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Potsdam So schmeckt’s im Chi Keng
Lokales Potsdam So schmeckt’s im Chi Keng
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01:06 15.10.2018
Le Thi Ly serviert Knusprige Entenbrust (l.) und Thunfisch auf Mangoscheiben im Restaurant Chi Keng am Luisenplatz Quelle: Fotos: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Wenn Orte sprechen könnten, der vor 285 Jahren zusammen mit der Stadtmauer angelegte Luisenplatz hätte eine Menge zu erzählen. Einst Holzsammelstelle, auf der später mit Luise von Mecklenburg-Strelitz, später Königin Luise, hoher Besuch empfangen wurde. Peter Joseph Lenné, General-Gartendirektor der königlich-preußischen Gärten, ließ ihn Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Schmuckplatz samt Fontäne umgestalten. In den 1930er-Jahren war erst einmal Schluss mit lustig, das Areal wurde zum Parkplatz umfunktioniert. Als späterer „Platz der Nationen“ wurde es vergnüglicher, fanden dort Volksfeste und Weihnachtsmärkte statt. Anlässlich der Bundesgartenschau 1999/2000 nach Lennéschem Vorbild umgestaltet, sprudelt inzwischen wieder Wasser aus einer Fontäne und wird die Tradition des Weihnachtsmarktes mit dem „Blauen Lichterglanz“ ab Ende November beibehalten.

Asiatische Küche am Luisenplatz in Potsdam.

Zweimal Asien

Könnte der Platz sprechen, würde er auch seinen Standort loben. Vis-á-vis erhebt sich das Brandenburger Tor, zum Park Sanssouci sind es nur ein paar Schritte. Dass er auch mit der Parkplatztradition nicht gebrochen hat, könnte er ebenfalls noch berichten. Unter dem Platz befindet sich eine Parkgarage. Die ist praktisch, aber natürlich weniger spannend als das überirdische Geschehen, das auch kulinarische Vielfalt zeigt. Mit dem Wiener (Café) geht es nach Österreich, mit dem Chi Keng nach Asien und zwar gleich in zwei Länder, nach Vietnam und Japan. „2  in 1“ also, das gilt auch für das Restaurant selber. Es gibt mit dem My Keng noch einen zweiten Laden, der ebenfalls auf Sushi setzt, die Fisch-Reis-Algen-Happen aber neben kambodschanischer Küche serviert.

Der breite Bürgersteig bietet reichlich Platz, dennoch sind die Tische eng gestellt. Drinnen ist von Lennéscher Gestaltung aus dem vorletzten Jahrhunderts nichts adaptiert worden, puristisch das Design mit langen blanken Holztischen und Bänken. Die Küche versucht sich nicht an einer Fusion zwischen dem japanischen Aushängeschild Sushi und den Genüssen Vietnams. Beides wird parallel angeboten. Die Auswahl an Sushi, Nigiri, Maki & Co. ist groß. Vietnam präsentiert sich mit Fernostklassikern wie Frühlingsrollen, Satayspießen, Kokossuppe, Udon- und Reisband-Nudelgerichten. Die aber bekommen den Chi Keng-Stempel, mal ob ihrer Qualität, wilder Thunfisch oder Bio-Lachs, mal weil sie hausgemacht sind wie der Seidentofu. Welche Küche wird da das Rennen machen? Ich tippe auf Vietnam, mein Begleiter hat einfach nur Hunger.

Gastro-Steckbrief

Chi Keng, Luisenplatz 3, 14471 Potsdam, Tel. 0331/95137757, www.chikeng.de

Plätze: ca. 100 jeweils außen und innen

Öffnungszeiten: täglich 12 bis 22 Uhr, reservieren nicht möglich

Preise:

– Vorspeisen 7,80 bis 11,80 Euro, Suppen 5,80 bis 16,50 Euro,

– Hauptgerichte 11,50 bis 20,50 Euro,

– Nigiri-Sushi 2 Stück ab 5,50 Euro,

– Maki-Sushi 8 Stück ab 6 Euro

– Sashimi 8 bis 10 Scheiben 25,50 Euro, Desserts 7,50 Euro

– Softdrinks 3 Euro,

– Wein 0,2l 6,80 Euro,

– Bier 0,5l 5,60 Euro

Namen statt Nummern

Leidgeprüft aus anderen Restaurants mit einer großen Karte und den unsäglichen Nummern zu den Gerichten wird die Bestellung denn auch als „18, N5, M53, 84“ aufgegeben. Doch siehe da. Die patente Kellnerin ist kein Nummerngirl, sie benennt jedes Gericht namentlich. Mit den Getränken, einem in einem hübschen dickwandigen Teepott samt Holzlöffel servierten Zitronengrastee, in dem Minzblätter, Zitronengras und Limette dekorativ schwimmen, sowie einem sehr dickflüssigen Mango-Minz-Saft, kommt auch eine Besteck-Stäbchen-Schale an den Tisch.

Der Japan-Auftakt mit Lachs-Nigiri ist hübsch anzuschauen und anständig, obwohl ich beim Reis die Reisessig-Note vermisse. Vietnam zeigt sich beim warm-kalten-Tapas-Mix im familiären Stil, groß und scheinbar fix gefüllt die Sommerrollen, die mit zuviel Rucola und trockenem Reispapier nicht ganz überzeugen. Auch die hausgemachten, frittierten Lachsbällchen kommen trotz schmackhafter Füllung durch die frittierte, schon zu trockene Kruste recht ruppig daher. Danach schicke ich für Vietnam Reisbandnudeln mit gegrilltem wildem Thunfisch, Sprossen-Krautsalat und mexikanischer (!) Salsa Roja ins Rennen – smarte Optik, Thunfisch fein, super Qualität, eine Liga besser als der Start.

Die acht, größenmäßig sehr gut gemeinten „Fire Scallops“-Rollen mit gebackenen Garnelen, Avocado, Gurke, Frischkäse, die mit Feuerjakobsmuscheln gekrönt sind, entzücken das Auge und machen am Gaumen Spaß, auch wenn beim Reis wieder die Säure fehlt. Damit trägt Japan den kulinarischen Sieg davon – eine angenehm verlorene Wette.

Das Fazit der Genussexpertin

Essen: 4

Trinken: 5

Service: 4

Ambiente: 4

Preis-Leistungs-Verhältnis: 3,5

» Alle Testergebnisse unter www.maz-online.de/restauranttest.

MAZ Wertung

Was uns gut gefiel: Zwei gut kombinierbare Küchen in einem unkomplizierten Restaurant für alle Tage, angenehm das puristische Design.

Was uns weniger gut gefiel: Zuweilen fehlt es an der Feinjustierung, gerade beim Frittieren.

Von Manuela Blisse

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