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Potsdam Gewinner und Verlierer in Potsdam: So gehen sie mit den Wahlergebnissen um
Lokales Potsdam Gewinner und Verlierer in Potsdam: So gehen sie mit den Wahlergebnissen um
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20:14 02.09.2019
Landtagswahlen am 01.09.2019 Foto:Bernd Gartenschläger Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam/Potsdam-Mittelmark

Floskeln gibt es nach einer Wahl wie der am Sonntag ja wie Sand am Meer: Da hat man als Autor die Qual der Wahl zwischen „die Karten in Potsdam werden neu gemischt“ oder „Wahlprognosen wurden ad absurdum“ geführt. Doch was heißt das konkret? Wie gehen diejenigen damit um, die entweder als Überraschungssieger gehandelt werden oder die das Nachsehen hatten?

Einer, der quasi schon als gesetzt galt für das Direktmandat im Potsdamer Süden – dem Wahlkreis 22 – war Linken-Politiker Hans-Jürgen Scharfenberg, der sich am Wahlsonntag Daniel Keller (SPD) geschlagen geben musste.

Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke) galt als Favorit in Wahlkreis 22. Quelle: Friedrich Bungert

Am Tag danach war bei der jahrelang unangefochtenen Nummer eins aber von Zerknirschtheit nichts zu spüren. Stattdessen hatte Scharfenberg schon wieder die Ärmel hochgekrempelt – naturgemäß nicht mehr um die Hände potenzieller Wähler zu schütteln, sondern um sein Landtagsbüro auszuräumen. Depri-Stimmung? „Nein.“ Schließlich habe er sich nichts vorzuwerfen. „Wir haben einen ordentlichen Wahlkampf gemacht; ich habe eine ordentliche Bilanz – jetzt haben die Wähler ihre Entscheidung getroffen und die steht dann.“ Natürlich: Er bedaure es schon. „Dass ich nicht mehr mit ganzer Kraft dazu beitragen kann, dass man sich mit der Situation auseinandersetzt – dazu gehört das Ergebnis der AfD“, sagt Scharfenberg, der bewusst nicht über die Liste kandidierte.

Scharfenberg galt als Poli-Urgestein

In den vergangenen Jahren hatte man Scharfenberg medial zunehmend mit dem Beiwort „Polit-Urgestein“ geschmückt – übrigens nicht gerade zur Freude des so Titulierten. Nach der diesjährigen Kommunalwahl wurde der langjährige Linken-Fraktionschef in der Stadtverordnetenversammlung (SVV) von seinen Parteikollegen „entthront“. Ans Aufhören in der SVV denkt Scharfenberg dennoch nicht – dies lasse die Verantwortung gegenüber den Wählern nicht zu. „Ich bin mit dem mit Abstand besten Ergebnis in der ganzen Stadt in die Stadtverordnetenversammlung gewählt worden. Da kann ich ja nicht sagen: So, ich habe mir das jetzt anders überlegt. Das wäre unglaubwürdig.“

Daniel Keller (SPD), selbst überrascht von seinem Sieg gegen Scharfenberg (Linke). Quelle: SPD

Noch immer etwas ungläubig wirkte am Montag – nach einer intensiv durchfeierten Nacht – Scharfenbergs Herausforderer Daniel Keller: „Das ist noch ein bisschen unfassbar“, sagte Keller, der seinen Erfolg auf den „guten Wahlkampf mit viel junger Unterstützung“ zurückführt. Der allerdings auch nicht verhehlt, dass es auf den letzten Metern offenbar noch einmal einen Turbo gegeben hat: „Die Mobilisierung, die es am Ende in klarer Abgrenzung zur AfD gab, hat sich auch positiv niedergeschlagen.“

Und was bedeutet der Gipfelsturm von Grünen-Kandidatin Marie Schäfferim Wahlkreis 21 für die SPD? Keller verweist auf die Kommunalwahl. Schon damals habe man die Lehre gezogen, dass man ein größeres Augenmerk auf ökologische Themen legen müsse. „Aber am Ende muss es eine ökologische Politik sein mit den Menschen und für die Menschen.“

Siegerin im Wahlkreis 21, Marie Schäffer (Grüne). Quelle: Bernd Gartenschläger

Um 144 Stimmen ist SPD-Politikerin Klara Geywitzihrer Grünen-Herausforderin unterlegen – ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Doch deshalb den Kopf in den märkischen Sand zu stecken, ist Geywitz’ Sache nicht. Am Montagmorgen war sie bereits auf dem Weg nach Berlin: zuerst ein Gespräch mit dänischen Sozialdemokraten; dann eine Sitzung des SPD-Parteivorstandes, dessen Mitglied sie ist.

„Natürlich“, sagt Geywitz, „bin ich traurig, dass ich nicht mehr Mitglied des Landtags bin.“ Schließlich bedeute das doch, dass sie ihre Arbeit für Potsdam nicht mehr in der bisherigen Form weiterführen könne. Wobei man sich um eine ausgefüllte Tagesgestaltung von Brandenburgs Ex-SPD-Generalsekretärin in den nächsten Wochen sicher keine Sorgen zu machen braucht. Ihre gemeinsame Bewerbung mit Vizekanzler Olaf Scholz um den Vorsitz der Bundespartei macht sie in den nächsten Wochen zur Vielreisenden – einmal quer durch Deutschland. Am Mittwoch starten in Saarbrücken die 23 Regionalkonferenzen, bei denen sich die Bewerber der Basis und der Öffentlichkeit vorstellen werden. „Langweilig wird es mir jedenfalls nicht“, sagt Geywitz.

Klara Geywitz (SPD) hatte das Nachsehen, den Kopf steckt sie trotzdem nicht in den Sand. Quelle: dpa

Marie Schäffer indes freut sich auf die Arbeit im Landtag. Für sie als Newcomerin sei das „ein großes Abenteuer“. Als Vertreterin der jungen Generation hoffe sie darauf, zu einem neuen politischen Stil im Parlament beitragen zu können.

Wie ihre Arbeit im Landtag künftig aussehen wird, muss auch Saskia Ludwig nach dem Ausgang der Wahl noch einmal neu herausfinden. Die CDU-Kandidatin im Wahlkreis 19 hat zwar mit Listenplatz 8 den Einzug in den Landtag erneut geschafft, fühlt sich aber dennoch als „Verliererin“. Und zwar nicht nur, weil sie das Direktmandat an ihren Herausforderer der SPD, Uwe Adler, abgeben musste.

Saskia Ludwig (CDU) bleibt zwar im Landtag, verlor aber das Direktmandat im Wahlkreis 19. Quelle: Friedrich Bungert

Sie ärgert vor allem das schlechte Abschneiden der CDU insgesamt. „Darüber müssen wir jetzt in Ruhe nachdenken“, sagt sie, „ein Zurück zur Tagesordnung kann es nicht geben.“ Den Tag nach der Wahlschlappe nutzte sie für ein paar „kleinere Terminen“, die Ergebnisanalyse und die Chance, nach dem Wahlkampfwochen „mal durchzuschnaufen“.

Uwe Adler (SPD) holte im Wahlkreis 19 das Direktmandat. Quelle: Friedrich Bungert

Ihr Kontrahent und Sieger des Wahlabends, Uwe Adler, war am Montag nicht zu erreichen.

Von Ildiko Röd

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