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Potsdam So haben Youtube-Videos unser Leben leichter gemacht
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21:20 05.02.2020
MAZ-Reporterin Louise Otterbein wollte den perfekten Lidschattenauftrag lernen. Quelle: Christin Klose/dpa-tmn
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Potsdam

Youtube-Tutorials gibt es zu jedem möglichen und unmöglichen Lebenssituation, vom Krawattenknoten übers Serviettenfalten bis zu zur korrekten Aussprache kompliziert scheinender irischer Vornamen.

Vier MAZ-Reporter haben ihre ganz eigenen Erfahrungen mit den Lehr- und Lernvideos gemacht.

Lass dich einwickeln, Baby!

Die meisten Eltern haben vor der Geburt ihres ersten Kindes so ihre Ideen, wie die Zeit mit dem Baby sein soll. So war es auch bei mir: Ich wollte meinen Sohn gern nicht nur im Kinderwagen durch die Landschaft schieben, sondern auch im Tuch tragen. Das Tragen hat viele Vorteile,außerdem fand ich die Vorstellung so herrlich kuschelig. Wie nun aber das sehr kleine Wesen in diesen sehr große Tuch kriegen, noch dazu so sicher eingepackt, dass das Baby einerseits entspannt abhängen und atmen, andererseits aber wirklich nicht herausrutschen kann?

Die Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs hatte uns das gezeigt, aber einige Wochen später hatte ich jeden Knoten und jede Schlinge vergessen. Also hieß es üben: Fünfeinhalb Meter Stoffbahn, mein neu geborener und überraschend geduldiger Sohn, ein Tutorial der „Trageschule Hamburg“ zur Bindeweise „Wickelkreuztrage“ – besonders geeignet für Anfängereltern und -kinder – und ich. Das Tuch binden kann ich bis heute im Schlaf, auch wenn das Baby von damals längst ein laufender Meter ist.

Kirschtomaten rudelweise

Ab und zu müssen die Widrigkeiten des Alltags mit einem kleinen Trick umgangen werden. Bilderrahmen waagerecht aufhängen ohne ein eigenes Vermessungsgemälde an die Wand zu malen, Spannbettlaken ordentlich zusammenlegen oder Geschenke ansehnlich verpacken. Wer bei Youtube „Lifehack“ eingibt, findet Tausende Tricks für ein schöneres Leben. Aber auch für ein komfortableres: Ich liebe gutes Essen, aber hasse das endlose Schnibbeln der vielen kleinen Zutaten. Lächerlich kleine Kirschtomaten würde ich deshalb am liebsten als Ganzes in die Nudelpfanne werfen. Mundgerecht wären sie. Ihr Aroma würde sich aber nicht ausbreiten.

Und weil auch das Auge mitisst, habe ich mein Kochsystem mit Youtube gehackt: Für das komfortable Zersäbeln der winzigen Tomaten, braucht es allerdings großes Operationsbesteck. Man nehme einen großen, aber möglichst flachen Teller, positioniere alle Kirschtomaten darauf und lege einen zweiten Teller, kopfüber oben drauf. Dann braucht es tatsächlich ein Säbel oder zumindest ein Messer, dessen Klinge lang genug ist, um über den vorderen und hinteren Tellerrand zu ragen. Führt man das Säbel nun an den Kanten entlang, seitlich durch den Teller, halbiert man alle Tomaten mit einem Schnitt. Doch es geht noch einfacher: Mehrere Tests bestätigen, dass das beste Schnittergebnis mit einem Brotmesser erzielt wird. Jan Russezki

Pandabär zum Gruseln

Schon immer habe ich Menschen bewundert, die sich selbst und andere gut schminken können. Früher war ich fasziniert davon, wie meine Mutter meine Schwester mithilfe von ein paar Farben in einen Tiger verwandelte. Jahre später galt meine Faszination dann den Leuten, die sich beeindruckende Augenmakeup-Kreationen ins Gesicht zaubern konnten. Ich klickte mich also durch die endlosen Weiten Youtubes und wurde fündig – „Easy Smokey Eyes“. So schwer konnte es ja wohl nicht sein, zumal ich schon den perfekten Lidstrich durch ein Youtube-Tutorial gelernt hatte – und den habe ich wirklich perfektioniert.

Ich setzte mich also an einem verregneten Nachmittag mit Schminke und Vergrößerungsspiegel an den Schreibtisch und fing an die Anweisungen der Frau auf dem Bildschirm zu befolgen. Doch irgendwie wollte es nicht so klappen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Zwar glaubte ich alle Schritte genauso zu befolgen, wie es mir die Youtuberin vormachte, aber die Ergebnisse unterschieden sich wie Tag und Nacht. Ich schaute in den Spiegel und musste feststellen, dass ich aussah, wie ein Pandabär. Oder schlimmer, als hätte mir jemand ins Gesicht geschlagen. Kurz: Ich sag zum Gruseln aus. Nach dem vierten Versuch gab ich auf. Mein Augenlid war gerötet und die Haut von dem ständigen Auf- und Abtragen der Schminke total gereizt. Und nicht nur die – ich war es ebenfalls und schwor mir, nie wieder ein Schminktutorial anzuschauen. Louise Otterbein

Rührei und Wassertank

Mir haben Youtube-Tutorials schon so einige Male aus der Klemme geholfen. Der misslaunige britische Koch Gordon Ramsay hat mir erklärt, wie er seiner „Missus“ morgens das beste Rührei zaubert. Auf einem anderen Kanal habe ich mir simple, kindgerechte Schnitztechniken angeschaut und ausprobiert, bevor ich meinem Sohn erstmals das scharfe Messer im Campingurlaub gegeben habe. Erst am Wochenende haben wir zusammen die Personenwaage repariert – ohne ein Erklärvideo hätte ich gar nicht gewusst, wie das Ding aufgeht.

Viel Geld und einen Werkstattbesuch gespart habe ich dank eines sehr speziellen Tutorials: Ich musste eine neue Glühleuchte für das Abblendlicht meines Autos wechseln. Ans Innere des Scheinwerfers kommt man selbst bei meiner alten Karre recht schwer heran. Aber dank eines Videos, das genau mein Modell betraf, wusste ich: Man muss nur die Befestigung des Wischwasserbehälters leicht lösen, dann kann man ihn etwas zur Seite biegen und kommt an die hintere Abdeckung des Scheinwerfers. Der Wechsel der Birnen hat mit dem Handy in der Hand bei geöffneter Motorhaube vielleicht fünf Minuten gedauert. Es ging auf jeden Fall schneller, als das perfekte Rührei zuzubereiten. Das kann Gordon aber besser erklären, als ich. Peter Degener

Von Louise Otterbein, Peter Degener, Saskia Kirf und Jan Russezki

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