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Potsdam Sinterklaas kommt mit Light-Pieten
Lokales Potsdam Sinterklaas kommt mit Light-Pieten
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13:06 04.12.2019
Rußflecken statt Blackfacing: Potsdam bietet zeitgemäße Pieten, die den Sinterklaas begleiten. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD, rechts im Bild) begrüßt den Nikolaus und sein Gefolge auch an diesem Wochenende im Hafen. Quelle: Friedrich Bungert
Innenstadt

Am Wochenende steigt im Holländischen Viertel wieder das beliebte Sinterklaas-Fest, viele Tausend Besucher werden im historischen Quartier in der City erwartet. Natürlich kommt auch der niederländische Nikolaus Sinterklaas vorbei – und zwar begleitet von den umstrittenen Schwarzen Pieten. Diese sollen, wie der Förderverein zur Pflege Niederländischer Kultur als Veranstalter mitteilt, als „Rußpieten“ auftreten.

Kompromiss mittlerweile auch in den Niederlanden

Damit folgen die Potsdamer einem vor Jahren geschlossenen Kompromiss, der mittlerweile sogar in den Niederlanden, also dem Herkunftsland der Tradition, so angewandt wird. Ursprünglich wurde der Sinterklaas von einer Gruppe Pieten bekleidet, die allesamt schwarz geschminkt waren, bunte Pumphosen, Federhut, Lockenperücke und goldene Ohrringe trugen. Die dem Nikolaus als Knechte unterstellten Pieten und ihre Darstellung als lustige, dümmliche Untertanen werden als rassistisch kritisiert: Die Tradition ist ein Beispiel für das so genannte Blackfacing, bei dem sich weiße Menschen schwarz schminken und Stereotype verbreiten.

Der Förderverein zur Pflege der niederländischen Kultur veranstaltet das Sinterklaas-Fest in diesem Jahr wieder. Hans Göbel, Johannes Haerkötter und Wolfgang Raab sind Vorstandsmitglieder. Quelle: Bernd Gartenschläger

Auch in Potsdam als Sinterklaas-Außenstelle tobte die Debatte um die Helferlein immer wieder. Schon 2014 hatte die damalige Antidiskriminierungsbeauftragte der Stadt die Sinterklaas-Veranstalter kritisiert und bunte statt schwarzer Pieten vorgeschlagen, eine Demonstration begleitete die Ankunft des Nikolauses und seiner Helfer am Hafen, ein Potsdamer versuchte gar erfolglos, Strafanzeige zu stellen. Vor vier Jahren dann hatte die Landeshauptstadt ihre finanzielle Unterstützung des Wochenend-Weihnachtsmarkts im Holländischen Viertel an die Bedingung geknüpft, dass keine schwarz geschminkten Pieten auftreten. Das führte dazu, dass ein Potsdamer Unternehmer private Spenden für die Pieten sammelte, gleichzeitig aber keine Rückendeckung des Kulturvereins hatte – letztlich traten 2015 dann weder Sinterklaas, noch Pieten auf.

Sinterklaas bringt gleich eine ganze Gruppe von Helfern mit. Sie wissen, so die Sage, welche Kinder artig waren und verteilen entsprechend Geschenke. Quelle: Friedrich Bungert

Erbitterter Kulturkampf

Seit 2016 ist eine Lösung gefunden: „Die Zwarten Pieten treten zu unserem Sinterklaas-Fest als Rußpieten auf“, sagt Johannes Haerkötter aus dem Vorstand des Niederländischen Kulturvereins. So soll es auch an diesem Wochenende sein, die Pieten-Darsteller haben nur noch einige Rußflecken im Gesicht. Diese werden damit erklärt, dass sich die Helfer durch die Kamine abseilen, um den Kindern Geschenke zu hinterlassen. „Das passt zum historischen Hintergrund der Figur und beruht auf einer Abstimmung zwischen uns als Veranstalter, unseren niederländischen Partnern sowie der Stadt Potsdam“, heißt es von den Veranstaltern. Auf die dicken roten Lippen wird gänzlich verzichtet.

Sinterklaas-Fest am Wochenende

Am Samstag wird Sinterklaas mit seinem Gefolge gegen 13.30 Uhr im Potsdamer Hafen ankommen. Der Oberbürgermeister nimmt Sinterklaas im Namen aller Potsdamerinnen und Potsdamer in Empfang und Sinterklaas reitet durch die Stadt ins Holländische Viertel, gefolgt von einer Pferdekutsche mit den Ehrengästen.

Das Sinterklaas-Fest findet am Sonnabend und Sonntag statt. Geöffnet ist am 7. Dezember von 11 bis 20 Uhr und am 8. Dezember von 11 bis 19 Uhr. der Eintritt ist frei. Die Anfahrt erfolgt am besten mit der Tram, die Linien 92 und 96 halten am Nauener Tor.

Tatsächlich wurde der Kulturkampf um die Pieten in den Niederlanden noch deutlich erbitterter geführt als hierzulande, verschiedene Pieten-Kritiker erhielten Morddrohungen, es kam zu offener Gewalt zwischen Fans und Gegnern der Figur. Das niederländische Fernsehen wird in diesem Jahr erstmals keine angemalten Pieten mehr zeigen – eine Klage gegen diese Entscheidung wurde abgewiesen. Allerdings befürworten zugleich einer Umfrage aus dem Dezember des vergangenen Jahres noch immer 50 Prozent der Niederländer die vollgeschminkten Knechte; in jedem dritten Ort des Landes verzichten die Veranstalter zwar jetzt auf das Blackfacing, mehr als 1000 Umzüge aber werden weiter die traditionelle Darstellung zeigen. In den Niederlanden hat das Nikolaus-Fest einen sehr hohen Stellenwert, schon im November treffen Sinterklaas und sein Gefolge ein und reisen drei Wochen durch das Land, bevor sie am 5. Dezember den Kindern Geschenke bringen.

Zur besseren Einordnung ist im Jan Bouman Haus, in dem der Kulturverein ein Museum unterhält, zur Zeit auch eine Ausstellung zur Geschichte des Sinterklaas-Fests zu sehen. „Dort wird auch auf die derzeitige Diskussion eingegangen“, sagt ein Vorstandsmitglied.

Von Saskia Kirf

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