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Potsdam So arbeiten Briefträger in Potsdam
Lokales Potsdam So arbeiten Briefträger in Potsdam
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11:29 30.10.2019
Briefbote Stefan Pawlitke (39) holt sich Nachschub an einem Ablegeschrank. Quelle: Rainer Schüler
Nauener Vorstadt

Ohne Gummi geht bei Stefan Pawlitke gar nichts: Ein dickes Bündel davon baumelt erst am Handgelenk und dann am Lenker. Mit einer schnellen Bewegung schnipst er in der Frühe seines Arbeitstages einen Gummi über ein Bündel Briefe, die er aus dem Sortierschrank zieht und in eine gelbe Kiste wirft: ein Bündel, noch eins, viele. Vorsortiert hat er die Postsendungen nach Straßen, nach „Gangfolgen“, wie er es nennt. Wie er die Gänge legt mit seinem Lastenfahrrad, legt er selber fest.

Und in dieser Reihenfolge holt er die Stapel auf seiner Tour dann wieder aus den beiden Kisten über’m Vorderrad, zieht die Gummis ab, greift die Briefe, verteilt sie (fast blindlings) in die Hausbriefkästen. Es ist eine schnelle, flüssige Bewegung.

Seine Knöchel schlagen an das Blech, es scheppert. Manch ein Briefträger hat Hornhaut auf den Knöcheln. Und manch ein Bewohner hört genau dies Klappern und weiß sofort: Der Postmann war soeben da.

Laufhaus hat nur Türschlitze

In einem Haus allerdings gibt es dieses Klappern im Durchgang nicht: Die Helene-Lange-Straße 11. Da muss er Post in jedem Stockwerk durch den Türschlitz schieben.

Die Siedlung „Alexandrowka“ gehört zum Revier von Stefan Pawlitke. Quelle: Rainer Schüler

Sind Pawlitkes Kisten vorne leer, wird umgeschichtet von hinten nach vorn. Ist irgendwann das Lastenfahrrad leer, fährt er „Ablege“-Schränke auf der Strecke an, die von einem Tourenfahrer bestückt werden. Oft machen Subunternehmer diesen Job. An den Schränken im Kiez holt er den Nachschub, den er sich am Morgen selber zurecht gelegt hat. Das spart die Rückkehr zur Zentrale im Hauptpostgebäude am Platz der Einheit.

Mehrfach wird nachgeladen

Bis zu fünf Mal muss er nachladen, vor allem in der Weihnachtszeit. Der Transporter sollte schneller sein als er, sonst gibt es Zeitverluste. Doch das klappt nicht immer, denn als Radler ist man häufig schneller als mit dem Transporter. Dann ist auch Zeit zum Essen und Trinken. Die Verpflegung hat er stets dabei. Wenn er mal muss, hat er Kunden, die ihm das erlauben. Ein Kollege macht das anders: Er hat eine „Ente“ in der Kiste: „Ich kann doch nicht irgendwo an einen Baum am Wegrand pinkeln.“

Job ist auch Sport

Pawlitke ist 39 Jahre alt und als Briefbote bei jedem Wetter unterwegs, bei Hagel oder Hitze. Er mag den Job als Sport, auch wenn es ungemütlich ist da draußen: „Es gibt für alles Kleidung“, sagt einer, der auch bei zehn Grad unter Null noch gern in die Pedale tritt.

In harten Wintern hat er eine Mütze mit Ohrenklappen dran und Handschuhe, die keine Fingerspitzen haben. Doch wenn er „auf Betriebstemperatur“ ist, lässt er die lieber weg und zieht dann auch die Thermojacke wieder aus.

Der Briefdienst der Post in Potsdam

Für Briefe, Postkarten und Infopostsendungen in Potsdam und Umgebung sowie im gesamten Postleitzahlenbereich 14 (westliche Stadtteile Berlins und westliches Brandenburg) ist das Briefzentrum der Deutschen Post in Stahnsdorf zuständig.

Das Briefzentrum Stahnsdorfist 1996 ans Netz gegangen.

Es gibt bundesweit 82 Briefzentren, die – angepasst an das jeweilige Sendungsvolumen – unterschiedlich groß sind.

Die Bezeichnungen ähneln den Konfektionsgrößen – von S, M, L, XL bis XXL. Der Standort in Stahnsdorf hat die Größe XL. Hier können pro Tag im Briefein- und -ausgang maximal drei Millionen Briefe, Postkarten und Infopostsendungen bearbeitet werden.

Die Versorgung der Stadt Potsdam mit Päckchen und Paketen erfolgt über das DHL-Paketzentrum Börnicke und über die DHL Zustellbasen in Kleinmachnow und Potsdam.

In der Landeshauptstadtgibt es für die Brieflogistik drei Zustellstützpunkt, einer davon befindet sich Am Kanal 16-18.

