Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Seniorin muss sich Krankenzimmer mit Häftling teilen - und verlässt das Krankenhaus
Lokales Potsdam Seniorin muss sich Krankenzimmer mit Häftling teilen - und verlässt das Krankenhaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:16 08.03.2019
Das städtische Ernst-von-Bergmann-Klinikum verfügt über 1183 Betten. Quelle: Varvara Smirnova
Potsdam

Eine 84-jährige Seniorin und ein Häftling gemeinsam in einem Krankenhauszimmer – gibt’s nicht? Am städtischen Ernst-von-Bergmann-Klinikum gibt es das sehr wohl, wie jetzt eine Familie aus Stahnsdorf feststellen musste. „Ich finde, dies ist ein ziemlich krasser Fall von Missachtung der Regeln von Menschlichkeit – von Garantenstellung gegenüber Schutzbefohlenen, sprich Patienten ganz zu schweigen“, sagt Rolf Richter, der den für die Familie unerhörten Vorfall im Namen seiner Schwiegermutter Rita Protz öffentlich macht.

Was war geschehen? Am Samstag kam die Seniorin mit dem Rettungsdienst ins Klinikum, schildert Richter: „Verdacht auf Schlaganfall, was sich auch bestätigte. Sonntag wurde sie von uns besucht und befand sich bereits wieder auf dem Weg der Besserung.“

Der Inhaftierte kam mit drei Wachmännern und in Fußfesseln

Am Montag aber schlug die alte Dame plötzlich Alarm. „Sie rief uns von ihrem Mobiltelefon aus an und schilderte, dass ein Mann auf ihr Zimmer gelegt wurde und sie mit dieser Situation völlig überfordert ist – verständlicherweise“, so Richter. „Ich rief daraufhin die Station an, wo man mir diesen Umstand kurz und knapp bejahte – mit dem Hinweis dass dies so üblich wäre!“ Nach einem weiteren Anruf – dieses Mal bei der Klinikleitung – habe er sich mit seiner Frau auf den Weg nach Potsdam gemacht. „Während der Fahrt meldete sich erneut die Mutter meiner Frau und teilte uns folgendes mit: Auf ihr Zimmer wurde ein Inhaftierter verlegt, der an den Füßen gefesselt und in Begleitung von drei Vollzugsbeamten war“, so Richter. Demnach saßen zwei der Wachmänner mit im Zimmer, der dritte hatte sich draußen vor der Tür postiert. „Das also mutet man einer alten Dame mit Schlaganfall dort zu...“ Rolf Richter spricht von „unhaltbaren Zuständen“.

Klinikum: „Medizinische Gesichtspunkte haben immer Vorrang“

Dass Zimmer gemischt belegt werden, ist am Klinikum – und auch an allen anderen Krankenhäusern in Deutschland – nicht unüblich, erklärt Bergmann-Sprecherin Damaris Hunsmann: „Das wird auf Intensiv- und Überwachungsstationen grundsätzlich so gehandhabt. Dort haben medizinische Gesichtspunkte immer Vorrang: Die Betten werden nach medizischen Aspekten belegt und nicht nach Geschlecht.“ Auch das Schlaganfall-Zentrum sei solch ein technisch hoch spezialisierter und besonders engmaschig überwachter Bereich. „Auf den normalen Stationen mischen wir Männer und Frauen natürlich nicht“, versichert Damaris Hunsmann.

Auch am katholischen St. Josefs Krankenhaus werden die Zimmer der Intensivstation belegt, wie es der Notfall gebietet, bestätigt Sprecher Benjamin Stengl. „Der Fall, mit dem es das Bergmann-Klinikum zu tun hatte, ist sehr speziell. Wenn in so einem Fall alle Intensiv-Betten belegt sind, hätten auch wir nicht anders reagieren können. Wir folgen unserem Versorgungsauftrag: Der Mensch steht im Vordergrund und dass ihm schnellstmöglich geholfen wird.“

Das Klinikum beteuert, dass die Seniorin zugestimmt hat

Ein spezieller Fall – so sieht man das auch am Klinikum. Die Mitarbeiter dort beteuern, dass sie die Seniorin daher gefragt hätten, ob sie einverstanden sei, sich das Zimmer mit einem Häftling zu teilen: „Sie hat dem zugestimmt“, sagt Damaris Hunsmann. Rolf Richter sagt, seine Schwiegermutter sei nicht gefragt, sie sei überfahren worden: „Sie hätte mit Sicherheit nie zugestimmt.“

Die eigentümliche Situation am Bergmann löste sich dem Vernehmen nach innerhalb einer halben Stunde auf. „Als wir eintrafen, ist meine Schwiegermutter wie durch ein Wunder auf ein anderes Zimmer verlegt worden“, so Richter. Dort blieb die alte Dame aber nicht: „Wir haben sie ins Auto verfrachtet und lassen sie zu Hause vom Hausarzt behandeln. Sie freut sich, dass sie nicht noch eine Nacht im Bergmann verbringen musste – sie wird auch nie wieder in dieses Krankenhaus gehen.“ Nachdem er einen Tag lang vergeblich auf eine Reaktion aus der Chefetage gewartet habe, habe sich inzwischen die stellvertretende Pflegedirektorin gemeldet. „Sie hat sich telefonisch bei uns entschuldigt und tat sehr sprachlos.“ Generell habe er das Gefühl gehabt, „dass alle im Klinikum unter enormem Druck stehen“, sagt Richter. „Da denkt man sich seinen Teil. Das hat nicht allein mit Unterbesetzung zu tun, sondern mit der Führung.“

Fast alle Betten sind belegt

Das Bergmann-Klinikum verfügt in Potsdam inklusive der Kinderklinik und der Psychiatrie In der Aue über 1183 Betten.

Die beiden Intensivstationen mit den Schwerpunkten operative Intensivmedizin und konservative Intensivmedizin verfügen über insgesamt 34 Betten.

Die Stroke-Unit – das spezielle Schlaganfall-Zentrum des Klinikums – hat acht Betten.

Derzeit sind am Klinikum laut Sprecherin Damaris Hunsmann mehr als 1000 Betten belegt.

Pro Jahr werden am Bergmann im Durchschnitt 45900 Patienten stationär behandelt. nf

Von Nadine Fabian

Vor dem Ausstieg der Stadtwerke als Vertragspartner sollen externe Experten für die Stadt ein mögliches Betriebsmodell für das Kulturzentrum sowie weitere Immobilien wie die Biosphäre und die Schiffbauergasse untersuchen.

08.03.2019

Wer aus Groß Glienicke mit dem ÖPNV zum Hauptbahnhof Potsdam fahren will, muss am Campus Jungfernsee umsteigen. Das gefällt vielen Pendlern nicht. Jetzt wollen sie dem Oberbürgermeister 5000 Unterschriften für die Wiederaufnahme der durchgängigen Busverbindung der Linie 638 überreichen.

08.03.2019

Die letzte Woche für die Harry-Potter-Ausstellung im Babelsberger Filmpark ist angebrochen. Online sind nur noch wenige Karten erhältlich. Schnell sein lohnt sich.

08.03.2019