer auf seiner neuen Parzelle. Quelle: Volker Oelschläger
Babelsberg

Die Gemengelage in der umkämpften Gartensparte Angergrund erinnert an ein berühmtes Dorf: „Ganz Gallien ist von den Römern besetzt... Ganz Gallien? Nein.“ 21 Gartenpächter haben im Konflikt mit der Immobiliengesellschaft Tamax zum Jahreswechsel die Schlüssel abgegeben. Für die letzten drei endet die Frist nach einem Vergleich am 31. März: „Bis Sonntag darf ich noch auf das Grundstück, dann ist Sense“, sagt der Vereinsvorsitzende Andreas Fischer (56).

Zu Ende ist die Geschichte der Sparte damit aber noch nicht. Denn mitten auf dem Gelände, von den Tamax-Grundstücken quasi in Hufeisenformation umfasst, befinden sich sechs Kleingärten auf einem Grundstück, das einer Erbengemeinschaft gehören. Und die wolle „nicht verkaufen“, sagt Fischer. Den letzten versprengten Resten des Vereins verschafft das noch ein bisschen Zeit.

Auch der Vorsitzende ist weiter dabei, der das Grundstück von jungen Leuten übernahm, das an der Michendorfer Chaussee einen Garten in weniger schroffer Umgebung fanden. „Sie wollten sich den ganzen Stress nicht antun“, sagt Fischer.

Denn zu schaffen macht den Letzten im Angergrund nicht nur die unklare Zukunft: Schon seit 2017 hätten sie keinen Wasseranschluss mehr, sagt Fischer, und seit dem Jahreswechsel sei auch die Stromzufuhr gekappt. Doch „mein Plan ist es, vor Ort zu bleiben und das Beste draus zu machen“, sagt der Vorsitzende, mit Wasser aus der Erde und Solarstrom vielleicht.

500 Wohnungen will die Tamax nach ihren bisherigen Planungen auf 2,3 Hektar zwischen der Diesel- und der Nutheschnellstraße errichten. Sie hat zwar das Land erwerben können, aber bislang kein Baurecht für das Projekt.

Die Rettung der Kleingartensparte, die von anfangs rund 40 auf nunmehr sechs Parzellen geschmolzen ist, wurde zu einem Thema, das die Stadtpolitik auf seltene Weise einigen sollte: Linke, SPD, CDU/ANW, Grüne, Andere und Bürgerbündnis/FDP brachten im September 2018 gemeinsam einen Antrag auf Sicherung der „Grünfläche –Dauerkleingärten“ ein: „Spekulationen auf eine künftige bauliche Nutzung entbehren jeglicher realistischen Grundlage“, hieß es in dem Beschluss.

Im Dezember verabschiedeten die Stadtverordneten den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan, mit dem das Gelände dauerhaft als Kleingartenanlage festgeschrieben werden soll. In der letzten Januartagen rückten Bauarbeiter und ein Bagger an und begannen mit dem Abriss.

Doch dann verhängten die Stadtverordneten eine Veränderungssperre. Seitdem geht nichts mehr. Hinter dem Gartenzaun gähnt vorn am Hauptweg ein apokalyptisches Stillleben mit fensterlosen Lauben, Schutthaufen und Schlamm.

Anfang März beauftragten die Stadtverordneten die Verwaltung mit Verhandlungen. Die Patt-Situation nach der Veränderungssperre helfe weder Tamax noch den Kleingärtnern, argumentierten die Linken, die den Antrag gestellt hatten. 

Ziel der Gespräche sollte ein „Kompromiss zum dauerhaften Erhalt von zumindest dem größeren Teil der Kleingartenflächen sein“. Auf SPD-Antrag wurde der Text verschärft: Ziel ist nun ein Kompromiss „zum dauerhaften Erhalt der Kleingartenflächen“.

Rathaus und Tamax bestätigten auf MAZ-Anfrage „gegenwärtig laufende Gespräche“, so Tamax-Anwalt Detlef Schulz, verwiesen aber statt weiterer Auskünfte auf „vereinbarte Vertraulichkeit“.

„Wir gehen davon aus, dass es Möglichkeiten für eine Kompromisslösung geben kann“, sagte Rathaussprecherin Christine Homann. Laut Stadtverordnetenbeschluss soll im April im Hauptausschuss über den aktuellen Stand berichtet werden.

Kleingärtner Andreas Fischer zeigt von seiner neuen Parzelle auf das Nachbargrundstück: „Bei den Kirschbäumen ist schon Tamax“, sagt er. Sein Wunsch sei es, dass die Politiker einmal in den Angergrund kommen, um sich ein eigenes Bild von der Lage zu verschaffen.

Von Volker Oelschläger

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