Der Arbeitstag der Postboten beginnt morgens gegen 7 Uhr im Zustellstützpunkt mit dem Sortieren der Briefe entsprechend der Zustelltour und der Beladung der Zustellfahrzeuge.

Die Belieferung des Zustellstützpunktes vom Briefzentrum Stahnsdorf erfolgt in den frühen Morgenstunden zwischen 5 und 7 Uhr. Nachdem alle Sendungen verladen sind, starten die Postboten ihre Zustelltour.

Im Zustellstützpunkt Am Kanal 16-18 arbeiten 90 Briefzusteller: 60 Frauen und 30 Männer.

Sie beliefern folgende Bereiche mit Briefen: Potsdam Innenstadt: Brandenburger/Teltower/Berliner Vorstadt, Potsdam Zentrum, Zentrum-Ost, Potsdam-West Umland: Golm, Satzkorn, Fahrland, Groß Glienicke, Marquardt, Bornim

Von den Briefzustellbezirken werden 10 mit der Zustell-Karre, 12 per Fahrrad und 26 per Kfz beliefert.

Er trifft viele Leute auf seinen Touren; für ein paar Worte ist fast immer Zeit, erst recht, wenn ihn Touristen fragen nach dem Weg. Es liegt an ihm, wie schnell er ist und wieviel Small Talk machbar.

Er geht es straff an zu Beginn: „Man weiß ja nie, was zwischendurch alles passiert.“ Zum Ende kann er sich etwas „baumeln“ lassen.

Studierter Kampfsportler

Dabei sah sein Berufsweg mal ganz anders aus. Er hat studiert: Kunstgeschichte, Philosophie, Japanologie, treibt Kampfsport. Doch einen Job bringt das allein noch lange nicht. So fing er eine Lehre als Postzusteller an und hat es nie bereut. Drei Jahre lang wurde er zur „Fachkraft für den Brief- und Frachtverkehr“ ausgebildet.

Auf den Spuren eines leidenschaftlichen Briefträgers: Stefan Pawlitke ist bei jedem Wetter in der Nauener Vorstadt unterwegs.

Berechenbar ist dieser Job: Montags fängt er erst um acht Uhr an, weil übers Wochenende kaum Post anfällt, nur fünf Prozent des Wochenaufkommens. „Viele Leute glauben deshalb, montags komme gar keine Post.“ Ab Dienstag zieht das Geschäft dann wieder an. Los geht’s also schon um 6.15 Uhr. Pawlitke stört das Frühaufstehen nicht.

50 Kilo Fracht am Rad

Immerhin 50 Kilo Last bekommt er auf das Rad, das funktionieren muss. Hat er einen Platten oder reißt die Kette, muss er schieben oder Hilfe holen.

Er kann unterwegs nichts reparieren, allein schon deshalb nicht, weil er das Fahrrad nicht auf den Kopf stellen kann. Auch weil er keinen Platz für Werkzeug hat. Damit es möglichst keine Panne gibt, schickt die Post regelmäßig einen Techniker zur Wartung.

Die Schnips-Gummis gehören seit Jahrzehnten zur Grundausstattung jedes Briefboten. Quelle: Rainer Schüler

Nicht nur die Schnips-Gummis hat er in Bündelform dabei, auch die diversen Haustürschlüssel, verteilt auf vier Ringe: „Man muss das mit den Hausverwaltungen vorab klären“, sagt er.

Nicht immer klappt das rechtzeitig. In der Helene-Lange-Straße sind neue Häuser gerade frisch bezogen. Für die hat er noch keine Schlüssel. Er muss klingeln. „Die meisten Leute, bei denen ich klingeln muss, kenne ich inzwischen.“

Briefebox als Mülleimer

Noch nie ist ihm was weggekommen auf der Tour, „aber oft schon was dazu. Die Leute schmeißen ihren Müll in meine Kiste, wenn sie vorbei kommen und ich nicht am Fahrrad bin!“ Er parkt das Rad so nah wie möglich am Hauseingang, damit niemand sich an der Post vergreift, die heutzutage übrigens zu 85 Prozent geschäftlich ist, werbig oft.

Einmal pro Woche kommt ja das eingeschweißte Werbebündel „Einkauf aktuell“ in jeden Haushalt. Wer das nicht will, muss das zeigen am Briefkasten, handgeschrieben oder mit einem Anti-Werbung-Sticker.

Stimmt es eigentlich, dass Hunde die Briefboten nicht leiden können? „Das ist mir noch nie passiert“, lacht Pawlitke, aber angegriffen wurde er schon mal: „In der Weinbergstraße saß mal eine Katze oben auf der Briefkastenanlage in der Sonne“, erzählt er lachend: „Je höher ich kam in ihre Nähe, desto nervöser wurde sie.“ Er fing sich Hiebe ein.

Von Rainer Schüler

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