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Potsdam So will Potsdam den Verkehrskollaps verhindern
Lokales Potsdam So will Potsdam den Verkehrskollaps verhindern
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17:15 23.04.2019
Erst kürzlich sorgte die Vollsperrung der Hans-Thoma-Sraße für massive Staus in der Stadt – unter anderem auf der Humboldtbrücke ging zeitweise nichts mehr. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Ein Rohrbruch in der Hans-Thoma-Straße hat genügt, um Potsdam Anfang April ins Verkehrschaos zu stürzen. Pendler standen bis zu anderthalb Stunden im Stau, die Verkehrsbetriebe leiteten die Busse um, im gesamten nördlichen Stadtgebiet drohte Stillstand. Nun steht dem Verkehrssystem mit dem Umbau des Leipziger Dreiecks ab dem 29. April und der bevorstehenden Vollsperrung der Straße Am Kanal (siehe Infokasten) die nächste Belastungsprobe bevor.

Stellt sich die Frage: Wie soll das weitergehen? Wie will die Stadt bei wachsender Einwohnerzahl einen Verkehrskollaps verhindern? Der für die Stadtentwicklung zuständige Beigeordnete Bernd Rubelt (parteilos) hat auf MAZ-Anfrage Stellung bezogen zu Potsdams aktuellen Verkehrsproblemen heute und seiner Vision vom Verkehr der Zukunft.

Wie will die Stadt einen Verkehrskollaps konkret verhindern?

Neue Straßen könnten in der Stadt nicht gebaut werden, deswegen setzt Rubelt vor allem auf zwei Alternativen. Erstens: Abbau des Sanierungsstaus auf den vorhandenen Straßen. „Das heißt, wir müssen dauerhaft für eine ausreichende Finanzmittelausstattung für die Sanierung und Unterhaltung unserer Verkehrsinfrastruktur sorgen“, sagt der Beigeordnete. Und zweitens: Stärkung der umweltverträglichen Verkehrsmittel wie Fahrrad, Bus und Bahn, aber auch Taxi, Carsharing oder Mitfahrzentralen. Konzeptionell sei das bereits geschehen. „Das muss sich nun natürlich auch in unserer Investitionstätigkeit für diese Verkehrsmittel zeigen“, so Rubelt.

Bernd Rubelt ist in Potsdam unter anderem für die Stadtentwicklung verantwortlich und möchte erreichen, dass die Innenstadt autoarm wird. Quelle: Bernd Gartenschläger

Ist der Ausbau der Wasserwege eine Option für die Stadt?

Andere Städte wie Hamburg machen es vor und binden den Wasserweg in den öffentlichen Nahverkehr ein. Auch in Potsdam hat die Stadtpolitik schon häufiger darüber diskutiert. Rubelt sieht darin allerdings keine realistische Option. „Auf den Potsdamer Gewässern darf man in der Regel nur zwischen 9 und 12 Stundenkilometer fahren“, sagt er, „daher sind die Reisezeiten für eine umfangreiche Ausweitung des Angebots wenig attraktiv.“

Was sind die kritischsten Verkehrspunkte der Stadt?

Kritisch wird es auf Potsdams Straßen wegen der vielen Pendler besonders im Berufsverkehr. Engstellen sind laut Rubelt vor allem die beiden Havelbrücken im Stadtzentrum – die Humboldtbrücke und die Lange Brücke. „Gleiches gilt für die Zufahrtsstraßen in die Stadt“, sagt er. „Und für alle Verkehrsarten.“ Denn auch die Bahnverbindungen seien bereits seit länger Zeit mehr als ausgelastet. Ein weiteres Problem: „In der Innenstadt existiert bei einem Ausfall einer Hauptverkehrsstraße keine leistungsfähige Alternative.“ Und daran ließe sich auch nichts ändern. „Das ist eine topographische und stadthistorische Gegebenheit.“

Wie viele Autos kann Potsdam noch vertragen?

