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Potsdam Fähre muss pausieren wegen Seilschaden
Lokales Potsdam Fähre muss pausieren wegen Seilschaden
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12:59 03.03.2019
Die Fähre F1 ist alles andere als Formel 1: Derzeit macht sie wieder mal Zwangspause am Kiewitt. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Brandenburger Vorstadt

Still ruht der See: Die Fähre Hermannswerder pausiert mal wieder. Nach den Unfällen am 20. August 2018 und am 4. Februar 2019 sah sich der Verkehrsbetrieb in Posdam (Vip) gezwungen, die Fähre F1, die einzige in Potsdam, stillzulegen und eine Lösung für die Probleme mit dem Fährseil zu finden. Das liegt fast oder ganz auf dem Grund der Havel, wird von der Fähre aber immer hochgezogen, wenn sie sich ans Ufer gegenüber zieht.

Dabei ist es in den vergangenen Jahren etliche Male zu Unfällen gekommen: Boote und Binnenschiffe kollidierten mit dem Zugseil, was zu Schäden an der Fähre führte. Die Vip wurde nun am 26. Februar vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Brandenburg aufgefordert, vor der nächsten Inbetriebnahme nachzuweisen, dass die Fährseile die passierende Schifffahrt nicht gefährden oder schädigen, wenn die Fähre an einem Ufer angelegt hat.

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Die Seilanlage wird instandgesetzt und für eine Prüfung durch das Amt vorbereitet. In der kommenden Woche wird es nach Auskunft des Unternehmens eine Messung geben, ob die Seile zwischen den Bojen der Fahrrinne tatsächlich auf dem Boden liegen beziehungsweise so tief im Wasser hängen, dass ein problemloses Überfahren durch die Berufsschifffahrt gegeben ist. Dies muss durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Brandenburg bewertet werden, das für die Bundeswasserstraße Potsdamer Havel (PHv) zuständig ist. Liegen sie nicht tief genug, müsse man „mit geeigneten technischen Maßnahmen reagieren“, so der Vip.

Die Vip-Geschäftsführer Oliver Glaser und Martin Grießner sprechen von „gelegentlichen Kollisionen mit dem Seil“, doch waren die Ausfallzeiten danach immer extrem lang. Die zahlreichen Beschäftigten der wissenschaftlichen und caritativen Einrichtungen, der Tagungsstätte, Lehrer und Schüler des Gymnasiums, Mitarbeiter des Inselhotels, aber auch Bewohner mussten immer wieder auf die kurze Verbindung von den westlichen Vorstädten zur Insel verzichten, die sie dann nur mit dem Bus, dem Auto oder Fahrrad erreichen konnten.

Nach Auskunft der ViP-Geschäftsführung sind an den Seilkollisionen meistens „Sportboote“ schuld gewesen, „die entgegen der Wasserstraßenordnung außerhalb der durch Bojen gekennzeichneten Fahrrinne unterwegs waren“. Durch das Niedrigwasser auf Grund der Trockenheit 2018 habe sich die Situation so verschärft, dass auch Binnenschiffe Kontakt zum Seil bekommen haben. Bis der Betrieb der Fähre wieder aufgenommen werden kann, soll man den Bus 694 ab/bis Hauptbahnhof nehmen.

Die letzte Fähre von Potsdam

Die Seilfähre verkehrt auf der Linie F1 und gehört zum ViP. Sie wurde im Mai 1984 im VEB Schiffsreparaturwerft Berlin, Werft Genthin, speziell für den Einsatz in Potsdam gebaut. Sie ist kein Serienmodell.

Alle fünf Jahre muss die Fähre zur Schiffsuntersuchung, die in Fachkreisen „Erneuerung des Fährzeugnisses“ heißt. Dann wird die Fähre zu einer Werft überführt, aus dem Wasser genommen und ihr technischer Zustand komplett untersucht. Am Ende steht die Abnahme durch die zuständige Schiffsuntersuchungskommission und die Ausstellung des neuen Fährzeugnisses.

Die Fährmänner arbeiten währenddessen in der Vip-Tramwerkstatt.

Etwa 150 Meter misst die Passage zwischen Kiewitt und Hermannswerder. Eine Fuhre darf 50 Personen fassen.

Die Fähre hat einen festen Fahrplan. Treue Passagiere haben eine Jahreskarte. Gelegenheitsfahrer zahlen 1,40 Euro pro Tour. Das Fahrrad darf gratis mit. Fürs Moped ist die Fähre tabu – es sei denn, es hat einen Elektromotor.

In der näheren Umgebung ist die Fähre in guter Gesellschaft: Auch in Caputh (Tussy II), Ketzin (Charlotte) und zur Pfaueninsel setzen Seilfähren über. nf

Eine Fähre nach Hermannswerder wird seit den 1930er Jahren von den Stadtwerken betrieben. Eine weitere zentrale Fähre in Potsdam, die bis zum Ende der 1970er Jahre zwischen Babelsberg und der Holzmarktstraße pendelte, wurde nach dem Bau der Humboldtbrücke als dem zweiten innerstädtischen Havelübergang 1981 endgültig eingestellt.

Seit 1974 verkehrt die Seilfähre Hermannswerder, seit 1984 elektrisch, vorher mit Dieselmotor. Nach Einschätzung von Wieland Niekisch als CDU-Ortsverbandschef Potsdam-West könnte die Fähre als Nahverkehrsalternative wichtig werden, wenn ab Mai das Leipziger Dreieck umgebaut wird.

Zuletzt war die Fähre Anfang 2017 in der Werft, weil das Fährzeugnis zum 31. Dezember ausgelaufen und die gesetzlich für alle fünf Jahre vorgeschriebene Überprüfung war fällig.

Von Rainer Schüler