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Potsdam Rettungsplan für den „Seekrug“ aufgeschoben
Lokales Potsdam

Seekrug in Potsdam: Zukunft weiter ungewiss

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19:29 25.04.2021
Geschlossener Seekrug in Potsdam-Pirschheide.
Geschlossener Seekrug in Potsdam-Pirschheide. Quelle: Julius Frick
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Potsdam

Eine Wiederbelebung des Traditionsrestaurants Seekrug am Templiner See ist erneut aufgeschoben. Letzte Meldung der Stadt war die Ankündigung einer „Nutzerkonferenz“ zur Klärung möglicher Optionen. Die sollte spätestens im Januar 2020 stattfinden – steht aber bis heute aus, ohne dass es einen Termin gäbe.

„Eine Nutzerkonferenz zu dem Gebäude erfolgte bisher nicht“, hat das Rathaus jetzt auf Anfrage des Stadtverordneten Sascha Krämer (Linke) mitgeteilt. Zunächst sei der Bedarf der „verschiedenen Akteure vor Ort“ abgefragt worden. In der Nutzerkonferenz als „Strategietag“ sollten „konkrete Planungsziele entwickelt“ werden. 

Strategietag wegen Corona verschoben

Wegen der Corona-Pandemie habe der Strategietag jedoch „wiederholt verschoben werden“ müssen und fand bisher nicht statt. Auch die Diskussion mit den beteiligten Sportlern pausiert: Die vor Ort trainierenden Rudervereine hätten ihren Bedarf signalisiert, so die Stadt auf Krämers Anfrage. Weitergehende Gespräche habe es mit Blick auf den „avisierten Strategietag“ nicht gegeben.

Das denkmalgeschützte Restaurant Seekrug wurde 1925 als Ausflugsgaststätte errichtet. Zunächst hatte man von dort einen 180-Grad-Weitblick auf den Templiner See. Seit dem Bau der Eisenbahnbrücke für die „Sputnik“-Züge des Berliner Rings in den 1950er-Jahren steht das markante Fachwerkhaus etwas im Schatten des gleich nebenan dafür aufgeschütteten Damms.

Eine Reihe verlorener Traditionslokale

Seit 1950 wird das Gelände auch von den Potsdamer Ruderern genutzt, die den Komplex  mit diversen Anbauten ergänzten, darunter mehrere Bootshallen sowie Kraft- und Gymnastikräume.

Der letzte Pächter des „Seekrugs“ hatte 2013 aufgegeben. Seither steht das Haus am Wasser in einer Reihe mit einer Vielzahl von seit der Wende ’89 geschlossenen Traditionslokalen in Potsdam. 

Zu den geläufigsten Namen zählen das Waldschlösschen und der Ratskeller in Babelsberg, der Bürgershof in Klein Glienicke, der Keiler in Waldstadt I, der   Klosterkeller und der Froschkasten in der Potsdamer Innenstadt. Auch das nur wenige 100 Meter vom Seekrug entfernte Restaurant Stadtheide mit seinem lieblichen Biergarten fiel vor einigen Jahren unter die verlorenen Adressen. 

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Dass der Seekrug im Gegensatz zu vielen anderen geschlossenen Gastwirtschaften immer wieder einmal in den Fokus der Kommunalpolitik gerät, erklärt sich mit der doppelten Präsenz als Ausflugsort und als Stätte des Leistungssports. 

„Niemand hat  die Absicht, ...“

Gerüchten über eine anderweitige Verwertung der Immobilie begegnete der damalige Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) Anfang 2018 vor den Stadtverordneten mit der festen Zusage: „Niemand hat die Absicht, den Seekrug abzureißen.“ Er ergänzte: „Wir wollen es gern als  Restaurant erhalten.“

Jakobs Nachfolger Mike Schubert (SPD) bekräftigte im August 2019: „Ein Verkauf des Seekrugs steht nicht zur Debatte.“ Seine Zusicherung kam beim bislang letzten öffentlichen Treffen von Verwaltungsspitzen, der zur kommunalen Pro-Potsdam-Holding zählenden Luftschiffhafen GmbH als Grundstückseigentümerin und Vertretern des Rudersports, auf dem auch jene baldige „Nutzerkonferenz“ für einen „Neustart“ vereinbart worden war. 

Ruderer warnen vor Verkauf

Die Potsdamer Rudergesellschaft  warnte dort vor Verwertungsinteressen: „Die Politik will hier nicht investieren, sondern verkaufen und das Leistungszentrum im Luftschiffhafen ansiedeln“, sagte der Vereinsvorsitzende Harald Wujanz, „der übrige Rudersport interessiert die nicht.“ Schubert widersprach. 

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Eine Sanierung des Seekrugs würde nach damaligen Angaben vier Millionen Euro kosten. Für die künftige Nutzung wurden auf dem Treffen fünf Varianten skizziert – von der puren Reaktivierung des Seekrugs als Restaurant mit Bootshaus bis zur Öffnung des Geländes für eine seit langem geforderte Badestelle für Potsdam-West. 

In der Antwort an Krämer verweist das Rathaus auch auf das laufende Werkstattverfahren zur Fortschreibung des „Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes“ (Insek) bis zum Jahr 2035 als neuem Zielpunkt. Der Bereich um den Seekrug werde im Entwurf des Insek als „Fläche mit Nutzungspotenzialen für Kultur sowie Wasserzugang/Wassersport“ definiert. In den Unterlagen zum Insek wird unter dem Stichwort „Seekrug/Pirschheide“ auf „Vorbereitende Untersuchungen“ zum Gesamtareal rings um den Bahnhof Pirschheide verwiesen, auf dem mittelfristig ein neuer Stadtteil entstehen könnte. 

Krämers Kommentar: „Schon wieder sind zwei Jahre ohne nennenswertes Ergebnis vergangen. Ein Trauerspiel.“ 

Von Volker Oelschläger