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Potsdam Siegeszug der Gelbhalsmaus
Lokales Potsdam Siegeszug der Gelbhalsmaus
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02:25 02.03.2018
Musemspräparator Christian Blumenstein mit dem Hirschkäfer und zwei Gelbhalsmäusen.
Musemspräparator Christian Blumenstein mit dem Hirschkäfer und zwei Gelbhalsmäusen. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Die unheimliche Begegnung eines Hirschkäfers mit zwei erschrockenen Gelbhalsmäusen auf einem ausgewaschenen Holzscheit brachte Christian Blumenstein (49) bei der Europameisterschaft der Präparatoren in Salzburg den zweiten Preis in der Kategorie „Award of Excellence“. Um diesen Preis dürfen sich nur die Juroren selbst sowie prämierte Europa- und Weltmeister bewerben. Christian Blumenstein, der seit 1985 am Naturkundemuseum Potsdam arbeitet und seither tausende von Präparaten anfertigte, wurde 2008 und 2012 Weltmeister.

Zur Europameisterschaft nach Salzburg reiste er mit insgesamt sieben Exponaten, die zumeist beste Noten bekamen. Zwei erste Preise bekam er für die Konservierung einer Orchideengruppe mit Rötelmäusen, eine Gemeinschaftsarbeit mit dem Thüringer Präparator und Modellbauer Sebastian Brandt.

Auch die Gelbhalsmaus mit Steinpilz und Iltis, die Gelbhalsmaus mit dem Fliegenpilz und dem Fliegenmistkäfer sowie das Stillleben mit Eisvogel und Jung-Otter bekamen beste Bewertungen. Ein zweiter Rang ging an das Steinbock-Kitz mit Kiefernzapfen und Fichtenkreuzschnabel, mit einem dritten Rang wurde das Elefantenohr-Chamäleon aus der Potsdamer Biosphärenhalle gewürdigt.

An der 11. Europameisterschaft in Salzburg beteiligten sich vom 22. bis 25. Februar mehr als 350 Teilnehmer aus 34 Ländern mit insgesamt 400 Präparaten. Die ausgezeichneten Präparate Blumensteins sollen zusammen mit den Siegerpräparaten vergangener Meisterschaften am 17. und 18. März in einer Sonderausstellung im Versammlungsraum des Naturkundemuseums gezeigt werden. Blumenstein wird an beiden Tagen als Ansprechpartner zu Präparation und Naturkunde anwesend sein.

Angefangen hat der Meisterpräparator mit 13 Jahren im Fläming „als Schmetterlings- und Käfersammler. Der Klassiker: Opa geht mit Enkel und Kescher auf die Wiese. Fängt ein paar Kohlweißlinge, spießt und spannt sie auf. Wenn man so will, sind das meine ersten Präparate gewesen“. Heute ist die Plastination kleiner Wirbeltiere sein Spezialgebiet: „So wie von Hagens, nur mit anderen Materialien und ohne Menschen.“

Man brauche „nicht viel“ neben dem handwerklichen Geschick und Erfahrung: „Wichtig sind Referenzen, Beobachtung. Nicht nur auf Google Bilder drücken, sondern auch rausgehen und gucken, wie die Tiere sich verhalten“, sagt der passionierte Naturfotograf: „Nichts ersetzt die Beobachtung.“ Einmal habe er zu Hause einen Eichelhäher aufgezogen. „Später war ich mit einem Kollegen zur Weltmeisterschaft, und da haben wir Eichelhäher gezeigt, die wir nun wirklich ganz genau kannten.“

2012 gewann Blumenstein gemeinsam mit seinem Magdeburger Kollegen Dirk Grundler für das Präparat mit zwei Eichelhähern die Bronzemedaille. Den Titel holte er sich damals mit seiner „Hausspitzmauskarawane“, einer Mäusemutter, die fünf Jungtiere hinter sich herzieht. Auch die Mäusefamilie hatte Blumenstein nach dem Vorbild Hagens plastiniert, indem er das Wasser in den Zellen durch ein wachsartiges Silikon ersetzte. 2008 wurde Blumenstein in Salzburg schon einmal mit dem Präparat einer Gelbhalsmaus Weltmeister. Sein nächstes Ziel ist 2019 die WM in den Vereinigten Staaten.

Dauerausstellung zur Tierwelt Brandenburgs

Das Naturkundemuseum, Breite Straße 13, präsentiert auf vier Etagen Ausschnitte aus seinen umfangreichen zoologischen Sammlungen.

Über 40 heimische Fischarten, darunter Hecht, Stör und Wels sind im Kaltwasseraquarium mit einer mehr als 50-jähriger Tradition zu entdecken.

Die Dauerausstellung „Tierwelt Brandenburgs“ verdeutlicht Entwicklungen in der Artenvielfalt Brandenburgs und gibt einen Einblick in die aktuelle biologische Vielfalt.

Die beiden zweisprachigen Sonderausstellungen „In der Spur des Menschen - Biologische Invasionen“ und „Tierisches Leben im UNESCO-Welterbe“ zeigen ausgewählte naturkundliche Aspekte.

Das Museum befindet sich im 1770 errichteten ehemaligen „Ständehaus der Zauche“. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 9 bis 17 Uhr.

Von Volker Oelschläger

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