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Potsdam Siegfried Dittler verlässt das Waschhaus
Lokales Potsdam Siegfried Dittler verlässt das Waschhaus
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21:22 29.11.2017
Siegfried Dittler, Geschäftsführer Waschhaus Potsdam Quelle: Marcel Kirf
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Potsdam/Schiffbauergasse

Siegfried Dittler ist nicht mehr der Geschäftsführer des Waschhauses. Die Gesellschafter der Betreiberfirma hätten einstimmig beschlossen, den zum Jahresende auslaufenden Zweijahresvertrag mit dem Kulturmanager nicht erneut zu verlängern. Dittler sei „mit sofortiger Wirkung freigestellt“ worden, sagte am Mittwoch Stefan Leier (50), der die Leitung des Hauses übergangsweise als Geschäftsführender Gesellschafter übernommen hat.

Leier ist gebürtiger Potsdamer und kennt das Waschhaus als Gast seit der Anfangszeit des Kulturzentrums vor 25 Jahren. Als erstes Konzerterlebnis nennt er spontan ein Open Air des Pop-Duos Rosenstolz. Bis 2008 arbeitete Leier in der Verwaltung des städtischen Klinikums „Ernst von Bergmann“. 2009 kam er unter Dittlers Vorgänger Wilfried Peinke als Zuständiger für Finanzen und Rechnungswesen ins Haus. Seit 2012 ist Leier Mitgesellschafter und Prokurist der Waschhaus gGmbH.

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Steffen Leier. Quelle: Friedrich Bungert

Zu den Gründen für die Nichtverlängerung des Vertrages mit Dittler wollte Leier sich nicht äußern. Die fünf Gesellschafter hätten absolutes Stillschweigen vereinbart. Das Waschhaus gebe „generell keine Auskunft zu personellen Fragen“. Auf Nachfrage versicherte er aber, dass der Vorgang keinen strafrechtlich relevanten Hintergrund habe. Nach unbestätigten Informationen war das Vertrauensverhältnis zwischen Gesellschaftern und Geschäftsführung zerrüttet.

Das Waschhaus ist mit mehr als 600 000 Euro Jahreszuschuss die freie Kultureinrichtung mit der höchsten Förderung landesweit und mit zuletzt 124 000 Gästen im Jahr landesweit das Veranstaltungshaus mit der zweithöchsten Besucherzahl – gleich nach dem Staatstheater Cottbus mit seinen mehr als 127 000 Besuchern.

Auch Siegfried Dittler wollte sich am Mittwoch auf Nachfrage nicht zu diesen Vorgängen äußern. Er sagte lediglich: „Ich hatte dort fünf tolle Jahre und wünsche dem Waschhaus alles Gute.“ Der aus Österreich stammende Kulturmanager, dem der Ruf eines Sanierers vorauseilte, hatte die Leitung des Kulturzentrums im Sommer 2012 inmitten einer schweren Strukturkrise übernommen.

In der Stadt erarbeitete sich Dittler rasch einen guten Ruf. Für seine Ägide in der Schiffbauergasse stehen unter anderem die Reanimation des Freilicht-Kinosommers in Partnerschaft mit dem Thalia-Kino, die regelmäßige Bespielung der zuvor ungenutzten Freilichtbühne, neue Reihen wie der Drum-Club und der Havelslam, die Öffnung des Kunstraums für regionale und internationale Projekte, nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Zusammenarbeit mit den anderen Kultureinrichtungen in der Schiffbauergasse.

Wilfried Peinke. Quelle: Bernd Gartenschläger

Vor der Stellenausschreibung hatte es von Politik und Verwaltung heftige Kritik an der Arbeit seines Vorgängers gegeben. Wilfried Peinke, der das mit Rockmusik, Technopartys und Avantgarde groß gewordene Kulturzentrum mit speziellen Angeboten wie „Im Weißen Rössl“ oder dem Zoten liebenden Alleinunterhalter Fips Asmussen auch für Ältere attraktiv machen wollte, musste sich im städtischen Kulturausschuss vorwerfen lassen, dass programmbestimmende Mitarbeiter das Haus „reihenweise“ verließen und jüngeres Publikum „abgeschreckt“ würde. Im Sommer 2012 musste er die Geschäftsführung abgeben, blieb aber als Gesellschafter der Waschhaus gGmbH im Spiel.

Der aktuelle Betreibervertrag der Stadt mit der Waschhaus gGmbH hat sich laut Rathaussprecher Jan Brunzlow gerade um zwei Jahre bis Ende 2019 verlängert. Dies geschehe automatisch, wenn der Vertrag nicht drei Monate vor dem Ablauf der Zweijahresfrist gekündigt werde.

Die bewegte Geschichte des Waschhauses

Das Waschhaus wurde im August 1992 eröffnet. Rasch wurde es zu einem der größten Kulturzenten des Landes – mit zeitweilig 170 000 Gästen im Jahr. Der Anfang 1993 gegründete Betreiberverein musste 2008 Insolvenz anmelden. Grund war eine trotz des Publikumserfolgs langjährige strukturelle Unterfinanzierung.

Anfang 2009 gaben Stadt und Land als Förderer das Zentrum in die Hände einer eigens gegründeten Waschhaus gGmbH. Interesse hatte auch die Stiftung SPI bekundet, die im gleichen Jahr den Lindenpark übernahm.

Nach dem Neuanfang wurde die Förderung deutlich erhöht. Aktuell bekommt das Waschhaus vom Land rund 110 000 Euro und von der Stadt rund 500 000 Euro Förderung.

Stefan Leier ist interimsweise der sechste Geschäftsführer in der Geschichte des Waschhauses. Die Stellenausschreibung soll nach seinen Angaben nach der nächsten Gesellschafterversammlung veröffentlicht werden. Die Runde tagt am 18. Dezember. Die Neubesetzung sei „so schnell wie möglich“, voraussichtlich für April oder Mai geplant.

Von Volker Oelschläger

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