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Potsdam So schmeckt es beim Potsdamer Italiener Pino
Lokales Potsdam So schmeckt es beim Potsdamer Italiener Pino
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16:50 31.10.2019
Kellnerin Sophie arbeitet schon seit acht Jahren im Restaurant Pino. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Gut, dass die Bäckerei und die SB-Pizzeria die Segel gestrichen haben. Sonst wäre Pino mit seiner ‚klassischen Italo-Küche’ nicht in dem reizenden Backsteinbau untergeschlüpft. Sonst könnten Potsdams feine Zungen nicht so viele hausgemachte Köstlichkeiten verzehren. Von der Tageskarte, versteht sich – hier einfach ein Muss.

„Dazu Vinos aus der ganzen Stiefelrepublik, bestens passend zur Cucina Classica.“ So habe ich 2002 im heute nicht mehr existenten Marcellino’s Restaurant Report erstmals das Pino beschrieben. Im Jahr darauf kamen noch ein paar stakkato-artige Freundlichkeiten wie „Charme & Stil ohne auf schick oder aufgemotzt zu machen“, „ein bravissimo Stück Italien“ und „die Cucina hält mit anspruchsvoll-raffinierten Klasslkern mehr als bene mit“ dazu.

Das Restaurant

Pino, Weinbergstraße 7, 14469 Potsdam, Tel. 0331 270 30 30, www.pino-potsdam.de

Plätze: innen ca. 40, außen 30–40, behindertengerecht

Geöffnet: Montag bis Samstag

18 bis 24 Uhr

Preise: Vorspeisen 12,50 bis 14,50 Euro, Pasta 13,50 bis 15,50 Euro

Hauptgerichte 21,50 bis 26,50 Euro

Desserts 8,50 bis 12 Euro.

Wasser, Softdrinks 0,3 ./3 Euro, Fl. Wasser 6,50 Euro,

Bier 0,3 l/3,50 Euro, Wein: 0,1 l ab 4,50 Euro, Flasche ab 16 Euro

Die Punkte fürs Essen sieben von zehn, für Getränke, Service und Ambiente jeweils sechs, also Schulnote zwei plus und zwei. Und dann bin ich, ehrlich gesagt, ewig nicht mehr dagewesen. Das Pino gehörte damals zu den ersten ganz besonderen Adressen in Potsdam, dann kam nach und nach so viel Neues, dass dieser Platzhirsch einfach aus meiner Wahrnehmung verschwand.

Willkommen zurück also nach über anderthalb Jahrzehnten und das fühlt sich heimelig an. Auch wenn Backsteinwände längst nicht mehr etwas Ungewöhnliches sind, so wirken sie hier weder altbacken noch Zeitgeitst-verpflichtet.

Herzliche Begrüßung

Dass der Beruf des Kellners geschätzt wird, zeigt sich bereits beim Betreten des Ristorantes. Sehr freundlich und herzlich fällt die Begrüßung des ordentlich gekleideten Teams – weißes Hemd beziehungsweise weiße Bluse und lange weiße Schürzen – aus.

Die Mäntel werden abgenommen und der weibliche Service-Profi fragt beherzt nach den ersten Getränkewünschen. Eine übliche Speisekarte im A4-Format, wie sie häufig den ganzen Tisch belegt, gibt es nicht. Stattdessen steht alles auf mit Kreide beschriebenen Tafeln. Die hängen wie Bilder an der Wand.

Das Ganze kommt dann auch noch einmal als mobile Version. Eine noch größere Tafel wird zu den Tischen apportiert. Apropos. Hunde sind erlaubt, der Herr am Nachbartisch hat seinen, brav unter dem Tisch auf dem Steinfliesenboden verweilenden Vierbeiner dabei.

Das Pino ist in der Potsdamer Weinbergstraße 7 zu finden. Quelle: Bernd Gartenschläger

Das Studium unzähliger italienischer Karten teilt die Restaurants für mich in zwei Kategorien ein. Die, die sich aus Mangel an Kreativität treu bleiben, sprich jahraus jahrein ihre Standards servieren, und die, die ihrer Persönlichkeit treu bleiben und den Spagat zwischen Klassikern, auf die die Gäste immer noch Lust haben, und neuen Kreationen, die aus der eigenen Weiterentwicklung entstehen.

Letzteres gilt immer noch trefflich für das Pino. Mit fünf bis sechs Gerichten pro Gang nimmt man dem Restaurant in der schmucken Weinbergstraße die Frischeküche ab. Gebratene Jakobsmuscheln mit Rote Bete-Mousse oder Wachtelbrust an marinierten Artischocken als Auftakt sind ebenso alles andere als Standard wie bei der Pasta die Macceroncini mit Schwertifsch und grünem Thaispargel oder bei den Hauptgerichten das Rehrückenfilet mit Maronenmousse und Rotweinsauce.

Pino-Chef Gashi mit den Auszeichnungen 2019. Quelle: Bernd Gartenschläger

Wir entscheiden uns für das zarte Oktopuscarpaccio mit schwarzem Olivenpesto, das ich mir nur mit einem Grad mehr Zimmertemperatur gewünscht hätte, und samtige Steinpilze mit Wildkräutersalat. Dazu passt wunderbar der Chardonnay von Planeta aus Sizilien. Überhaupt zeigt sich die Weinkarte mit guten Tropfen aus ganz Italien bestens aufgestellt.

Klassisch italienisch wird die Pasta, Rotondi mit einer sehr gelungenen, süßlichen Maronen-Birnenfüllung und am Tisch gehobeltem Trüffel als Zwischengang genommen. Die Hauptgerichte, die ob der inzwischen voll besetzten Tische etwas auf sich warten lassen, kommen klassischer daher. Das Wolfsbarschfilet mit Spargelrisotto ist sehr solide.

Seltenheitswert hat die gebratene, ausgelöste Wachtel mit Steinpilzfüllung, die als Ode an den Herbst verstanden werden darf. Auf einen der Dessertklassiker wie Panna Cotta mit Himbeersauce wird verzichtet. Das selber zusammengestellte Menü ist auch so rund und zeigt, dass es mehr als zeitlich überfällig war, das Pino wieder in den aktiven Restaurantschatz aufzunehmen.

Zum Dessert kann man zum Beispiel dieses köstliche Mascarpone-Törtchen bestellen. Quelle: Bernd Gartenschläger

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Von Manuela Blisse

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