Konkrete Zahlen nennt Rubelt dazu nicht, macht aber deutlich, dass die “Kfz-Verkehrsmenge in einer Stadt keine vorgegebene Größe ist, die mit der Einwohnerzahl wachsen muss“. Zählungen an den Havelbrücken in den letzten 15 Jahren hätten gezeigt, „dass es trotz eines Bevölkerungswachstums um rund 40.000 Einwohner und dem Wachstum der gesamten Region keine KfZ-Verkehrszunahme im Potsdamer Zentrum gab“. Tatsächlich ist die Zahl der Autos im gesamten Stadtgebiet laut der städtischen Statistik seit 2004 um rund 14.000 Fahrzeuge auf jetzt 98.300 gestiegen.

Sperrung der Straße Am Kanal und Berliner Straße

Direkt nach Osternwird die Fahrbahndecke der Straße Am Kanal und die Berliner Straße zwischen Platz der Einheit der Humboldtbrücke saniert. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis 10. Mai. Dazu wird jeweils eine Fahrtrichtung voll gesperrt.

Als erstes wird ab 23. April etwa eine Woche lang die nördliche Fahrbahn erneuert. Das heißt, dass man von der Humboldtbrücke nicht links in die Berliner Straße zum Platz der Einheit und zum Bergmann-Klinikum abbiegen kann, sondern geradeaus durch die Behlertstraße zur Hans-Thoma- und Kurfürstenstraße umgeleitet wird.

Voraussichtlich ab 30. April wird dann die südliche Fahrbahndecke erneuert und die Fahrtrichtung vom Platz der Einheit zur Humboldtbrücke voll gesperrt. Wer von der Yorckstraße zur Humboldtbrücke will, muss über Charlotten-, Kurfürsten- und Hans-Thoma-Straße fahren.

Die Straßenbahn ist zumindest an den Samstagen 27. April und 4. Mai ebenfalls von den Bauarbeiten betroffen – an diesen Tagen wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Die Buslinie 692 muss ab Haltestelle Dortustraße, die Linie N16 ab Haltestelle Holzmarktstraße vom 23. bis 30. April umgeleitet werden.

Die Sanierung der Fahrbahndecke ist dringend nötig – das geschah zuletzt vor 20 Jahren.

Was wäre die perfekte Verkehrsentwicklung für die Stadt?

Viel mehr Autos wird die Stadt nicht vertragen – und deswegen gibt es für Rubelt nur einen Weg für die Zukunft: Autos raus aus der Innenstadt, alltagstaugliche Alternativen rein. Dabei fußt seine Vision auf drei Standbeinen. Erstens: Erweiterung des Tram- und Bahnnetzes. Zweitens: Ausbau der Radwege. Drittens: Verbesserung der Umsteigemöglichkeiten vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Rad.

Was ist die ganz konkrete Vision?

Konkret stellt sich Rubelt das Verkehrssystem der Zukunft so vor: Die Straßenbahn fährt bis nach Krampnitz, Fahrland, Golm und in die Großbeerenstraße, außerdem verkehrt sie häufiger und bietet mehr Platz. Die RE1-Strecke wird erweitert, die Bahnhöfe Pirschheide, Golm und Marquardt werden besser erschlossen. Die Stammbahn-Strecke wird ausgebaut, damit eine weitere Bahn-Verbindung aus Potsdam nach Berlin wieder erschlossen.

Gleichzeitig sollen Radfahrer nach Rubelts Vorstellung in Zukunft auf eigens für sie ausgebauten Trassen in den Potsdamer Norden und den Südosten fahren, Fußgänger auf Wegen mit „hohen Ansprüchen an die Barrierefreiheit“ durch die Stadt, vor allem die Innenstadt, spazieren. Wer mit dem Auto aus dem Umland in die Stadt pendelt, findet „gute Umsteigeangebote auf den ÖPNV und das Fahrrad“ vor.

Und noch etwas wünscht sich Rubelt für die Zukunft: Die Menschen sollten dabei vor dem Hintergrund der Verkehrszunahme achtsamer miteinander umgehen. „Wenn wir eine konfliktfreie Mobilität für alle wollen“, sagt er „sind Verständnis und Rücksicht untereinander unabdingbar.“

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Von Anna Sprockhoff

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