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Potsdam So war der Science Slam im Filmmuseum
Lokales Potsdam So war der Science Slam im Filmmuseum
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10:04 11.04.2019
Albrecht Vorster von der Universität Tübingen gewann den Science Slam im Filmmuseum – mit einem Vortrag über das Schlafverhalten von Schnecken.
Albrecht Vorster von der Universität Tübingen gewann den Science Slam im Filmmuseum – mit einem Vortrag über das Schlafverhalten von Schnecken. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Ein guter Slam-Abend bemisst sich nicht selten daran, wie gereizt die Haut der eigenen Handflächen am Ende der Veranstaltung ist. Denn so wie die Zuschauer den Sieger des Bühnenwettstreits durch besonders lautes und langanhaltendes Klatschen küren, so kann jeder einzelne an den eigenen Händen spüren, ob der Abend etwas taugte.

Am Ende des Science Slams am Mittwochabend im ausverkauften Filmmuseum waren die eigenen Hände schon leicht rötlich. Folglich war es ein guter, ein interessanter und vor allem ein lustiger Abend, den die Heinz-Sielmann-Stiftung zum ersten Mal ausrichtete.

Von Rauhautfledermäusen und Tiefseeanglerfischen

Das lag zum einen am Thema des Abends: Wer Biodiversität auswählt, bekommt eben auch Geschichten zu Windglasflügelzikaden, zu Rauhautfledermäusen und Tiefseeanglerfischen. Und die sind häufig absurd, überraschend und meistens schon deswegen spannend und lustig.

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Dass der Abend aber ein guter wurde, lag vor allem – man ahnt es – an den Slammern auf der Bühne. Sie erzählten, wie sich Pflanzen von einem Ort zum anderen verbreiten und warum das dänische Löffelkraut deswegen an der A10 so gut gedeiht (die Samen werden auch von den Autoreifen weitergetragen).

Sie erzählten, warum sich Forscher manchmal wünschen, dass sich ihre Forschungsobjekte an normale Bürozeiten hielten (zum Beispiel, damit Fledermausforscher endlich auch mal wieder am Tage wach sein könnten). Und sie erzählten allesamt von ihren eigenen Forschungsergebnissen – eine der Regeln eines Science-Slams.

Silberfischchen haben den wohl verrücktesten Sex im Tierreich

Die wichtigste Erkenntnis des Abends war übrigens nicht, dass Silberfischchen den wohl verrücktesten Sex im Tierreich haben (die Männchen beobachten die Wanderrouten der Weibchen, bauen dann Fallen und führen schlussendlich noch einen Balztanz auf). Die wichtigste Erkenntnis des Abends war, dass der Forscherwettstreit unter vielen guten Kandidaten einen würdigen Sieger fand.

Albrecht Vorster von der Universität Tübingen gewann mit hauchdünnem aber verdientem Applaus-Abstand. Der Neurobiologe untersucht, ob Schlaf etwas mit Lernvermögen und Gedächtnisleistung zu tun hat – anhand von Schnecken. Dabei warb er so leidenschaftlich für seine Tiere wie es der ganze Abend für die Forschung und die Artenvielfalt tat.

Von Ansgar Nehls

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